Dienstag, 15. Oktober 2019

Schnelles Aus für "Turkish Stream" Russland stoppt Pläne für Gasröhre in die Türkei

Ex-Partner: Russlands Präsident Wladimir Putin im Dezember 2014 in Ankara
Reuters/Ria Novosti
Ex-Partner: Russlands Präsident Wladimir Putin im Dezember 2014 in Ankara

Die politische Konfrontation zwischen Russland und der Türkei bringt ein erstes großes Wirtschaftsprojekt ins Aus. Während der russische Präsident Wladimir Putin am Donnerstag sagte, der Abschuss eines Kampfjets im Syrien-Krieg durch die türkische Luftwaffe werde "nicht vergessen", erklärte sein Energieminister Alexander Novak Gespräche über die Pipeline "Turkish Stream" für beendet.

Das Megaprojekt hatten Putin und sein Ankaraer Kollege Recep Tayyip Erdogan erst vor einem Jahr angeschoben - als Ersatz für die seit Jahren geplante, wegen EU-Sanktionen aber kurzfristig abgesagte Gaspipeline "South Stream" unter dem Schwarzen Meer.

Statt die EU über das Mitgliedsland Bulgarien direkt mit Erdgas zu versorgen, wollten die Russen die Türkei zum zentralen Verteiler des Brennstoffs erheben - für den Transit in Richtung Südeuropa, aber auch für den wachsenden eigenen Bedarf. Das Signal des Staatskonzerns Gazprom Börsen-Chart zeigen im Dezember 2014 hieß: Wir brauchen die EU nicht, wir haben den Wachstumsmarkt Türkei als strategischen Partner. Nun ist auch das offenbar vorbei.

Absatzmarkt EU ist wieder en vogue

"Wir planen kein militärisches Säbelrasseln", sagte Putin. "Aber wenn sie denken, dass sie für dieses furchtbare Kriegsverbrechen mit ein paar Maßnahmen betreffend ihrer Tomaten oder Bau und andere Branchen davonkommen, dann irren sie sich gewaltig."

Energieminister Novak ergriff das Wort nur Minuten, nachdem Putin seine Tirade über "die in der Türkei regierende Clique, die Allah anscheinend bestraft, indem er ihr Weisheit und Urteilsvermögen entzieht" beendete.

Er äußerte sich zugleich über den von Gazprom mit westeuropäischen Partnern wie BASF Börsen-Chart zeigen oder Eon Börsen-Chart zeigen geplanten Ausbau der Ostseepipeline "Nord Stream" zwischen Russland und Deutschland. Die Kritik der EU-Kommission daran sei "politisiert".

"Nord Stream" wird ebenso wie "Turkish Stream" und zuvor "South Stream" als Versuch Russlands gesehen, politisch unsichere Transitländer wie die Ukraine zu umgehen. Die EU-Kommission führt ein Kartellverfahren gegen Gazprom unter dem Vorwurf, der Gaslieferant missbrauche seine marktbeherrschende Stellung in den östlichen EU-Staaten. Zuletzt zeigte sich der Konzern aber kompromissbereit, um eine Milliardenstrafe abzuwenden.

Entspannt ist das Verhältnis zwischen Russland und den Westeuropäern, die sich im Syrien-Krieg neuerdings absprechen, aber noch lange nicht. Laufende Wirtschaftssanktionen sollen laut der Brüsseler Kommission Mitte Dezember um weitere sechs Monate verlängert werden. Der deutsche Maschinenbauverband VDMA äußerte sich am Donnerstag enttäuscht. Er beklagt Umsatzeinbußen von drei Milliarden Euro bereits in diesem Jahr.

ak/Reuters/dpa-afx

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