Donnerstag, 18. Juli 2019

Tarifstreit Gespräche geplatzt - neuer Lokführer-Streik steht bevor 

Die Zeichen stehen wieder auf Rot: GDL und Deutsche Bahn konnten sich nicht einigen, Reisende müssen mit neuen Streiks rechnen

Pendler und Reisende müssen sich erneut auf Bahn-Streiks einstellen. Die Verhandlungen zwischen Lokführer-Gewerkschaft und Deutscher Bahn sind geplatzt. Der Konzern verliert bei den Streiks Millionen und muss auch langfristig um Kunden bangen.

Berlin - Berufspendler und Fernreisende müssen sich auf tagelange Bahn-Streiks einstellen. Gespräche über eine Verständigung mit der Lokführer-Gewerkschaft GDL seien kurz vor einer Lösung geplatzt, erklärte die Deutsche Bahn am Montag in Berlin. Eine GDL-Sprecherin sagte, die Gremien der Gewerkschaft tagten und es werde am Nachmittag eine Erklärung zu den Tarifgesprächen und einem möglichen Ausstand geben.

Der letzte GDL-Streik vor zwei Wochen hatte rund 60 Stunden gedauert und bundesweit große Teile des Reise- und Güterverkehrs lahm gelegt. Die Gewerkschaft hatte die Dauer der Streiks im Zuge des Tarifkonflikts immer weiter ausgedehnt. Es droht nun der längste Ausstand in der Geschichte der Deutschen Bahn. "Bild" hatte unter Berufung auf Gewerkschaftskreise berichtet, im Gespräch sei ein Ausstand von bis zu 91 Stunden.

Nach Angaben der Bahn hatte es nach mehreren Gesprächsrunden bereits den Entwurf eines Tarifvertrags gegeben, der auch ein eigenständiges Abkommen für die Zugbegleiter umfasst hätte. Dieser habe am Sonntagabend abschließend beraten werden sollen. Dann habe es eine Kehrtwende der GDL gegeben. "Eine gute Zukunftslösung ist erneut an reinen Machtfragen gescheitert. So verhält sich kein verlässlicher Verhandlungspartner", sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber.

Wettbewerber der Bahn profitieren

Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn im Jahr bei kürzeren Arbeitszeiten. Kern des Konflikts ist aber, dass die Gewerkschaft dies nicht mehr allein für die 20.000 Lokführer fordert, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer. Die Vertretung dieser Gruppe beansprucht aber die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für sich. Die Bahn lehnt konkurrierende Tarifabschlüsse ab.

Die Deutsche Bahn verliert bei den Lokführerstreiks Millionen und muss auch langfristig um Kunden bangen. So hatten Fernbusunternehmen von steigender Nachfrage berichtet. Im Güterverkehr hatten während der jüngsten Streiks Autohersteller Transporte auf Lkw verlagert. "Durch die Streiks gab es mehr zu tun", bestätigte der Hauptgeschäftsführer des Güterkraftverkehrsverbandes BGL, Karlheinz Schmidt.

"Wenn die Bahn sich auf längere Sicht als unzuverlässig erweist, wird die Industrie sicher Konsequenzen ziehen. Dann wäre es möglich, dass Transporte dauerhaft von der Schiene auf die Straße verlegt werden."

Eine Bahn-Sprecherin sagte dazu, es sei zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh, um über Auswirkungen zu spekulieren. Neben der Autoindustrie setzt auch die Chemie- und die Stahlindustrie in großem Umfang auf Güterzüge. Auch Kohle wird häufig auf der Schiene transportiert.

rei/dpa/rtr

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