Fehlende Leitungen, überlastete Netze Bund drosselt Windkraft - Ökostrom-Umlage steigt

Die Energiewende verliert an Tempo - und das ist gewollt. Ökostrom-Anbieter von müssen nicht nur stärker um Fördergeld konkurrieren. Auch der Bau neuer Windparks im windreichen Norden wird drastisch gedrosselt. Derweil ist klar, um wieviel die Ökostrom-Umlage steigt.
Reparatur in luftiger Höhe: In Norddeutschland dürfen neuen Windkraftanlagen nur noch in beschränktem Umfang entstehen. Denn die Netze können den ganzen Ökostrom nicht mehr aufnehmen, auch fehlen Leitungen zum Abtransport in den Süden

Reparatur in luftiger Höhe: In Norddeutschland dürfen neuen Windkraftanlagen nur noch in beschränktem Umfang entstehen. Denn die Netze können den ganzen Ökostrom nicht mehr aufnehmen, auch fehlen Leitungen zum Abtransport in den Süden

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Im Norden Deutschlands werden künftig deutlich weniger neue Windkraft-Anlagen entstehen. Nach einem am Dienstag bekanntgewordenen Entwurf für eine Verordnung der Bundesnetzagentur müssen die Regionen, in denen in der Vergangenheit die meisten neuen Windparks entstanden sind, künftig rund der Hälfte des bisherigen Zubaus auskommen. Grund für den gebremsten Ausbau sind die Engpässe im Stromnetz. Für Stromkunden dürfte sich beim Preis dem Entwurf zufolge aber kaum etwas ändern.

Von den jährlich 2500 Megawatt Windkraft-Leistung, die von 2017 an jährlich neu gebaut werden sollen, dürfen nur maximal 902 Megawatt in "Netzausbaugebieten" im Norden entstehen, wie aus Entwurf hervorgeht. Je nach Größe einzelner Anlagen entspreche das zwischen 120 und 200 Windrädern.

Da der Bau großer Nord-Süd-Stromleitungen nur schleppend vorankommt, lässt sich der Windstrom aus dem Norden oft nicht nutzen. Vor allem Windanlagen an Land würden "wegen Engpässen im Übertragungsnetz in steigendem Umfang in Norddeutschland abgeregelt, weil der Strom nicht vor Ort verbraucht und nicht zu den großen Verbrauchszentren im Süden abtransportiert werden kann", heißt es. "Das führt zu volkswirtschaftlich zu vermeidenden Mehrkosten."

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland kritisierte: "Ausgerechnet die kostengünstigste Technologie soll an den besten Standorten gedeckelt werden."

Quasi der ganze Norden wird zum Ausnahmegebiet

Dem Entwurf zufolge wird ganz Mecklenburg-Vorpommern zu einem solchen Wind-Ausnahmegebiet. Ebenso Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg und Bremerhaven sowie der nördliche Teil Niedersachsens. Ursprüngliche Pläne, statt in Mecklenburg-Vorpommern in ganz Niedersachsen und auch Hessen den Ausbau zu drosseln, sind nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" damit vom Tisch.

Von 2017 an wird die Förderung von Ökostrom in Deutschland komplett umgestellt. Mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erhalten Betreiber größerer Windparks oder Solaranlagen sowie von Biogas-Anlagen künftig für eingespeisten Strom keine feste, gesetzlich festgelegte Vergütung mehr. Stattdessen werden neue Projekte ausgeschrieben. Wer am wenigsten Subventionen pro Kilowattstunde Strom verlangt, erhält dann den Zuschlag.

Sind die die eingangs erwähnten 902 Megawatt im Norden ausgeschöpft, kommen selbst günstige Bieter nicht zum Zuge und müssen es später oder an anderer Stelle neu versuchen. Deutschland will bis zum Jahr 2025 einen Ökostromanteil von derzeit 33 Prozent auf 40 bis 45 Prozent erhöhen. Hauptknackpunkt der Energiewende sind fehlende Stromleitungen. Im Norden wird sehr viel Windstrom produziert, der aber nicht in die Industriezentren im Süden kommt.

"Unmittelbare Auswirkungen auf das allgemeine Preisniveau oder das Verbraucherpreisniveau sind nicht zu erwarten", heißt es in dem Entwurf weiter. Durch die Begrenzung der Zuschläge für neue - grundsätzlich effizientere - Windenergieanlagen könne einerseits an Land im "Netzausbaugebiet" der durchschnittliche Zuschlagswert und damit die EEG-Umlage steigen. Andererseits seien geringere Netzentgelte zu erwarten, da die Kosten für die Abregelungen neuer Windanlagen an Land im "Netzausbaugebiet" sinken.

EEG-Umlage steigt auf 6,88 Cent je Kilowattstunde

Vorerst aber die EEG-Umlage und damit auch der Strompreis steigen. Die sogenannte Ökostrom-Umlage wird von derzeit 6,35 Cent auf wohl 6,88 Cent pro Kilowattstunde klettern, wie aus der Strombranche am Dienstag verlautete. Die Umlage zahlen Verbraucher über die Stromrechnung. Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" darüber unter Berufung auf Netzbetreiber berichtet.

Bereits Ende September hatten Experten mit einem Anstieg auf knapp unter 7 Cent pro Kilowattstunde gerechnet. Die Netzbetreiber geben die Höhe der Umlage für 2017 an diesem Freitag bekannt. Das Wirtschaftsministerium äußerte sich nicht zu dem Bericht.

Die EEG-Umlage wird als Differenz zwischen dem Preis, den Stromerzeuger für ihren Strom bekommen, und den garantierten Abnahmepreisen für Ökostrom berechnet. Je niedriger der Börsenpreis, den Energiekonzerne zahlen müssen, desto höher die Umlage. Was der Anstieg der Umlage für Haushalte bedeutet, ist daher kaum zu berechnen. Es kommt darauf an, ob die Energiekonzerne fallende Börsenstrompreise an die Kunden weitergeben.

rei/dpa
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