Sonntag, 26. Januar 2020

Wahl in der Ukraine Poroschenko wird mit absoluter Mehrheit Präsident

Poroschenko gibt in Kiew seine Stimme ab: 56 Prozent für den Milliardär

Ein Schokoladen-Milliardär wird Präsident der Ukraine: Mit 56 Prozent gewinnt Petro Poroschenko laut Prognosen die Wahl in dem vom Bürgerkrieg geplagten Land - und das bereits im ersten Wahlgang.

Donezk - Petro Poroschenko wird neuer Präsident der Ukraine. Laut Nachwahlbefragungen stimmten zwischen 55 und 57 Prozent der Wähler für den Milliardär. Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko kam auf rund 13 Prozent.

Poroschenko kündigte an, für Stabilität zu sorgen. "Zuerst müssen wir allen Bürgern der Ukraine Frieden bringen", sagte der Milliardär in Kiew. "Die Bewaffneten müssen von den Straßen der Städte und Dörfer verschwinden." Poroschenko ist einer der reichsten Männer der Ukraine, unter anderem gehört ihm der Schokoladenhersteller Roshen.

In den östlichen Gebieten Donezk und Lugansk verhinderten prorussische Separatisten vielerorts eine Abstimmung. Nur ein Bruchteil der Wahllokale öffnete überhaupt. In Donezk demonstrierten mehrere tausend Menschen gegen die Präsidentenwahl.

Dennoch war die Wahlbeteiligung überraschend hoch: Bis 15 Uhr Ortszeit hatten laut offiziellen Angaben 40,4 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Bei der ersten Runde der Präsidentenwahl 2010 hatte die Wahlbeteiligung insgesamt bei 66 Prozent gelegen.

1200 Beobachter überwachten die Wahl

In der Hauptstadt Kiew und im Westen des Landes bildeten sich tagsüber in den Wahllokalen Schlangen. Dies wurde allerdings auch darauf zurückgeführt, dass in den Wahllokalen deutlich weniger Wahlhelfer aktiv waren als bei der Wahl 2010. Die Wahllokale sollen um 20 Uhr Ortszeit schließen.

Die Ukraine ist seit der Amtsenthebung und Flucht von Präsident Janukowitsch ins russische Exil Mitte Februar ohne gewählten Staatschef. 1200 internationale Wahlbeobachter kontrollierten den Urnengang.

Offen ist nun, wie Russland auf das Ergebnis reagiert. Russlands Präsident hatte am Samstag erklärt, Moskau werde das Votum respektieren, sprach aber nicht ausdrücklich von einer "Anerkennung".

Russlands Ministerpräsident Dimitri Medwedew sorgte am Wahlsonntag für erneuten Unfrieden zwischen den beiden Ländern. Seine überraschende Reise auf die annektierte Krim bezeichnete das Außenministerium als "besondere Unverschämtheit" und "absichtliche Provokation".

Spiegel Online

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