Widerstand gegen Draghi wächst EZB-Direktorium gespalten bei Anleihekäufen

Im EZB-Direktorium wächst der Widerstand gegen Präsident Mario Draghi: Die Hälfte der Mitglieder lehnt seinen geldpolitischen Kurs ab - der Ankauf von Staatsanleihen ist damit noch längst kein Selbstläufer.
Draghi (M.) auf dem Weg zur Pressekonferenz: Im Januar könnte die EZB mit dem großangelegten Kauf von Staatsanleihen beginnen

Draghi (M.) auf dem Weg zur Pressekonferenz: Im Januar könnte die EZB mit dem großangelegten Kauf von Staatsanleihen beginnen

Foto: AP/dpa

Berlin/Frankfurt am Main - Der Richtungsstreit über die künftige Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat sich laut einem Pressebericht verschärft. EZB-Präsident Mario Draghi könne derzeit nicht mehr auf eine Mehrheit innerhalb des sechsköpfigen Direktoriums der Notenbank bauen, berichtete die Tagezeitung "Die Welt". Bei der Abstimmung über die offizielle Stellungnahme des EZB-Rates zur geldpolitischen Lage hätten gleich drei der insgesamt sechs Direktoren gegen die vom Präsidenten unterstützte Vorlage gestimmt.

Neben der Deutschen Sabine Lautenschläger und dem Luxemburger Yves Mersch, die sich bereits früher skeptisch zu Anleihenkäufen geäußert hatten, habe auch der Franzose Benoit Coeure gegen Draghis Kurs gestimmt, hieß es weiter unter Berufung auf Zentralbankkreise. Damit wachse das Lager der internen Gegner Draghis kurz vor einer möglichen Entscheidung über ein groß angelegtes Staatsanleihenprogramm.

Die neueste Stellungnahme des Rates beinhalte zwar noch keine Festlegung auf den Kauf von Staatsanleihen, lasse eine solche Maßnahme nach Einschätzung von Beobachtern aber näher rücken. Draghi hatte im Anschluss an die Sitzung eingeräumt, dass das Direktorium nicht geschlossen abgestimmt hatte.

An der Börse war der Dax  am Donnerstag kurzzeitig auf ein neues Rekordhoch geklettert, danach aber abgestürzt. Der deutsche Leitindex schloss deutlich im Minus.

Bereits auf ihrer nächsten Sitzung im Januar könnte die EZB Kreisen zufolge in den großangelegten Kauf von Wertpapieren einsteigen. Angepeilt sei der Erwerb verschiedenartiger Anleihen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag mit Bezug auf zwei nicht namentlich genannte Notenbanker. Aktien sollen nicht gekauft werden. Das Paket sei allerdings noch nicht ausgearbeitet, auch über die Umsetzung sei noch nicht entschieden worden. Welche konkreten Papiere gekauft werden könnten, hänge von der Datenlage ab. Ein Sprecher der EZB habe die Informationen nicht kommentieren wollen.

ts/dpa-afx
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