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Anti-Rassismus-Demo: Tödliche Schüsse in Dallas

Foto: AP/Smiley N. Pool/The Dallas Morning News

Attacke auf US-Polizei Tote und Verletzte bei Heckenschützen-Angriff in Dallas

Während eines Protestmarschs gegen Polizeigewalt in der US-Stadt Dallas haben Heckenschützen fünf Polizisten getötet. Mindestens sieben weitere sowie zwei Zivilisten seien verletzt worden, teilten die Behörden der texanischen Großstadt am Freitag mit. Einer der mutmaßlichen Angreifer sei mit Hilfe eines Roboters getötet worden, an dem ein Sprengsatz angebracht war, sagte Polizeichef David Brown. Drei Menschen wurden festgenommen. US-Präsident Barack Obama zeigte sich auf dem Nato-Gipfel in der polnischen Hauptstadt Warschau bestürzt über die Bluttat.

Brown zufolge hatten mehrere Heckenschützen am Abend um kurz vor 21 Uhr (Ortszeit) von erhöhten Positionen aus das Feuer eröffnet. Die Täter hätten vermutlich mit Gewehren aus dem Hinterhalt geschossen, einige Opfer wurden im Rücken von Kugeln getroffen. "Die Schützen wollten so viele Gesetzeshüter wie möglich verletzen oder töten", sagte Brown. Sie hätten zudem gedroht, "eine Bombe im Innenstadtbereich zu platzieren". Inzwischen sei ein verdächtiges Paket gefunden worden, Sprengstoffspezialisten seien im Einsatz.

Drei Tatverdächtige seien festgenommen worden, darunter eine Frau. Ein weiterer Mann hat sich Brown zufolge in einem Parkhaus verschanzt und mit der Polizei einen 45-minütigen Schusswechsel geliefert. Verhandlungen seien zunächst erfolglos geblieben, sagte Brown. Bürgermeister Rawlings bestätigte, dass der mutmaßliche vierte Heckenschütze inzwischen tot ist. Er sei gestorben, nachdem die Polizei mit Hilfe eines Roboters Sprengstoff eingesetzt habe, um ihn von weiteren Schüssen auf Beamte abzuhalten.

Menschen aller Hautfarben demonstrieren in Dallas gegen den brutalen Tod zweier Schwarzer durch Polizeikugeln in Louisiana und Minnesota binnen 48 Stunden - wenig später werden dann in Dallas mindestens vier Polizisten erschossen

Menschen aller Hautfarben demonstrieren in Dallas gegen den brutalen Tod zweier Schwarzer durch Polizeikugeln in Louisiana und Minnesota binnen 48 Stunden - wenig später werden dann in Dallas mindestens vier Polizisten erschossen

Foto: REUTERS/Dallas Police Department

Einsatzkräfte suchten nun nach Sprengsätzen, so Brown, mit dem umstellten Mann war verhandelt worden. Er habe den Unterhändlern gesagt, "dass das Ende kommt und dass er mehr von uns verletzten und töten wird." Die Polizei gehe daher "sehr vorsichtig" vor.

Brown zeigte zudem das Foto eines mutmaßlichen Täters: Zu sehen ist ein Mann mit Waffe und einem T-Shirt in Camouflage-Farben, die Behörden bezeichneten ihn als "Mann von Interesse". Er habe sich selbst gestellt, so Brown. Ein weiterer Verdächtiger sei nach einem Schusswechsel mit Spezialeinsatzkräften festgenommen worden, teilte die Polizei mit.

Ob es sich um einen gezielten Racheakt für zwei in den vergangenen Tagen in Louisiana und Minnesota getötete Afroamerikaner handelte, oder ob die Angreifer aus anderen Motiven handelten, werden nun mit Hochdruck geprüft, hieß es. Unklar ist auch, ob bereits alle Verdächtigen gefasst werden konnten.

