Montag, 17. Juni 2019

Folgen der Schuldenkrise Was, wenn Gelddrucken nicht gegen Deflation wirkt?

2. Teil: Ist Deflation überhaupt ein Problem?

Der Normalzustand der Wirtschaft ist Deflation. Über lange Zeiträume hinweg - gerade im 19. Jahrhundert - herrschte geringe Deflation und hohes Wirtschaftswachstum. Fundamental lässt sich das auch erklären. Die Unternehmen entwickeln immer neue Wege um Güter kostengünstiger herzustellen. Die Betriebswirtschaftslehre spricht dabei von Erfahrungseffekten. Studien der Fed zeigen, dass Deflation keineswegs mit einer negativen Wirkung auf das wirtschaftliche Wachstum verbunden sein muss.

Genau darauf weisen jene hin, die betonen, dass selbst wenn eine Deflation drohen sollte, diese keineswegs so fatal wäre wie die besorgten Kommentatoren meinen.

In einem Umfeld hoher Schulden haben wir es aber mit einer anderen Art der Deflation zu tun. Diese ist nicht Folge effizienterer Produktionsmethoden sondern Ergebnis eines Entschuldungsprozesses. Dabei wirkt die Deflation krisenverstärkend, weil sie die reale Schuldenlast steigert.

Wenn das Nominalwachstum der Wirtschaft unter dem Nominalzins liegt, wird es den Schuldnern schwer gemacht, die Schulden abzutragen.

Dies setzt dann echte Ersparnis voraus, bei Staaten spricht man vom "Primärüberschuss", also einem Überschuss im Etat vor Zinszahlungen. Dies führt zu einem Fehlen an Nachfrage in der Wirtschaft und damit krisenverstärkend.

Im heutigen Umfeld ist genau dies die Gefahr. Wie anderweitig diskutiert haben wir es mit geringem fundamentalen Wachstum (schrumpfende Erwerbsbevölkerung und Produktivität!) zu tun. Bei hohen Schulden führt Deflation direkt in die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners.

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