Montag, 22. April 2019

Der Tag nach der US-Wahl Kreml räumt Kontakt zu Trumps Wahlkampfteam ein

Wladimir Putin: Der Kreml räumt Kontakte zu Trumps Wahlkampfteam ein

Kommentar: Fünf Gründe gegen die Trump-Panik
Kommentar: Populisten sind leicht zu bekämpfen
Die dramatische Wahlnacht im Newsblog


Liebe Leserin, lieber Leser.

Es ist der Tag danach. "The day after", sozusagen. Für viele Beobachter und die Hälfte der US-Bürger, die Hillary Clinton und nicht Donald Trump gewählt haben, dürfte der umstrittene Immobilienmogul in der Tat als politischer GAU, als größter anzunehmender Unfall in der jüngeren US-amerikanischen Geschichte erscheinen. Nolens volens - die Amerikaner selbst und viele Staaten, die nun vor einem protektionistischen Amerika zittern, werden sich mit diesem neuen Präsidenten und seiner Machtfülle auch im US-Kongress auseinandersetzen müssen. Wird Donald Trump so regieren wie er Wahlkampf betrieben hat? Seine versöhnlichen Worte unmittelbar nach der Wahl lassen auf Anderes hoffen. manager-magazin.de begleitet Sie heute mit einem Newsblog durch den Tag danach.

16 Uhr: Nach Donald Trumps überraschenden Wahlsieg setzen die Anleger in den USA offensichtlich darauf, dass der Republikaner die Wirtschaft mit Konjunkturpaketen ankurbeln werden. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen jedenfalls markierte zu Handelsbeginn mit 18.723 Punkten den höchsten Stand seiner langen Geschichte.

15.30 Uhr: Trump ist Geschäftsmann und sitzt einem milliardenschweren Immobilienkonglomerat vor, das auch andere Marken führt. So zum Beispiel sein eigenes Wasser - "Trump Water". Doch darf Trump das Unternehmen weiter führen, wenn er Präsident wird? Vom Grundsatz her ja. Aber um den Verdacht eines Interessenkonflikts erst gar nicht aufkommen zu lassen, soll die Gruppe in einen besonderen Trust überführt werden, wo eines von Trumps Kindern künftig die Geschäfte führen soll, sagte sein Anwalt und Vizechef Michael Cohen laut CNBC. Trump widme sich nun ganz und gar der Aufgabe, Amerika zu regieren. Er sei nicht mehr an seinen Geschäften interessiert. Der Frage eines möglichen Interessenkonflikts geht auch der Business-Insider nach.

15 Uhr: Die Nachricht könnte Verschwörungstheoretiker wieder auf den Plan rufen: Russlands Regierung räumt Kontakte zu Trumps Wahlkampfteam ein: "Es gab Kontakte", sagte der stellvertretende Außenminister Rjabkow zu Interfax. Und man werde die Arbeit fortsetzen. Einzelheiten nannte er nicht. US-Behörden werfen Moskau vor, russische Hacker hätten dafür gesorgt, dass eigentlich geheime E-Mails der unterlegenen Hillary Clinton an die Öffentlichkeit gelangen konnten und damit der Demokratin geschadet. Präsident Putin wies die Behauptung zurück.

14.30 Uhr: Wir wissen nicht, ob sich sich Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban schon mit Donald Trump verabredet hat. Gemessen an der Begeisterung des Rechtskonservativen über den Wahlausgang, dürfte es aber nicht mehr lange dauern: "Was für großartige Nachrichten." Mit dem Votum erlebe die Welt die "Rückkehr zur wahren Demokratie", wird Orban zitiert. Am Vortag hatte er sich ähnlich geäußert und auch andere Rechtspopulisten in Europa hatten Trumps Sieg begrüßt.

14 Uhr: Die internationalen Aktienmärkte reagieren auf die Wahl Trumps anders als erwartet: Sie steigen. Einige Protagonisten freuen sich sogar diebisch darüber, dass Trump ans Ruder gekommen ist. Hedgefonds-Manager und Trump-Vertrauter Carl Icahn gehört dazu. Früh schon hatte er eine Milliarde Dollar auf steigende Kurse gesetzt. Gegenüber Bloomberg nannte er dafür zwei Gründe: "Deregulation" und "Deficit Spending". Lesen Sie hier , warum Trump der neue Liebling der Wall Street ist.

13 Uhr: Dass Trumps Wahlsieg krank machen kann (siehe Eintrag 7 Uhr) davor wurde ja schon von professoraler Stelle aus gewarnt. Jetzt stelle man sich vor, die US-Wahl würde enttäuschten Clinton-Anhängern hierzulande deshalb auch noch den Spaß am Shoppen verderben, und das so kurz vor Weihnachten ... Dem ist Gott seit Dank nicht so. Sagen die Händler - genauer ihr oberster Lobbyist, HDE-Chef Stefan Genth. Trumps Sieg könne die Kauflust der Deutschen nicht dämpfen. Sie würden sich die Festtagsstimmung nicht verderben lassen. Na denn ...

