Donnerstag, 25. April 2019

Netzbetreiber machen Rechnung auf Stromkunden müssen mit neuen Milliardenlasten rechnen

Unterirdisch verlegte Stromkabel wie hier vom Netzbetreiber Amprion sind kostspielig. Der Netzausbau wird die deutschen Stromkunden offenbar mehr Milliarden kosten als bislang angenommen

Spätestens 2038 soll das letzte Kohlekraftwerk in Deutschland vom Netz gehen, womöglich könnte der Kohleausstieg sogar schon auf 2035 vorgezogen werden, empfahl kürzlich die sogenannte Kohlekommission. Die Folgen des Ausstiegs insbesondere für das Rheinland und Ostdeutschland soll der Steuerzahler mit 40 Milliarden Euro abfedern.

Klar ist, dass mit dem Kohleausstieg der Anteil des aus regenerativen Energien erzeugten Stroms parallel steigen muss. Auch wenn manche das Ziel nicht für erreichbar halten - gut 65 Prozent des verbrauchten Stroms in Deutschland sollen nach Plänen der Bundesregierung bis 2030 aus erneuerbaren Energien stammen.

Im vergangenen Jahr kletterte der Anteil regenerativer Energien am deutschen Strommix (ohne Eigenstromerzeugung der Industrie) auf 40,4 Prozent. Noch aber stehen fossile Energieträger wie Erdgas, die umweltschädlichere Braunkohle und Steinkohle sowie die ebenfalls auslaufende Kernenergie für fast 60 Prozent der Stromerzeugung in Deutschland, berichtete das Fraunhofer-Institut zu Jahresbeginn.

Stromkunden müssten jährlich sechs Milliarden Euro mehr bezahlen

Je stärker der Ökostromanteil steigt, desto mehr neue Netze braucht es in Deutschland, damit insbesondere der in norddeutschen Regionen erzeugte Windstrom über "Stromautobahnen" nach Süden gelangen kann. Doch weil die vier geplanten Leitungen auf drei Trassen nicht bis 2025 fertiggestellt sein, noch ihre Transportkapazität von acht Gigawatt ausreichen dürfte, braucht es nach Einschätzung der deutschen Netzbetreiber weitere Leitungen, berichtet die "FAZ" am Montag online.

Die Kosten für den zusätzlichen Ausbau des Übertragungsnetzes könnten sich nach Schätzungen der Netzbetreiber bis 2030 um 20 Milliarden Euro auf 52 Milliarden Euro erhöhen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf den "Netzentwicklungsplan 2030", der am heutigen Montag der Bundesnetzagentur übergeben werden soll.

Die zusätzlichen 20 Milliarden Euro würden allerdings nur den Ausbau an Land abdecken. Bis zu weitere 24 Milliarden Euro kämen je nach Szenario für den Ausbau der Leitungen zu den Windparks vor den Küsten von Nord- und Ostsee hinzu. Summa summarum kostete der Netzausbau in den kommenden 12 Jahren bis zu 76 Milliarden Euro.

Über ihre Stromrechnung hätten die Stromkunden in Deutschland jährlich bis zu 6 Milliarden Euro zusätzlich an Kosten zu berappen, rechnet die Zeitung vor.

Nicht nur in Redwitz an der Rodach (Bayern) wenden sich Menschen gegen neue Stromtrassen. Ihr Widerstand verzögert den Ausbau erheblich

Bürgerinitiativen, Bauern und Anwohner wehren sich massiv gegen die Verlegung der geplanten Stromtrassen, verlangen Schadenersatz oder befürchten gar gesundheitliche Beeinträchtigungen. Sie verweisen dabei auf technische Neuerungen, die den geplanten Leitungsbau in geringerem Ausmaß oder gar überflüssig machen könnten.

Die Hochspannungsnetzbetreiber Amprion, 50Hertz, Tennet und Transnet-BW weisen die Kritik aber zurück. Sie hätten bei ihrer Hochrechnung den Einsatz fortschrittlichster Technologien selbstredend berücksichtigt, um den Ausbau "auf das geringst erforderliche Maß zu reduzieren", zitiert die "FAZ" aus dem ihr vorliegenden Netzentwicklungsplan.

Die Kosten für den Ausbau ließen sich hingegen kaum reduzieren, da die gesetzlich vorgeschriebene Verlegung unter der Erde eben kostspielig sei - und die Ausgaben für Entschädigungen, Grundstücke, Kabel und Planungsarbeiten zugleich ansteigen würden.

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