Freitag, 23. August 2019

Ölpreissturz und die Folgen Saudis müssen nach 25 Jahren wieder Schulden machen

Baustelle im Finanzdistrikt von Riad

Seit 25 Jahren hat Saudi-Arabien keinen Kredit mehr aufgenommen. Nun zwingt der niedrige Ölpreis das Königreich erstmals wieder zur Bank.

Saudi-Arabien hat sich zehn Milliarden Dollar von einem internationalen Bankkonsortium geliehen. Der Kredit habe eine Laufzeit von fünf Jahren, schreibt die "Financial Times" . Es ist demnach das erste Mal in 25 Jahren, dass das Königreich einen Kredit bei Banken aufnimmt. 1991 hatte sich Saudi-Arabien nach der irakischen Invasion in Kuwait eine Milliarde Dollar geliehen.

Unklar ist, wie viel Zinsen Saudi-Arabien zahlen muss. Allerdings hat das Konsortium dem Königreich offenbar gute Konditionen angeboten. Die Regierung habe ursprünglich sechs bis acht Milliarden Dollar aufnehmen wollen, die Summe dann aber erhöht, weil der Deal überzeichnet gewesen sei, berichtet die "FT". Zu den Geldgebern gehören unter anderem HSBC , JP Morgan und die Bank of Tokyo-Mitsubishi.

Saudi-Arabien ist der wichtigste Ölförderer in der Organisation erdölexportierender Länder ( Opec ) und steht angesichts des Preisverfalls für Rohöl unter Druck. Im vergangenen Jahr hatte der anhaltend niedrige Preis dem Königreich ein Rekorddefizit von 90 Milliarden Euro im Haushalt beschert.

Die "FT" sieht die Kreditaufnahme als weiteren Schritt Saudi-Arabiens, sich von einem Kreditgeber zu einem Kreditnehmer zu entwickeln. Schon bald dürfte das Land zum ersten Mal international Staatsanleihen platzieren.

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Das Königreich plant bereits für eine Zeit nach dem Öl: Unter anderem will das Land im Zuge eines Börsengangs den größten Staatsfonds der Welt schaffen . Der Public Investment Fund (PIF) solle künftig Werte von mehr als zwei Billionen Dollar kontrollieren, kündigte Prinz Mohammed bin Salman an.

Um erste Mittel dafür einzusammeln, will Saudi-Arabien den staatlichen Öl- und Chemiekonzern Saudi Aramco im Jahr 2017 oder 2018 an die Börse bringen. Zugleich soll aus dem Ölkonzern ein Industriekonglomerat werden. Mit dem Börsengang würde sich die geschlossene Volkswirtschaft Saudi-Arabiens für Investoren öffnen.

Weitere Maßnahmen gegen das Minus im Haushalt, wie Mehrwertsteuererhöhungen und Preisanhebungen, hat Prinz Mohammed bin Salman bereits angekündigt. Wie genau der sogenannte nationale Übergangsplan aussehen soll, will das Mitglied der saudischen Königsfamilie am kommenden Montag vorstellen.

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