Mittwoch, 13. November 2019

Hedgefonds-Milliardär Dalio als Kapitalismuskritiker "Das System ist kaputt"

Kämpferisch und kritisch: Bridgewater-Associates-Gründer und Milliardär Ray Dalio

Ray Dalio, US-Milliardär und Gründer des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater Associates, hat mit kritischen Einlassungen schon häufiger bewiesen, dass er über den Tellerrand seiner Branche hinausschaut. Jetzt hat sich Dalio erneut zu Wort gemeldet - mit klaren Worten zum Zustand des weltweiten Finanz- und Gesellschaftssystems. Das Fazit des Finanzprofis: "Die Welt ist verrückt geworden, und das System ist kaputt."

Das schreibt Dalio in einem längeren Post auf der Netzwerk-Website LinkedIn, der nach Angaben der Nachrichtenseite Bloomberg auf Äußerungen beruht, die der Hedgefonds-Lenker zuvor bei einer Konferenz in Connecticut gemacht hatte. Demnach ist Dalio der Ansicht, dass die wirtschaftliche Ungleichheit in den USA inzwischen zu einem "nationalen Notfall" geworden ist.

Das Problem ist dabei nach Ansicht des Milliardärs offenbar vor allem die anhaltende Niedrigzinspolitik. Sowohl die Notenbank Fed in den USA als auch die Europäische Zentralbank (EZB) sowie andere Institute weltweit halten seit geraumer Zeit die Geldschleusen weit geöffnet, um einer sich abzeichnenden wirtschaftlichen Abkühlung zu begegnen. Dalio sieht darin einen Verstärker gesellschaftlicher Ungleichverteilungen.

"Während jenen, die Vermögen haben und kreditwürdig sind, Geld praktisch kostenlos zur Verfügung steht, ist es für diejenigen, die weder über Vermögen noch über Kreditwürdigkeit verfügen, unerreichbar", schreibt er auf LinkedIn. Das vergrößere noch die Spaltung der Gesellschaft in Sachen Wohlstand und Chancenverteilung sowie in politischer Hinsicht.

Weitere Aspekte, die Dalio in seinem Text kritisch hervorhebt, sind:

  • Manche Investoren überschütten Start-ups geradezu mit Geld, selbst, wenn diese die zusätzlichen Mittel gar nicht haben wollen, so Dalio. Um ihr Ziel zu erreichen, drohten die Investoren in solchen Fällen gerne damit, bei Ablehnung die Konkurrenz zu unterstützen.
  • Der Hedgefonds-Milliardär beklagt eine Dynamik, bei der ein seriöses Finanzgebaren praktisch unmöglich gemacht werde, und zwar insbesondere in Ländern wie den USA, deren Währungen als Reservewährungen gehalten würden.
  • Die Klasse der Vermögenden und Superreichen zieht es nach Ansicht von Dalio immer mehr an Orte, wo die Abgründe und Konflikte zwischen arm und reich nicht so stark ausgeprägt seien. Die Verantwortlichen in den Ländern, aus denen diese Klientel fliehe, würden dagegen verstärkt zu Maßnahmen greifen, um sie festzuhalten.
  • Der Kapitalismus als System funktioniert für die meisten Menschen nicht mehr, so Dalios ernüchterndes Fazit.

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