Dienstag, 17. September 2019

US-Studie Vorgesetzte zerstören Frauenkarrieren

Frauen im Beruf: Realitätscheck
Corbis

Frauen wollen keine Karriere machen und wenn doch, bremsen Kinder sie aus. Diese Erklärungen sind vor allem einfach - und falsch, wie jetzt eine Studie belegt. Das größte Problem für angehende Fachkräfte sind die eigenen Chefs.

Hamburg - Viele Frauen starten motiviert, selbstbewusst und voller Ehrgeiz ins Berufsleben - mit einem wesentlich stärkeren Wunsch als Männer, es bis ganz nach oben zu schaffen. Das ist die gute Nachricht der Studie "Moments of Truth" der Unternehmensberatung Bain & Company. Doch die schlechte Nachricht gibt es gleich dazu: Nach nur fünf Jahren im Job sind bei den Frauen nur noch Rudimente von Karriereambitionen und Selbstsicherheit zu finden. Die Männer hingegen bleiben unerschüttert überzeugt von sich und ihrem Weg.

43 Prozent der Berufsanfängerinnen möchten den Aufstieg ins Topmanagement schaffen. Sie werden getragen von ihren Erfahrungen, gut und meist sogar besser zu sein als ihre männlichen Mitschüler und Kommilitonen. Doch nach fünf Jahren im Job haben sie einen Realitätsschock erlitten: Gerade noch 16 Prozent sehen sich als künftige Chefs. Bei den Männern hingegen hegt ein Drittel der Einsteiger Ambitionen auf eine Position im Vorstandsbereich - ein Wert, der auch mit zunehmender Berufserfahrung stabil bleibt.

Entsprechend ändert sich das Selbstvertrauen, für eine Topposition geeignet zu sein: Trauen sich 27 Prozent der weiblichen Berufsstarter einen Job ganz oben zu, halbiert sich diese Zahl nach fünf Jahren. Bei den Männern halten sich 28 Prozent der Einsteiger geeignet für höhere Weihen, nach rund fünf Jahren Berufserfahrung bleiben 25 Prozent.

Für die Studie wurden in den USA über 1000 Männer und Frauen befragt, mit und ohne Kinder, aus unterschiedlichen Unternehmen, Alters- und Hierarchiestufen. Die Ergebnisse seien grundsätzlich auf Deutschland übertragbar, so die Herausgeber.

"Dass die Weichen so stark in den ersten Berufsjahren gestellt werden, hätte ich in dieser Dramatik nicht erwartet", sagt Henrik Naujoks, Partner bei Bain & Company und verantwortlich für Personalthemen. "Zudem wird das einfache Erklärungsmuster, dass Kinder verantwortlich sind für die mangelnden Frauenkarrieren, durch unsere Studie statistisch widerlegt und ist somit nicht länger haltbar. Denn die Befragten antworten ähnlich, nennen die selben Gründe - unabhängig vom Ehe- und Familienstatus."

Doch was stoppt die Frauen dann?

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