Verdi-Erhebung In Krankenhäusern fehlen 80.000 Pflegekräfte

Am 25. Juni ist es soweit, dann müssten die meisten Stationen der Krankenhäuser in Deutschland eigentlich schließen. Denn die Pflegekräfte haben bis zu diesem Tag ihre Arbeit für den Monat längst geleistet. Ohne massenhafte Überstunden und Selbstausbeutung funktioniert der Krankenhausbetrieb also nicht, hat die Gewerkschaft Verdi nachgerechnet. Verdi zufolge fehlten in den Krankenhäusern 80.000 Pflegekräfte.
Zupackende Hände: In deutschen Krankenhäusern hat der Personalnotstand in der Pflege ein dramatisches Ausmaß angenommen

Zupackende Hände: In deutschen Krankenhäusern hat der Personalnotstand in der Pflege ein dramatisches Ausmaß angenommen

Foto: DPA

Für eine gute Patientenversorgung müssten laut Verdi nach Berechnungen der Pflegekräfte 22 Prozent mehr Stellen an den Krankenhäusern geschaffen werden. Dies ergab eine am Montag in Düsseldorf vorgestellte Erhebung der Dienstleistungsgewerkschaft, an der sich bundesweit rund 13.000 Pflegefachkräfte in Krankenhäusern beteiligten. Dieser "Belastungscheck" beim Pflegepersonal belege "einmal mehr, dass die Personaldecke erschreckend kurz ist", betonte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler.

"Die Beschäftigten sind schon alle, wenn der Monat noch gar nicht rum ist", erklärte die Gewerkschafterin. "Das System funktioniert nur, weil die Beschäftigten über ihre Belastungsgrenze gehen und mit hohem persönlichen Einsatz versuchen, den Personalmangel auszugleichen." Das Pflegepersonal werde "regelrecht verschlissen".

Der Personalnotstand in der Pflege lässt sich auch anders beschreiben: Würden Pflegekräfte ihre Pausen einhalten, keine Überstünden machen oder nicht spontan an eigentlich freien Tagen einspringen, müssten die Stationen in Krankenhäusern eigentlich jeden Monat mehrere Tage schließen. In diesem Monat wäre dies nach Gewerkschaftserhebungen am 25. Juni der Fall, weil alle Pflegekräfte rechnerisch ihre Arbeit für den gesamten Monat dann schon geleistet haben. Im Mai war es laut Verdi der 24. Mai.

Pflegepersonal müsste um 22 Prozent aufgestockt werden

Insgesamt, so die Gewerkschaft, müsste das vorhandene Pflegepersonal in den Krankenhäusern eben um 22 Prozent aufgestockt werden, was rund 80.000 zusätzlichen Pflegekräften entspricht. Dann könnten diese einerseits die Patienten gut versorgen und andererseits zu eigentlich normalen Bedingungen arbeiten.

Verdi rief anlässlich der bevorstehenden Gesundheitsministerkonferenz der Länder in Düsseldorf für Mittwoch zu einer Demonstration in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt auf. Unter dem Motto "Mehr von uns ist besser für alle" wollen Beschäftigte in Krankenhäusern und Altenpflege zum Auftakttag der Konferenz unter anderem eine deutliche Aufstockung des Personals fordern.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz erklärte zu der Verdi-Erhebung, nur wer anständige Arbeitsbedingungen habe, könne "Würde wahrend" pflegen. "Wird auf Kosten der Pflege gespart, leiden besonders die alten, pflegebedürftigen und schwerstkranken Menschen im Krankenhaus", mahnte Vorstand Eugen Brysch. Notwendig sei die Einführung verbindlicher und patientenorientierter Personalschlüssel. "Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern müssen auf ihrer Konferenz darauf eine klare Antwort geben."

rei/afp
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