Freitag, 6. Dezember 2019

EU-Plan Russischer Ölindustrie drohen Sanktionen

Rosneft-Zentrale in Moskau: Die eU will staatlich kontrollierte russische Ölkonzerne offenbar mit Sanktionen belegen

Wegen des Konflikts in der Ukraine plant die EU offenbar Sanktionen gegen die russische Ölindustrie. Rosneft und Co. sollen sich kein Geld mehr auf den Kapitalmärkten Europas besorgen dürfen. Dies wäre das bislang schärfste Schwert, das die EU einsetzen würde.

Hamburg - Die eingeschränkte Refinanzierung russischer Banken im Ausland ist ökonomisch betrachtet bislang wohl die schmerzhafteste Sanktion, die westliche Staaten gegen Russland verhängt haben.

Nun sollen nach einem Bericht der "Financial Times" auch die russischen Ölkonzerne sich kein Geld mehr auf den europäischen Kapitalmärkten besorgen können. Einen entsprechenden Gesetzesvorschlag sollen die EU-Botschafter der Mitgliedsstaaten am Freitag beraten.

Der Vorstoß solle in erster Linie die größten, staatlich kontrollierten Energiekonzerne Russlands treffen, heißt es in dem Bericht. Sie bezögen die Hälfte ihrer Einnahmen aus dem Verkauf oder Transport von Rohöl oder Erdölerzeugnissen.

Unter die sanktionierten Erdöl-Unternehmen dürfte zum Beispiel die marktführende Rosneft fallen, die USA haben Rosneft bereits mit Sanktionen belegt. Betroffen wären auch Gazprom Neft, Tochter des Konzerns Gazprom und Transneft, der weltweit führende Öl-Pipeline-Konzern.

Russische Ölkonzerne wie Lukoil oder Surguftneftegas sollen nicht vom europäischen Kapitalmarkt verbannt werden, weil sie sich zumindest teilweise in privater Hand befinden, berichtet die Online-Ausgabe der "FAZ" darüber hinaus.

EU will Gaskonzerne nicht sanktionieren - Furcht um eigene Versorgung

Den Berichten zufolge wollten die europäischen Staaten russische Gaskonzerne wiederum nicht mit Sanktionen belegen. Manche von ihnen, darunter Deutschland, sind stark vom russischen Gas abhängig und fürchten offenbar, dass der Kreml dann die Gaslieferungen stark oder ganz einschränkt.

Käme es tatsächlich zu den Sanktionen, müssten aber auch eine ganze Reihe europäischer Zulieferer für die russische Erdölindustrie fürchten, unter den Sanktionen zu leiden - etwa der französische Konzern Technip oder die italienische Saipem.

Rosneft-Chef Igor Setschin warnte unlängst vor Sanktonen gegen Russland und seinen Konzern. "Sanktionen sind eine Art von Krieg. So wird Hass gesät", sagte der Putin-Vertraute Ende August dem "Spiegel". Leiden würden dann auch deutsche Unternehmen. Sie produzierten zwar gute Bohranlagen. "Aber wenn die Deutschen nicht liefern wollen, kaufen wir eben in Südkorea oder China", sagte Setchin, der nach Putin als zweitmächtigster Mann Russlands gilt.

Eine offizielle Bestätigung für geplante Sanktionen der EU gegen die russische Erdölindustrie gibt es indes nicht. Die Botschafter der EU-Staaten wollten sich am Freitagnachmittag trotz der möglichen Annäherung im Ukraine-Konflikt auf eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland verständigen, berichten Nachrichtenagenturen.

"Es wäre vernünftig, unseren Plan für verschärfte Sanktionen weiter zu verfolgen", sagte der britische Außenminister Hammond am Freitag am Rande des Nato-Gipfels in Wales dem britischen Rundfunksender BBC. "Wenn es eine Waffenruhe gibt, die unterzeichnet und umgesetzt wird, können wir die Sanktionen wieder aufheben."

rei mit Nachrichtenagenturen

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