Sonntag, 19. Januar 2020

Achtung Satire: Inside Griechenland "Vergiss die Schulden, alles kein Problem"

Locker im Auftritt, kurios in der Sache: Griechenlands neuer Finanzminister Giannis Varoufakis beim Besuch in London
Getty Images
Locker im Auftritt, kurios in der Sache: Griechenlands neuer Finanzminister Giannis Varoufakis beim Besuch in London

Griechenlands Finanzminister Varoufakis wirbt für seinen Plan zum künftigen Umgang mit den Finanzen seines Landes. Wer das Vorhaben verstehen will, sollte diese Email lesen, die Varoufakis zuvor an Griechenlands neuen Regierungschef Tsipras schrieb.

Hallo Alexis,

gestern Abend saß ich noch lange mit Kostas und Georgios beim Ouzo (gemeint sind wohl die griechischen Ökonomen und Syriza-Politiker Kostas Lapavitsas und Giorgios Stathakis, Anm. d. Red.). Wir wissen jetzt, wo wir die Millionen herbekommen. Vergiss die Schulden, alles kein Problem. Pass auf, folgender Plan:

Wir sollten den Europäern nicht länger mit dem Schuldenschnitt kommen. Das macht denen nur wieder Angst, dass sie ihr Geld nicht wieder sehen (natürlich sehen sie es nicht wieder, das weiß ich auch. Aber warum sollen wir ihnen das auf die Nase binden??).

Kostas und Georgios glauben, wir könnten stattdessen das hier als Kompromiss verkaufen:

1. Die Schulden bleiben wie sie sind, daran wird nichts geändert. Das wird die erstmal beruhigen.

2. Aber - jetzt pass auf - wir knüpfen die Höhe der Zinsen in Zukunft an unser Wirtschaftswachstum. Verstehst Du? An unser Wachstum - das wir natürlich selber berechnen. Hammer, oder? Ich hab schon mit Angelos und Theodoros telefoniert, die sind dabei. Du weißt schon, die beiden haben das damals nach 2001 auch gedeichselt. Den alten Kontakt zu Goldman Sachs haben die auch noch, sagen sie.

3. Du weißt, wir haben auch ein paar Schulden bei der EZB. Für die haben wir eine andere Idee: Unendliche Anleihen. Google das mal, ich konnte es auch erst nicht glauben. Aber Georgios sagt, das gibt's tatsächlich: Anleihen, die man nie zurückzahlen muss! Komisch, dass hier in Athen nicht schon viel früher einer drauf gekommen ist ...

Christoph Rottwilm
manager-magazin.de
Christoph Rottwilm
Jedenfalls: Wenn wir die EZB dazu kriegen, die Schulden in solche unendlichen Anleihen zu verwandeln, dann brauchen wir uns nur noch um die Zinsen zu kümmern. Kostas hatte die Idee, in einem zweiten Step die Zinsen auch wieder ans Wachstum zu knüpfen, was ich gut finde. Vielleicht ein Thema für die nächste Kabinettsrunde …

3. Noch was: Wenn wir wirklich all die Leute wieder einstellen wollen, die Antonis in den letzten Jahren rausgeworfen hat, kostet das natürlich einiges. Der Erlös unseres Fuhrparks wird dafür nicht ganz reichen, aber egal, Hammer Werbenummer, und ich fahr' eh lieber Motorrad ...

Gut, die Erbsenzähler von der Troika sind wir los, also können wir auch wieder mehr ausgeben. Aber wir sollten das zumindest andeutungsweise international kundtun, wenn Du verstehst ... Natürlich nicht das ganze Ausmaß, das wäre ja verrückt. Aber wenigstens so im Ansatz …

Also, Kostas sprach da diesen sogenannten Primärüberschuss an. Du weißt schon, wir haben uns immer gefragt, was das eigentlich ist. Anscheinend gibt es irgendeinen Passus in den Verträgen mit der Euro-Dings, in dem steht, dieser Primärüberschuss dürfte nicht höher als 4,5 sein. Prozent, glaub ich. Kostas sagt jetzt, wir sollten das einfach auf 1,5 senken. Er sagt, das hört sich gut an, nach konkretem Grenzwert. Schafft Vertrauen … und in Brüssel wissen die bestimmt auch nicht genau, was das ist, dieser Primärüberschuss.

Was meinst Du, machen wir's so? Ich hab nächste Woche nicht viel auf dem Plan, könnte schon Montag los und mit den Schlipsträgern drüber schnacken.

Gib mal laut.

Gute Nacht erstmal,

Giannis

PS: Ich hab mit Anatolis gewettet. Wenn ich bei Osborne in London die Krawatte weglasse und das Hemd aus der Hose hängt, nimmt er mich am Wochenende mit auf seine Jacht. Der wird sich wundern ... ;-)

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