Donnerstag, 21. November 2019

US-Studie Vorgesetzte zerstören Frauenkarrieren

Frauen im Beruf: Realitätscheck
Corbis

2. Teil: Drei Faktoren, die Frauen auf ihrem Karriereweg stoppen

Die Studie identifiziert als Antwort auf die Frage drei Hauptfaktoren: Männlich geprägte Rollenvorstellungen, mangelnde Unterstützung des Vorgesetzten und fehlende Vorbilder.

Glauben von zehn Berufseinsteigern vier, dass sie die Stereotypen des Aufsteigers erfüllen, sind es bei den berufserfahreneren Männern noch drei - bei den Frauen nur etwa jede vierte. Frauen bemerken dabei nicht nur, dass sie aus der Rolle des immer präsenten Siegertyps fallen, sondern auch, dass diese Rolle sie nicht anspricht. "Viele Topmanager sind immer im Dienst und erreichbar, das empfinde ich als wenig erstrebenswert", so eine der Befragten. Eine andere sagt: "Ich möchte mein Privatleben nicht aufgeben, nur um die Ansprüche der Firma zu befriedigen".

Zudem vermissen viele Frauen die Wertschätzung und ehrliche Anerkennung ihres direkten Vorgesetzten. In einer Phase, in der erste Verantwortung übernommen wird und Karrieren gestartet werden, schaffen beide Seiten es oft nicht, erfolgreich miteinander zu kommunizieren. So fühlen sich 64 Prozent der Berufseinsteigerinnen von ihrem Vorgesetzten unterstützt, nach wenigen Jahren sinkt der Wert auf 44 Prozent.

Chefs wertschätzen weiblichen Kolleginnen offenbar weniger

Bei Männern läuft es besser mit den Chefs: Hier fällt der Unterstützungsfaktor um lediglich drei Prozentpunkte von 59 auf 56 Prozent. Frauen sind frustriert über die fehlende Anerkennung: "Meine Chefs sind weder ermutigend noch erkennen Sie meine Leidenschaft für die Arbeit an", so eine Teilnehmerin. Andere berichteten, dass negatives, unkonstruktives Feed-back sie in ihrem Glauben an sich und Ihre Fähigkeiten nachhaltig erschüttert hat. Eine fatale Entwicklung.

"Was mich überrascht, ist wie wichtig die Unterstützung durch den direkten Vorgesetzten ist ", so Naujoks. Er sieht jetzt die Führungskräfte in der Pflicht. "Die Bekenntnisse des Topmanagements zum Thema Frauenförderung haben wir alle gehört, jetzt sind die Ebenen darunter gefragt. Wie kommunizieren die? Wie besetzen sie eine neue Stelle? Transparent oder doch wieder durch die immer gleichen Buddies? Welche Fähigkeiten haben sie im Umgang mit weiblichen Mitarbeitern? Diversity ist kein Hobby der Personalabteilung, sondern eine zentrale Aufgabe der Führung"

In einem Punkt der Studie sind die Geschlechter sich jedoch einig: Es fehlen im Topmanagement Vorbilder oder Rollenmodelle, die Identifikationsmöglichkeiten bieten. Frauen erkennen ihresgleichen kaum in Vorständen und Geschäftsführungen. Doch das Problem ist komplexer: Auch Männern fehlen Identifikationsfiguren - nach fünf Jahren in der Firma hat ein Drittel der Frauen wie Männer seine Role Models verloren. Absolut gesehen kann sich weniger als jeder dritte Mitarbeiter mit einem der Leistungsträger im eigenen Unternehmen identifizieren. Beide Geschlechter brauchen also vor allem eines: Neue Vorbilder.

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