Run auf Waffenhersteller Waffen-Aktien nach Orlando-Massaker gefragt wie nie

Es ist eine zynische Reaktion des Marktes: Nach dem Massaker von Orlando mit mindestens 50 Toten legen die Aktien von Waffenherstellern wie Smith and Wesson oder Ruger zeitweise zweistellig zu. Der Grund ist einfach.
Nachwuchsarbeit: Auf dem Jugendtag der NRA dürfen auch die Kleinen mal Massaker spielen

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Massaker in Orlando: Trauer und Stolz

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Börsianer nennen es zynisch die "Obama-Waffenrally": Jedesmal, wenn in den USA ein Amokläufer ein Massaker mit vielen Todesopfern anrichtet, beginnt die Diskussion über strengere Waffengesetze in den USA von neuem. Das bedeutet: Waffenhersteller wie Smith and Wesson oder Sturm and Ruger richten sich kurzfristig auf eine deutlich steigende Nachfrage nach Schusswaffen ein, da viele Waffenfans noch rasch ihr Waffenlager aufstocken, bevor eventuell striktere Waffenkontrollen greifen.

So auch am Tag nach dem Massaker von Orlando. Die Aktie von Smith and Wesson, Sturm and Ruger legten am Montag zeitweise zweistellig zu und konnten gegen den schwachen Markttrend jeweils mit einem Plus von 6 bis 8 Prozent aus dem Handel gehen.

Die Kursgewinne der Hersteller basieren auf der Annahme, dass der amtierende Präsident Obama unter dem Eindruck des jüngsten Massakers noch vor der US-Wahl die Waffenkontrollen verschärft. Auch die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, hat sich mehrfach für schärfere Waffengesetze ausgesprochen.

Einzig Donald Trump demonstriert Nähe zur Waffenlobby NRA und versucht, die Bluttat für seine politischen Zwecke zu nutzen: Wenn jeder US-Bürger eine schussbereite Waffe bei sich trage, so Trumps Logik, könnten Massaker wie jetzt in dem Orlando-Nachtclub gar nicht passieren, da ein Amokschütze rasch zur Strecke gebracht würde. Mit verstärkten Waffenkontrollen wäre unter einem Präsidenten Trump nicht zu rechnen.

Die Aktie von Ruger , die am Montag mit einem Plus von knapp 9 Prozent aus dem Handel ging, hat in den vergangenen 12 Monaten mehr als 12 Prozent an Wert hinzugewonnen.

In den USA kommen pro Tag durchschnittlich 90 Menschen durch Schusswaffen ums Leben. In den 10 Jahren zwischen 2004 und 2014 starben in den USA rund 350.000 Menschen durch Schusswaffen, davon rund 130.000 durch Morde. Zum Vergleich: Die Zahl der im Zweiten Weltkrieg getöteten US-Soldaten beträgt rund 405.000 Todesopfer.

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