Schärfere Sanktionen beschlossen EU gibt Russland noch etwas Zeit

Die EU hat schärfere Sanktionen gegen Russland beschlossen. Sie sollen aber erst "in den nächsten paar Tagen" in Kraft treten, sagt Ratspräsident van Rompuy. Bis dahin will Brüssel die Umsetzung des Waffenstillstands beurteilen können.
Ukrainische Soldaten nahe Mariupol: Sanktionen sollen "in den nächsten paar Tagen"

Ukrainische Soldaten nahe Mariupol: Sanktionen sollen "in den nächsten paar Tagen"

Foto: Spencer Platt/ Getty Images

Brüssel - Das Sanktionspaket sei von den nationalen Regierungen genehmigt worden, teilte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy mit. Die neuen Maßnahmen sollten "in den nächsten paar Tagen" in Kraft treten. "Dies wird (uns) Zeit geben für eine Beurteilung der Umsetzung der Waffenstillstands-Vereinbarung und des Friedensplans", so der Ratspräsident.

Mit Blick auf die Situation vor Ort - also in der Ost-Ukraine - sei die EU bereit, "die vereinbarten Sanktionen ganz oder teilweise noch einmal zu überdenken". Nach Angaben eines Diplomaten sollen die EU-Botschafter am Mittwoch wieder über die Lage beraten.

Die neuen Wirtschaftssanktionen richten sich laut Diplomaten unter anderem gegen Staatsbanken, Rüstungsfirmen und Unternehmen aus der Erdölförderung. Die EU will ihnen den Zugang zu europäischen Krediten erschweren. Zudem wird das Exportverbot für Technologie zur Erdölförderung ausgeweitet, ebenso die Beschränkungen zur Ausfuhr militärisch nutzbarer Güter.

Finnland und weitere Staaten für Verzögerung

Rund 20 Personen belegt die EU mit Konten- und Einreisesperren. Betroffen sind ost-ukrainische Separatisten und Meinungsführer aus der russischen Politik und Wirtschaft. Details würden erst mit der Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union bekannt. Doch diese ist vorerst ausgesetzt, denn mit der Veröffentlichung würden die Sanktionen auch in Kraft treten.

Um die Verschärfung hatten die EU-Staaten hart gerungen. Drei Tage lang hatten die EU-Botschafter in der vergangenen Woche über Details diskutiert, bis das Paket am Freitagabend stand. Zwei für Montagnachmittag gesetzte Fristen für finale Zustimmung aus den Hauptstädten konnte die EU nicht einhalten.

Am frühen Montagabend hatte der finnische Ministerpräsident Alexander Stubb in Helsinki erklärt, Finnland und die übrige EU hätten sich auf die Annahme neuer Sanktionen geeinigt, über den Zeitplan werde aber noch verhandelt. Dieser sei "sehr ehrgeizig". Nach Angaben von Diplomaten stemmte sich neben Finnland eine Reihe weiterer Staaten gegen die sofortige Anwendung der Sanktionen.

Russland hatte zuvor mit Gegenmaßnahmen im Fall verschärfter Sanktionen gedroht. Denkbar sei ein Überflugverbot für westliche Fluggesellschaften, sagte Regierungschef Dmitri Medwedew der russischen Zeitung "Wedomosti". "Wenn westliche Gesellschaften unseren Luftraum meiden müssen, kann das zum Bankrott vieler Fluggesellschaften führen, die schon jetzt ums Überleben kämpfen", so Medwedew.

ts/dpa-afx
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