Der Polizei zufolge hatten nach den Schüssen zudem zwei Männer in einem schwarzen Wagen mit hohem Tempo die Innenstadt von Dallas verlassen. Zuvor soll ein Mann eine auffällige Tasche in Tarnfarben in den Kofferraum des Autos gelegt haben. Die beiden verdächtigen Insassen würden nun befragt.

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Laut dem Sender KABC fand die Demonstration im Belo Garden Park in Dallas statt. Videoaufnahmen sollen zeigen, wie Polizisten und Teilnehmer des Protestmarsches hinter Fahrzeugen in der Straße Schutz suchen. Nach den Schüssen forderte die Polizei Anwohner auf, das Stadtzentrum von Dallas zu meiden.

Der öffentliche Verkehr in der Stadt wurde laut der Zeitung "Dallas Morning News" unterbrochen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA sperrte den Luftraum über Dallas vorübergehend für zivile Flugzeuge. In dem Bereich seien in den nächsten Stunden nur Flugeinsätze unter der Leitung der Polizei genehmigt, hieß es in einer Mitteilung.

"Unsere schlimmsten Alpträume sind wahr geworden", sagte Bürgermeister Rawling. "Das ist ein herzzerreißender Moment für die Stadt Dallas."

Die Demonstration war zunächst friedlich verlaufen. Anlass waren die Todesfälle Philando Castile und Alton Sterling: Die beiden Afroamerikaner waren in den vergangenen beiden Tagen durch Polizeikugeln ums Leben gekommen.

  • Philando Castile, 32, starb in einem Krankenhaus im US-Bundesstaat Minnesota, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle auf ihn geschossen hatte. Die Freundin des Opfers hatte den Vorfall gefilmt und live via Facebook übertragen (siehe Video oben).
  • Alton Sterling, 37, starb etwa 48 Stunden zuvor im Bundesstaat Louisiana: Zwei Polizisten hatten ihn auf einem Parkplatz zu Boden gezwungen und aus nächster Nähe erschossen.

Handyvideos beider Ereignisse verbreiteten sich rasch im Internet, sie wurden Hunderttausende Male angesehen und geteilt. Am Donnerstagabend gab es in zahlreichen US-Städten Demonstrationen. Vor dem Kapitol in Washington schwenkten Menschen Plakate mit der Aufschrift "Stoppt den Krieg gegen das schwarze Amerika".

In New York marschierten zeitgleich Hunderte Menschen zum Times Square in Manhattan und mahnten, "Schwarze sind keine Gefahr". In Chicago forderte die Menschenmenge "Gerechtigkeit für Philando und Alton". Ein Afroamerikaner stand vor der Hauptwache der Polizei mit einem Schild in der Hand: "Bin ich der Nächste?"

Das Justizministerium in Washington kündigte mittlerweile an, die Fälle von Louisiana und Minnesota untersuchen zu wollen. Mit einer Verurteilung der betroffenen Polizisten rechnet in der Hauptstadt allerdings kaum jemand.

US-Präsident Barack Obama sprach angesichts der Polizeigewalt von einem "ernsthaften Problem". Während eines Besuchs in der polnischen Hauptstadt Warschau sagte er: "Wir erleben so etwas viel zu oft." Jeder Amerikaner solle die Wut, die Frustration und die Trauer anerkennen, die so viele Amerikaner fühlen - "Gefühle, die in friedlichen Protesten und Mahnwachen ihren Ausdruck finden. Michelle und ich teilen diese Gefühle."

Der Gouverneur des Bundesstaates Minnesota, Mark Dayton, schrieb in der "Washington Post" über den Fall Castile: "Wäre das passiert, wenn die Insassen weiß gewesen wären? Ich denke nicht. Niemand sollte in Minnesota wegen eines defekten Rücklichts erschossen werden."

Auch zahlreiche Prominente äußerten sich betroffen, im Folgenden finden Sie einen

Überblick in Zitaten:

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