Trotz schlechter Bonität Athen appelliert an EZB: Kauft unsere Anleihen!

Sollte die EZB im großen Stil Staatsanleihen kaufen, will Athen davon nicht ausgenommen werden, etwa wegen schlechter Bonität. "Kein anderes Land braucht Quantitative Easing so sehr wie Griechenland", sagte Finanzminister Hardouvelis.
EZB-Chef Draghi mit Hardouvelis (v.l.): Kauft die Zentralbank griechische Staatsanleihen trotz schlechter Bonität?

EZB-Chef Draghi mit Hardouvelis (v.l.): Kauft die Zentralbank griechische Staatsanleihen trotz schlechter Bonität?

Foto: GEORGES GOBET/ AFP

Athen - Kurz vor der möglichen Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Kauf von Staatsanleihen hat der griechische Finanzminister an die Währungshüter appelliert, Anleihen seines Landes nicht vom Kauf auszuschließen. "Kein anderes Land braucht Quantitative Easing so sehr wie Griechenland", sagte Gikas Hardouvelis dem "Handelsblatt". Griechenland sollte von dem möglichen EZB-Programm "nicht nur nicht ausgeschlossen werden", sondern die Geldpolitik sollte den nationalen Zentralbanken "in Ländern mit Problemen" mehr "freie Kredite" erlauben.

Vor der EZB-Ratssitzung am heutigen Donnerstag herrscht unter Beobachtern nahezu Einigkeit, dass die Zentralbanker Quantitative Easing (QE) - also den massiven Ankauf von Staatsanleihen - beschließen, um eine drohende Deflation in der Eurozone mit frischem Geld zu bekämpfen. Im Vorfeld des möglichen Beschlusses gab es immer wieder Medienberichte, wonach die EZB aufgrund der schlechten Bonität keine griechischen Staatsanleihen kaufen werde.

QE ist unter Politikern und Ökonomen sehr umstritten - besonders in Deutschland. So sprachen sich die deutschen EZB-Ratsmitglieder, Bundesbankpräsident Jens Weidmann und EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger immer wieder gegen ein solches Programm aus.

Am Donnerstagmorgen warnte der Chefvolkswirt des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Michael Wolgast, vor dem möglichen Ankauf. Es gebe schon genügend Geld auf den Märkten in Europa, sagte er dem WDR. Zudem habe die EZB bereits im Herbst viele Maßnahmen getroffen, die "in diese Richtung gehen". Die EZB solle nun erst einmal abwarten, was diese Maßnahmen bringen und nicht ein "ganz neues Programm ohne Notwendigkeit" starten. Wolgast bezog sich damit Kauf von Pfandbriefen und besicherten Kreditpaketen, sogenannten ABS, den die EZB im vergangenen Jahr beschlossen hatte.

Heftige Kritik an EZB-Präsident Mario Draghi übte auch der CSU-Politiker Peter Gauweiler. "Herr Draghi kann gerne in Italien Politik machen oder sich ins Europaparlament wählen lassen. Aber so lange ihn niemand gewählt hat, hat er kein Mandat, wirtschaftspolitische Entscheidungen für die Völker Europas zu treffen. Man kann ihn ja auch nicht abwählen", sagte Gauweiler dem Nachrichtenportal "Focus Online".

ts/afp/dpa-afx