USA Obama: Polizeigewalt "keine isolierten Einzelfälle"

Binnen 48 Stunden sterben zwei Schwarze in den USA durch Polizeikugeln. Der Präsident redet der verstörten Nation ins Gewissen. Solche Tragödien kämen "viel zu oft" vor.
Barack Obama

Barack Obama

Foto: MANDEL NGAN/ AFP

Nach dem Tod von zwei Schwarzen durch Polizeikugeln in den USA hat Präsident Barack Obama die tödliche Polizeigewalt als "ernsthaftes Problem" in der Gesellschaft bezeichnet. Es beim Namen zu nennen, widerspreche nicht dem "Respekt" und der "Anerkennung" gegenüber der Mehrheit der Beamten, die täglich ihr Leben aufs Spiel setzten, sagte Obama.

Zuvor waren innerhalb von 48 Stunden zwei Afroamerikaner durch Polizeischüsse getötet worden. Der 32-jährige Philando Castile wurde während einer Polizeikontrolle im Bundesstaat Minnesota erschossen. Seine Freundin streamte das schockierende Ereignis live auf Facebook.

Video: Polizist schießt auf Schwarzen - Freundin startet Livestream auf Facebook

SPIEGEL ONLINE

Im Staat Louisiana wurde der 37-jährige Alton Sterling von der Polizei durch Schüsse in die Brust getötet. Am Donnerstag sagte ein Obdachloser der Polizei, Sterling habe mit einer Waffe herumgefuchtelt. Das berichtete CNN. Die Angaben wurden zunächst nicht bestätigt.

Am Boden liegenden Schwarzen aus nächster Nähe erschossen

Ein im Internet verbreitetes Handyvideo, das die Redaktion von manager-magazin.de hier nicht veröffentlicht, zeigt dann allerdings, wie zwei Polizisten auf dem am Boden auf dem Rücken liegenden Sterling knien und ihn festhalten. Einer der beiden Polizisten zieht dann plötzlich eine Waffe, und es fällt ein Schuss. Die Einstellung danach zeigt, wie der Schwarze mit blutender Brust am Boden liegt.

Die Handyvideos beider Ereignisse verbreiteten sich rasch im Internet. Hunderte Menschen protestierten vor Ort, der Twitter-Hashtag der Anti-Rassismus-Bewegung "Black Lives Matter", "#AltonSterling", wurde zum meistverbreiteten in den USA. Auch zahlreiche Prominente äußerten ihre Wut, ihre Trauer, ihre Fassungslosigkeit. Bei Protesten kam es jedoch auch zu weiterer Gewalt. Bei einer Anti-Rassismus-Demonstration im Bundesstaat Texas wurden mehrere Polizisten angeschossen.

Obama schrieb in einem langen Beitrag auf Facebook, alle Amerikaner sollten von diesen tödlichen Schüssen zutiefst beunruhigt sein. "Wir haben solche Tragödien viel zu oft gesehen." Es handle sich dabei nicht um "isolierte Einzelfälle". Die Schüsse seien unter anderem Ausdruck des "fehlenden Vertrauens" zwischen den Behörden und den Bürgern.

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Obama zitierte mehrere Statistiken, die die Benachteiligung von Afroamerikanern im US-Alltag belegen. "Menschen guten Willens können das besser", sagte Obama nach seiner Landung in Warschau. Dort beginnt am Freitag der Nato-Gipfel. "Der Wandel passiert zu langsam. Wir müssen dem mehr Dringlichkeit verleihen", sagte Obama.

Zum Fall Sterlings, der nun auch das US-Justizministerium beschäftigt, äußerte sich auch Hillary Clinton. In einem Statement verwies die voraussichtliche demokratische Präsidentschaftskandidatin auf weitere Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze: "Von Staten Island bis Baltimore, von Ferguson bis Baton Rouge beklagen zu viele afroamerikanische Familien den Verlust eines geliebten Menschen durch einen Vorfall mit Polizeibeteiligung."

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Ähnliche Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze hatten in den vergangenen Jahren mehrfach Empörung ausgelöst. Im Sommer 2014 gab es schwere Unruhen nach dem gewaltsamen Tod des 18-jährigen Michael Brown in Ferguson im Bundesstaat Missouri. Im vorigen Jahr gab es Proteste nach dem Tod von Freddie Gray in der Ostküstenstadt Baltimore.

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 asa/kev/dpa/AFP
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