Montag, 19. August 2019

Energiewende Windkraft steigt in Spanien erstmals zur wichtigsten Energiequelle auf

Windpark bei Saragossa: Spanien ist bei den erneuerbaren Energien führend
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Windpark bei Saragossa: Spanien ist bei den erneuerbaren Energien führend

Deutschland als Energiewende-Weltmeister? Pustekuchen! In Spanien ist die Windkraft zur wichtigsten Energiequelle aufgestiegen. Das gab es bisher in keinem Land. Die Emissionen von Kohlendioxid gingen in einem Jahr um 23 Prozent zurück. Auch andere Länder melden neue Windrekorde.

Madrid - Die Windenergie ist in Spanien erstmals zur wichtigsten Quelle der Stromerzeugung aufgestiegen. Wie der spanische Verband der Windenergie-Unternehmen (AEE) am Mittwoch in Madrid mitteilte, deckte die Branche im vorigen Jahr 20,9 Prozent des Bedarfs an Elektrizität ab - und damit etwas mehr als die Atomkraftwerke mit 20,8 Prozent.

Spanien ist damit das erste Land der Welt, in dem die Windenergie den größten Anteil des Strombedarfs deckt. In Deutschland ging der Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung zuletzt leicht zurück - auf etwa 8 Prozent. Vorn liegt die Braunkohle.

Die Stromproduktion durch Windenergie sei in Spanien 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 13,2 Prozent gestiegen, hieß es von AEE. Die spanischen Atomkraftwerke hätten zwar insgesamt geringfügig mehr Elektrizität erzeugt als die Windräder. Aber der Betrieb der Reaktoren habe mehr Energie verschlungen, so dass der Sektor der Windenergie unterm Strich mehr elektrischen Strom auf den Markt bringen konnte.

Weil auch die Wasserkraft stark zulegte (auf 14,4 Prozent), brachen die spanischen Emissionen von Kohlendioxid im Stromsektor binnen eines Jahres um 23,1 Prozent ein, wie der Netzbereiber Red Electrica mitteilte. Der Anteil erneuerbarer Energien stieg auf 42,4 Prozent (Deutschland: 24,7). Auf die Solarenergie entfiel ein Anteil von 5 Prozent (Deutschland: 4,5).

Der Beitrag anderer Stromquellen brach zum Teil deutlich ein. So sank der Anteil von Gaskraftwerken um ein Drittel auf 14,6 Prozent. Die Kraftwerksbetreiber erzeugten zudem ein Viertel weniger Kohlestrom; der Anteil sank auf 9,6 Prozent.

Der Hauptgrund für die Rekorde bei erneuerbaren Energien ist vor allem das vorteilhafte Wetter. Die Wasserkraftwerke hätten von außergewöhnlich viel Regen, die Windkraftanlagen von zahlreichen Stürmen profitiert. Zudem baut Spanien insbesondere seine Windparks weiter aus. Hochburgen der Windenergie sind - bezogen auf die Fläche - die Regionen Galicien, Navarra und La Rioja.

Künftig könnte auch der Anteil der Solarenergie wieder steigen, obwohl Spanien die Förderung radikal zusammengestrichen hat. Denn inzwischen ist es auch wirtschaftlich, Solarparks ohne Subventionen zu bauen. Den Auftakt macht derzeit eine 2,5-Megawatt-Anlage bei Sevilla. Die Betreiber verkaufen den Strom am freien Markt.

Windanteil von 55 Prozent in Dänemark im Dezember

Aufgrund des hohen Anteils erneuerbarer Energien musste der spanische Netzbetreiber zu außergewöhnlichen Maßnahmen greifen, um die Balance von Angebot und Nachfrage zu halten. In der Weihnachtszeit mussten deshalb erstmals Atomkraftwerke gedrosselt werden.

Auch andere Länder haben im vergangenen Jahr Rekorde bei erneuerbaren Energien aufgestellt. So deckte Windernergie 33 Prozent des dänischen Strombedarfs, vorn liegt allerdings noch die Kohle. Im windigen Dezember schnellte der Anteil sogar auf 55 Prozent in die Höhe, wie der dänische Netzbetreiber Energienet mitteilte. Während der Weihnachtswoche seien es 68,5 Prozent gewesen. Dänemark will den Windstromanteil bis 2020 auf 50 Prozent ausbauen.

Nennenswerte Probleme im dänischen Netz hat es trotz des hohen Windstrom-Anteils offenbar nicht gegeben. "Die Strommengen sprechen Bände darüber, wie gut sich Windenergie ins Netz integrieren lässt", sagte der Technik-Chef von Siemens Wind Power, Henrik Stiesdal, gegenüber dem Wall Street Journal. Die noch vor wenigen Jahren angenommene Obergrenze von 10 bis 15 Prozent sei hinfällig.

Portugal und Irland meldeten ebenfalls neue Höchstwerte beim Wind, die weit über den deutschen Werten für Windstrom liegen. Italien ist bei der Photovoltaik mit 7 Prozent Stromanteil führend.

nis/dpa-afx

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