Sonntag, 26. Mai 2019

Boeing aus Russland steht angeblich bereit Maduro, Guaidó und die mysteriösen 20 Tonnen Gold

Goldbarren (Symbolbild): Versucht im Machtkampf in Venezuela jemand auf die Bestände des Landes zuzugreifen?

Der Machtkampf in Venezuela nimmt inzwischen offenbar Züge eines kinoreifen Polit-Thrillers an: Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, steht auf einem Flughafen in oder nahe der Hauptstadt Caracas eine Boeing 777 russischer Herkunft bereit. Das Flugzeug warte womöglich darauf, 20 Tonnen Gold außer Landes zu schaffen, so Bloomberg. Gold aus den Tresoren der Zentralbank, wohl gemerkt. Ziel: unbekannt.

Die Quellenlage für diese Mutmaßungen erscheint dünn, aber nicht unseriös. Zuerst twitterte Bloomberg zufolge der venezolanische Abgeordnete Jose Guerra über die angeblichen Pläne zum Abtransport des Goldes. Guerra habe zwar auf vielfache Nachfragen keinen Nachweis für seine Behauptung liefern können, so der Bericht. Der Politiker sei allerdings in seinem früheren Leben selbst Ökonom bei der Zentralbank gewesen und verfüge nach wie vor über gute Kontakte dorthin.

Darüber hinaus bestätigte auch eine zweite Quelle, die offenbar innerhalb der Notenbank des Landes sitzt, das Vorhaben: 20 Tonnen Gold seien in dem Institut bereits für den Transport bereit gestellt worden. Die Barren seien rund 840 Millionen Dollar (etwa 730 Millionen Euro) wert und repräsentierten rund 20 Prozent der Goldbestände, die die Zentralbank Venezuelas innerhalb des Landes halte.

Sollte es die Pläne tatsächlich geben, so erscheint die entscheidende Frage derzeit noch unklar: Wer versucht da womöglich, Gold in Sicherheit zu bringen? Ins Blickfeld gerät naturgemäß der amtierende Präsident Nicolás Maduro, der sich mit Oppositionsführer Juan Guaidó einen Machtkampf liefert, dessen Ausgang derzeit noch völlig offen erscheint.

Parlamentspräsident Guaidó, der sich vor Tagen selbst zum Übergangspräsidenten des Landes erklärt hatte, erhält zwar die Unterstützung der USA und zahlreicher weiterer vor allem lateinamerikanischer Länder. So haben die Vereinigten Staaten zuletzt Sanktionen über Öl-Importe aus Venezuela verhängt, um das Maduro-Regime dort zu schwächen.

Auch auf Vermögenswerte im Ausland kann Maduro auf Druck der USA offenbar kaum noch zugreifen. Bloomberg zufolge verweigerte die Bank of England den Gesandten des venezolanischen Machthabers zuletzt den Zugriff auf in London gelagerte Goldbestände im Wert von 1,2 Milliarden Dollar. Die Fäden sollen dabei im Hintergrund US-Außenminister Michael Pompeo sowie Trump-Berater John Bolton gezogen haben.

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