Erstmals Mehrheit für Unabhängigkeit Schotten-Schock belastet britisches Pfund

Das Pfund gibt nach: Erstmals hat sich in einer Umfrage eine Mehrheit der Schotten für die Unabhängigkeit von Großbritannien ausgesprochen. Analysten warnen vor einer Phase der Unsicherheit.
Schottisches Pfund: So billig wie zuletzt Ende November 2013

Schottisches Pfund: So billig wie zuletzt Ende November 2013

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Frankfurt am Main/London/Edinburgh - Wenige Tage vor dem Referendum zur Abspaltung Schottlands von Großbritannien gerät das Pfund Sterling immer stärker unter Druck. Das Pfund gab am Montag um 1 Prozent auf 1,6165 Dollar nach und war damit so billig wie zuletzt Ende November 2013.

Anleger hätten bislang damit gerechnet, dass die Schotten sich gegen eine Loslösung von Großbritannien aussprechen werden, sagte Jesper Bargmann, Chef-Händler der Nordea Bank in Singapur. Zuletzt hatte sich jedoch eine knappe Mehrheit für eine Unabhängigkeit Schottlands gefunden.

Das Votum am 18. September sei nur der Auftakt für eine Phase der Unsicherheit, warnten die Analysten der Barclays Bank. Schließlich gebe es viele ungeklärte Fragen. Hierzu gehörten die Aufteilung von Vermögenswerten, die Auswirkungen auf die Steuereinnahmen und die Wahl einer schottischen Währung.

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In Schottland liefern sich Gegner und Befürworter der Unabhängigkeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Erstmals lag in einer YouGov-Umfrage am Sonntag die Nationalbewegung knapp vorn: 51 Prozent wollen sich demnach von Großbritannien lösen, 49 Prozent möchten die Union mit England, Wales und Nordirland beibehalten. Dabei sind die Befragten, die sich noch nicht entschieden haben, herausgerechnet. Die Umfrage veröffentlichte die britische "Times".

Cameron will zu den Schotten sprechen - und nicht zurücktreten

Sollte am 18. September mehr als die Hälfte mit Ja stimmen, würde das Land im Frühjahr 2016 unabhängig. In einer weiteren Umfrage hatten die Abspaltungs-Gegner knapp die Nase vorn: 52 Prozent wollten zu Großbritannien gehören und 48 Prozent lieber eigenständig sein, wie das Meinungsforschungsinstitut Panelbase im Auftrag der Unabhängigkeits-Kampagne ermittelte.

"Wenn Leute nicht ganz sicher waren, ob sie zu Hause bleiben können, oder ob sie nicht losgehen und mit Nein stimmen müssen, um die Teilung zu verhindern, dann sind sie diese Zweifel heute los", sagte Großbritanniens Schatzkanzler George Osborne der BBC. Die Regierung versprach den Schotten deutlich mehr Kompetenzen, wenn sie in der Union blieben. Es würde gerade letzte Hand angelegt an einen Plan, der Edinburgh größere Eigenständigkeit etwa bei der Steuer- und Finanzpolitik zugestehe, sagte Osborne.

Premierminister David Cameron will sich der "Times" zufolge wenige Tage vor dem Referendum in einer Rede an die Schotten wenden. Er hat wiederholt gesagt, dass er im Falle einer Abspaltung nicht zurücktreten wolle. Der Zeitung zufolge macht sich auch die britische Königin Elizabeth II. inzwischen Sorgen über eine drohende Verfassungskrise und will täglich auf dem Laufenden gehalten werden. Offiziell ist der Palast allerdings neutral, die Zeitung beruft sich auf hochrangige Quellen. Die Queen verbringt den Sommer traditionell in ihrer schottischen Residenz Schloss Balmoral.

Schottlands Vize-Regierungschefin Nicola Sturgeon und Befürworterin der Unabhängigkeit nannte die Umfragewerte "außerordentlich positiv und ermutigend". Gleichzeitig mahnte sie, dass nur das tatsächliche Ergebnis in eineinhalb Wochen zähle. "Also lasst uns unsere Anstrengung verdoppeln und konzentriert bleiben", forderte Sturgeon über Twitter auf. Sowohl die "Yes" Kampagne für die Unabhängigkeit als auch die "No"-Seite kündigten an, in den verbleibenden eineinhalb Wochen noch intensiver um Stimmen zu werben.

ts/rtr/dpa-afx

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