Putin prüft Gefechtsbereitschaft Kreml-Chef schockiert mit Atom-Äußerungen

Von mm-newsdesk
Putin mit dem kirgisischen Präsidenten Atambajew: Bereit, in der Krim-Krise die Atomwaffen in Gefechtsbereitschaft zu versetzen

Putin mit dem kirgisischen Präsidenten Atambajew: Bereit, in der Krim-Krise die Atomwaffen in Gefechtsbereitschaft zu versetzen

Foto: MIKHAIL KLIMENTYEV/ AFP

Kreml-Chef Wladimir Putin hat eine Überprüfung der Gefechtsbereitschaft von Streitkräften im westlichen Wehrbezirk sowie bei der Nordflotte und den Luftlandetruppen angeordnet. Insgesamt seien 38.000 Soldaten, mehr als 40 Schiffe, etwa 15 U-Boote und 110 Flugzeuge betroffen, sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Montag nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau. Putin hatte sich nach elf Tagen erstmals wieder in der Öffentlichkeit gezeigt. In einem aufgezeichneten Interview sagte der Kreml-Chef zudem, er sei bereit gewesen, in der Krim-Krise auch die Atomwaffen seines Landes in Gefechtsbereitschaft zu versetzen.

Die Anweisung von Oberbefehlshaber Putin sei am Montag um 8.00 Uhr Moskauer Zeit (6.00 Uhr MEZ) in Kraft getreten. Bei Manövern mit verschiedenen Übungsaufgaben werde bis zum 21. März die Kampfbereitschaft überprüft.

Eine der Hauptaufgaben der Nordflotte sei Russlands militärischer Schutz in der Arktis, sagte Schoigu. An der russischen Nordgrenze gebe es "neue Herausforderungen und Bedrohungen". Russland hatte mehrfach einen Ausbau seiner militärischen Präsenz in der Arktis angekündigt. Dort werden riesige Rohstoffreserven vermutet. Russland erhebt Anspruch auf einen großen Teil dieser Ressourcen. Heimathafen der Nordflotte ist Seweromorsk nahe der Grenze zu Norwegen. Hauptquartier des westlichen Wehrbezirks ist St. Petersburg.

US-Armee schickt Panzer durchs Baltikum

Die Nato hatte Russland zuletzt vorgeworfen, den Westen mit grenznahen Manövern zu provozieren. Russlands Vize-Außenminister Alexej Meschkow kritisierte jedoch die jüngsten Nato-Aktivitäten im Baltikum. "Solche Handlungen destabilisieren die Lage", sagte er.

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Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau begannen auch in der südrussischen Region Stawropol sowie im Fernen Osten des Landes Einheiten mit Schießübungen. Am russischen Stützpunkt Kant in Kirgistan hoben Jagdflugzeuge vom Typ Suchoi Su-25 und mehrere Hubschrauber zur Prüfung der Kampfbereitschaft ab. Zudem nehme im Kaspischen Meer ein russisches Kriegsschiff an Schießübungen teil.

Die US-Armee plant eine Konvoi-Fahrt von Radschützenpanzern durch die östlichen Nato-Mitgliedsstaaten. Die Fahrt über knapp 1800 Kilometer werde Teil der Nato-Übung "Atlantic Resolve" (Atlantische Entschlossenheit) sein, sagte ein Sprecher der US-Armee in Wiesbaden am Montag. Nach Übungen in Polen, Estland und Litauen würden die Militäreinheiten auf der Straße an ihren Heimatstandort im oberpfälzischen Vilseck zurückkehren. Die US-Armee spricht von einem "road march" (Straßenmarsch).

Die Größe des Konvois ist noch nicht bekannt. Der tschechische Verteidigungsminister Martin Stropnicky sprach im Rundfunk von rund 500 Mann Besatzung und 100 Fahrzeugen.

Putin hätte Atomwaffen gefechtsbereit machen lassen

Wie aus einem Interview hervorgeht, war Putin nach eigener Darstellung bereit, in der Krim-Krise die Atomwaffen seines Landes in Gefechtsbereitschaft zu versetzen. Es sei zunächst nicht klar gewesen, wie die Welt auf die Übernahme der Halbinsel reagieren wurde, erklärte Putin in einer am Sonntag im russischen Fernsehen ausgestrahlten Dokumentation. Daher habe er während der ersten Zeit "direkte Befehle" an die Streitkräfte erteilen müssen.

Auf die Frage, ob er in diesem Zusammenhang auch bereit gewesen sei, die Kernwaffen des Landes zu aktivieren, sagte Putin: "Wir waren dazu bereit." Das Interview war aufgezeichnet. Russland hatte die Krim trotz Proteste aus der Ukraine im vergangenen Jahr annektiert.

Nach zehn Tagen ohne öffentlichen Auftritt zeigte sich Putin am Montag erstmals wieder vor Journalisten. Etwas blass wirkend schüttelte er im Konstantinpalast bei St. Petersburg dem kirgisischen Präsidenten Almasbek Atambajew die Hand, bevor sich beide zu einem Gespräch zurückzogen, wie ein AFP-Reporter berichtete.

Putin hatte sich zuletzt am 5. März mit dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi vor Kameras gezeigt. Da der 62 Jahre alte Kreml-Chef sonst allgegenwärtig scheint, waren schnell Gerüchte ins Kraut geschossen - von einer Erkrankung über die Geburt eines Kindes einer Geliebten bis zu einem Staatsstreich. "Es wäre langweilig, wenn es keinen Tratsch gäbe", sagte Putin am Montag.

ts/dpa-afx/Reuters/AFP
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