Mittwoch, 21. August 2019

Griechenland und Euro-Gruppe Vier mögliche Lösungen im "Feiglingsspiel"

Varoufakis: Unkontrollierter Crash oder Ausweichmanöver?

Nach dem Eklat beim Euro-Gipfel sind die Fronten zwischen Griechenland und den Partnern verhärtet wie nie zuvor. Bis Montag muss im sogenannten "Feiglingsspiel" eine Seite nachgeben - sonst droht der Grexit.

Hamburg - Es ist eine Art Mutprobe: Zwei Autos rasen mit voller Geschwindigkeit aufeinander zu. Wer ausweicht, hat verloren und gilt als Feigling. Doch wenn keiner ausweicht, kommt es zur Katastrophe und beide Fahrer sterben.

In der ökonomischen Spieltheorie nennt man diese Konstellation das Feiglingsspiel (auf Englisch: "Chicken Game"). Und es sieht so aus, als wollten Griechenland und der Rest der Eurozone gerade demonstrieren, wie dieses Spiel in der knallharten Realität aussieht - Zusammenstoß ausdrücklich eingeschlossen.

Bis in die Nacht haben die Euro-Finanzminister am Mittwoch in Brüssel darüber verhandelt, wie es mit Griechenland weitergehen soll. Wenigstens eine grundsätzlich politische Übereinkunft wollte man erzielen, um die Details bis zum nächsten Treffen am kommenden Montag festzuzurren.

Die Zeit drängt. Das überschuldete Griechenland braucht im März dringend frisches Geld und bittet die Europartner um eine letzte Brückenfinanzierung, um in den kommenden Monaten einen umfassenden Reform- und Umschuldungsplan auszuarbeiten. Und so schien eine vorläufige Einigung am Mittwoch auch auf gutem Wege. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble war sogar bereits abgereist. Doch im letzten Moment verweigerte der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis seine Zustimmung.

Tsipras soll seinen Finanzminister zurückgepfiffen haben

Glaubt man Beobachtern, müssen die Umstände dramatisch gewesen sein. Wie die Zeitung "Financial Times" ("FT") und die Nachrichtenagentur Reuters berichten, hatte Varoufakis bereits grundsätzlich eingewilligt, eine Abschlusserklärung zu unterzeichnen. Diese hätte die Griechen einerseits zu strikteren Reformen verpflichtet, ihnen aber andererseits eine Verlängerung des Ende Februar auslaufenden Hilfsprogramms in Aussicht gestellt - als Brückenfinanzierung bis zu einer neuen Übereinkunft mit den Geldgebern.

Doch genau das war offenbar das Problem. Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras hat den Griechen versprochen, das laufende Hilfs- und Reformprogramm aufzukündigen, weil der damit verbundene harte Sparkurs viele Menschen im Land ärmer gemacht hat. Deshalb will er nun auf keinen Fall einer Verlängerung dieses Programms zustimmen. Laut "FT" soll er seinen Finanzmister in der vergangenen Nacht zurückgepfiffen haben. Varoufakis selbst will das so nicht stehen lassen und spricht auf Twitter von "dubiosen Behauptungen".

Die Euro-Gruppe wiederum will unbedingt am laufenden Programm festhalten. Vereinbarungen müssten eingehalten werden, betonen der deutsche Finanzminister Schäuble und der niederländische Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem immer wieder. Erst dann könne man über neue Programme reden.

Die Fronten sind also verhärtet wie selten zuvor. Um einzuschätzen, wie es weitergehen könnte, lohnt wieder ein Blick auf das Feiglingsspiel der aufeinander zu rasenden Autos. Dort gibt es vier mögliche Varianten.

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