Alles andere als beste Freunde: Donald Trump und Fed-Chefin Janet Yellen

12 Uhr: Für die US-Notenbank Fed fand Donald Trump im Wahlkampf wenig freundliche Worte. Warf er der Zentralbank und Fed-Chefin Janet Yellen doch vor, sie machte sich mit ihrer Zinspolitik zum verlängerten Arm von US-Präsident Barack Obama. Die Bank stellte am Donnerstag durch den Präsidenten des Ablegers von San Francisco klar: Die Fed ist und bleibt unabhängig. John Williams deutete zudem an, dass die Fed auch nach dem Wahlsieg Trumps weiter eine schrittweise Zinsanhebung erwägt. Die Märkte erwarten allerdings, dass Trumps Zollschranken-Pläne die US-Wirtschaft in eine Rezession stürzen könnte und die Fed daher von einer Zinserhöhung unter Trump Abstand nimmt.

11.15 Uhr: Internationale Abkommen, die den freien Verkehr von Waren und Dienstleistungen zum Ziel haben, sind Trump ein Dorn im Auge. Ein Kommentator der "Finanical Times" schließt gar Handelskriege zwischen den USA und dem Rest der Welt nicht aus. Für Kanada steht viel auf dem Spiel, sollte Trump womöglich das das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) kippen. Er hatte den Vertrag als "schlechtesten Deal in der Geschichte der Vereinigten Staaten" bezeichnet. Kanada würde das Abkommen neu verhandeln, wenn Trump dies wünscht, zitiert AP Kanadas Botschafter in Washington, David MacNaughton.

10.30 Uhr: Bekanntlich zweifelt Trump die Tatsache des Klimawandels an - und will statt regenerative Energien lieber die Kohle-, Gas- und Ölindustrie fördern. Umweltpolitiker erfüllt das mit Unbehagen. So fordert Bundesumweltministerin Hendricks den designierten US-Präsidenten auf, am Welt-Klimaabkommen von Paris festzuhalten: "Wir gehen davon aus, dass völkerrechtliche Verpflichtungen gelten und natürlich auch nach Regierungswechseln eingehalten werden und fortgelten

10 Uhr: Manchmal holt die Realität auch Goldman Sachs ein: Zeigten sich Experten der US-Bank wie viele andere Analysten auch skeptisch für die Börsen im Falle eines Wahlsiegs von Trump, vollzieht sie nun eine Kehrtwende. Namentlich David Kostin, Aktien-Chef-Stratege bei Goldman Sachs, hält die Auswirkungen der US-Wahlen für den S&P 500 quasi für vernachlässigenswert, berichtet Bloomberg. Das Ziel für den breit angelegten Index sieht er zum Jahresende unverändert bei 2100 Punkten. Ein anderer Stratege, Tom Lee von Fundstrat Global Advisors, sagt dem Index vom gegenwärtigen Stand sogar ein Plus von 3 Prozent voraus.

9.10 Uhr: Was für Untergangsszenarien waren für die Börse beschrieben worden, käme Trump an die Macht. Nix da. Bereits am Wahltag schloss der Dax Börsen-Chart zeigen mit 1,5 im Plus und legt am Donnerstag weiter zu. Ein mögliches Argument: Unter Trump bleiben die Zinsen in den USA niedrig.

Quo vadis, Amerika? Das fragt sich am Tag nach der US-Wahl nicht nur diese junge Frau

9 Uhr: Die Deutschen rechnen damit, dass sich die Beziehungen zu den USA unter dem künftigen Präsidenten Donald Trump verschlechtern werden. Laut ZDF-Politbarometer erwarten 65 Prozent der Befragten eine Verschlechterung. 26 Prozent gehen davon aus, dass sich nichts ändert, 3 Prozent erwarten eine Verbesserung der deutsch-amerikanischen Beziehungen. 81 Prozent der Deutschen halten die gegenwärtigen Beziehungen beider Staaten für sehr gut oder gut. 14 Prozent werten sie als schlecht oder sehr schlecht.

8.45 Uhr: Amerika werde auch unter dem neuen Präsidenten Trump fest an der Seite von Israel stehen, versichert der scheidende Vizepräsident Joe Biden. Er fügte in der Nacht bei einer Preisverleihungsgala des Jüdischen Weltkongresses (WJC) in New York an: "Wir haben einen der spaltendsten Wahlkämpfe in der jüngeren Geschichte der USA hinter uns und ich weiß, dass viele Menschen sich Sorgen machen, was das für Israel bedeutet." Das Verhältnis zu Israel war unter US-Präsident Obama zuletzt ja ein wenig abgekühlt.

8.30 Uhr: Mit einigen Regierungschef, etwa dem australischen, soll Trump schon telefoniert haben. Andere fädeln bereits Termine mit Donald Trump ein: Japans Premier Shinzo Abe etwa kündigte an, kommende Woche den designierten US-Präsidenten in New York zu treffen. Telefoniert haben sie natürlich auch und tauschten nach Agenturberichten die üblichen Floskeln aus.

8.15 Uhr: Gemunkelt wurde das ja schon lange: Donald Trump als Präsident könnte die Rolle des Weltpolizisten USA neu definieren und von den (Nato-)Verbündeten mehr eigene Anstrengungen einfordern. Das glaubt auch der Verteidigungsexperte der Unionsfraktion, Henning Otte (CDU): Auf die Bundeswehr würde jetzt mehr Arbeit zukommen, sagte er der Deutschen Presseagentur.

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