Montag, 22. Juli 2019

Kampf um Rohstoffe China baut künstliche Inseln ins Südchinesische Meer

Südchinesisches Meer: Peking lässt künstliche Insel aufschütten
DPA/ DFA

Im Streit um Seegebiete im Südchinesischen Meer geht die chinesische Regierung offenbar unkonventionelle Wege: Berichten zufolge ist Peking dabei, künstliche Inseln in der Region aufzuschütten.

Um die Spratly-Inseln im Südchinesischen Meer gibt es seit schon Jahrzehnten Streit. Mit China, Taiwan, Vietnam, Brunei, Malaysia und den Philippinen erheben insgesamt sechs Staaten entweder vollständig oder teilweise Ansprüche auf die Inselgruppe, die aus mehr als 100 kleinen Eilanden, Riffen und Atollen besteht.

Das Interesse kommt nicht von ungefähr: Das viele hundert Quadratkilometer große Seegebiet, in dem sich die Inselgruppe befindet, gilt als attraktive Region für den Fischfang. Neben dem Thunfisch und der Makrele sind dort vor allem der Tintenfisch, der Krake sowie die Seeschildkröte beheimatet. Und was in dem Konflikt zwischen den angrenzenden Staaten wohl noch wichtiger ist: Vermutlich lagern unter der Wasseroberfläche riesige Vorkommen von Erdöl und -gas.

Kein Wunder also, dass manch eines der konkurrierenden Länder mit allen Mitteln versucht, die Inselgruppe unter sein Regiment zu bekommen. Aufsehen erregte beispielsweise ein Zwischenfall Ende der 1980er Jahre, als die chinesische Marine in der Nähe des so genannten Johnson Riff zwei Schiffe der Vietnamesen versenkte und daraufhin einige weitere Spratly-Inseln besetzte. Bis zu 70 vietnamesische Grenzschützer kamen dabei ums Leben.

Die neueste Initiative Chinas dagegen erscheint deutlich weniger gewalttätig, dafür aber umso kreativer: Allem Anschein nach ist die Volksrepublik dabei, künstliche Inseln in das Gebiet der Spratly-Inseln zu setzen. Auf diese Weise versuche Peking, die Region buchstäblich neu zu ordnen, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg, die über die Vorgänge berichtet.

Philippinen beschweren sich

Laut Bloomberg wurden chinesische Schiffe dabei beobachtet, wie sie große Mengen an Baumaterial in das fragliche Seegebiet transportierten. Frachter mit Sand, Zement, Holz und Stahl an Bord würden regelmäßig auf den Meeren nahe den umstrittenen Spratlys pendeln, berichtet die Agentur mit Verweis auf die Angaben von örtlichen Fischer und Offiziellen. Es erinnere beinahe an den Bau künstlicher Inseln, der schon dem Emirat Dubai zu Berühmtheit verholen habe.

"Sie bauen Inseln, die es vorher niemals gegeben hat", zitiert Bloomberg den Bürgermeister des Spratly-Ablegers "Kalayaan". "Der Bau schreitet unaufhaltsam voran." Nach Ansicht des Lokalpolitikers könnte die Entwicklung die völlige Kontrolle der Spratlys durch die Chinesen zur Folge haben.

Zum Hintergrund: Seit eh und je errichten vor allem die Chinesen, die Vietnamesen und die Philippinen Siedlungen sowie Militärbasen auf zuvor unbewohnten Inseln der Spratlys, um ihre territorialen Ansprüche mit Leben zu füllen. Das völlig neue Aufschütten von Eilanden, wo es früher keine gab, stellt in dem Konflikt aber ein Novum dar.

Vor kurzem hatte die philippinische Regierung bereits Bilder einer mit Sand aufgeschütteten neuen Insel am Ende der 80er Jahre eroberten Johnson Riff veröffentlicht. Die Philippinen warfen China "destabilisierende Aktionen" vor und vermuteten, Peking errichte auf der getürkten Insel einen Flugplatz, um auch die Kräfteverhältnisse in der Luft zu verschieben.

Das chinesische Außenministerium dagegen rechtfertigte sein Vorgehen damit, dass China die "unbestreitbare Souveränität" über die Spratly-Inseln besitze. Alle Baumaßnahmen fielen demnach unter chinesische Hoheit.

Die künstlichen Inseln sowie eine mögliche Einrichtung neuer Militärbasen könnten China helfen, seine Ansprüche in dem Gebiet zu festigen, schreibt auch Bloomberg. Nach Angaben der Agentur handelt es sich immerhin um eine Region, durch die einige der verkehrsreichsten Schifffahrtslinien der Welt verlaufen.

Fotostrecke: Wie die Philippinen den Chinesen auf die Schliche kamen

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