Dienstag, 18. Februar 2020

Inselstaat friert Zahl der Pkw und Motorräder ein Mehr Auto geht nicht, entscheidet Singapur

Rush hour im Inselstaat Singapur: Mehr Autos geht nicht, hat die Verwaltung entschieden

Das Autofahren in Singapur ist so teuer wie kaum woanders auf der Welt. Der Inselstaat hat 5,6 Millionen Einwohner und 600.000 Autos. Doch der Verkehrsbehörde ist die Zahl der Pkw schon zu viel - der Fahrzeugbestand im Inselstaat darf künftig nicht mehr wachsen.

Singapur, einer der teuersten Orte der Welt, um ein Auto zu besitzen, will das Wachstum des Fahrzeugbestandes rigoros stoppen. Ab Februar sollen keine weiteren Pkw oder Motorräder mehr zugelassen werden. Alte Kraftfahrzeuge können durch neue ersetzt werden.

Als Begründung gab die Landesverkehrsbehörde des Stadtstaats (LTA) Landknappheit und den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehr an. Schon in der Vergangenheit hatte die LTA die Wachstumsrate für den Fahrzeugbestand an Autos und Motorrädern auf 0,25 Prozent pro Jahr festgelegt. Im Jahr 2020 wird die neue Quote von 0,0 Prozent erneut überprüft.

Gegenwärtig werden laut LTA zwölf Prozent der gesamten Landfläche Singapurs durch Straßen belegt. "In Anbetracht der Landbeschränkungen und der konkurrierenden Bedürfnisse gibt es nur begrenzten Spielraum für einen weiteren Ausbau des Straßennetzes", so die Behörde.

Kein Platz mehr für Autos

Die Bevölkerung in Singapur wächst stark. Seit 2000 ist die Zahl der im asiatischen Inselstaat lebenden Menschen um fast 40 Prozent auf nunmehr rund 5,6 Millionen Menschen gestiegen. Die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge ist mit 600.000 Privat- und Mietwagen für europäische Verhältnisse eher gering. Zum Vergleich: In Deutschland betrug der Fahrzeugbestand im Januar 45,8 Millionen Pkw bei etwa 83 Millionen Einwohnern.

Wer in Singapur ein Auto kaufen will, muss zunächst ein Zertifikat erwerben, das bereits so teuer sein kann wie der Pkw selbst. Hinzu kommt dann der Anschaffungspreis für den Wagen. Dieser kann bis zu viermal so teuer sein wie in den Vereinigten Staaten. Die LTA wird die Wachstumsrate für Güterfahrzeuge und Busse bis zum ersten Quartal 2021 auf 0,25 Prozent halten.

Mit seiner Regulierung des Verkehrs ist Singapur nicht alleine. In Europa erwägen Großstädte wie Paris immer mehr Auflagen für den motorisierten Individualverkehr. So sollen beispielsweise bis 2030 alle Pkw mit Verbrennungsmotor aus der französischen Hauptstadt verbannt werden. Wer in London mit dem Auto in die City zahlen will, zahlt schon länger eine Gebühr. Zudem will der Bürgermeister der Metropole die Autobauer dazu verpflichten, Geld in einen Luftreinehaltefonds einzuzahlen.

In Deutschland planen einzelne Stätde Fahrverbote an bestimmten Tagen für ältere Dieselfahrzeuge. Begründet werden die Maßnahmen mit einer zunehmenden Luftverschmutzung in Ballungsräumen.

mhu/rei/Reuters

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