Freitag, 6. Dezember 2019

PRISM-Skandal Assange nennt Snowden einen "Helden"

Assange: Interessant zu sehen, welche Länder bereit seien, Snowden aufzunehmen - und welche "Angst vor den USA" hätten

Wikileaks-Gründer Julian Assange hat den nach Hongkong geflüchteten Edward Snowden als "Helden" bezeichnet. Dem Enthüller des US-Spähprogramms PRISM riet Assange, Asyl in Lateinamerika zu beantragen.

London - "Edward Snowden ist ein Held, der die Öffentlichkeit über eines der wichtigsten Ereignisse des Jahrzehnts informiert hat", sagte Assange dem Sender Sky News am Dienstag. Er selbst sowie Journalisten und Bürgerrechtler hätten bereits seit langer Zeit Spionageaktivitäten im Internet angeprangert. Es sei "sehr erfreulich", dass der Öffentlichkeit nun "solche klaren und konkreten Beweise" präsentiert würden.

Assange, der sich seit knapp einem Jahr in der Botschaft Ecuadors in London aufhält, fürchtet unter anderem eine Auslieferung an die USA, wo ihm wegen der Veröffentlichung geheimer US-Depeschen über die Enthüllungsplattform Wikileaks der Prozess gemacht werden könnte.

Auch Snowden müsse Asyl gewährt werden, forderte Assange, schließlich befinde sich der 29-Jährige in einer "sehr ernsten Position". Es sei nun interessant zu sehen, welche Länder die Menschenrechte wirklich schützten und bereit seien, Snowden aufzunehmen - und welche "Angst vor den USA" hätten.

Dem australischen Sender ABC sagte Assange zudem, er sei indirekt in Kontakt mit dem PRISM-Enthüller gewesen. "Wir hatten indirekte Gespräche mit seinen Leuten", sagte Assange. Er wolle jedoch zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Details dazu nennen.

Snowden hatte sich am Sonntag selbst als Quelle für die Berichte der "Washington Post" und des britischen "Guardian" über PRISM enttarnt. Mit dem Überwachungsprogramm verschafft sich der US-Geheimdienst NSA über die Server großer US-Technologiefirmen Zugang zur weltweiten Kommunikation im Internet. Als Motiv für die Weitergabe von vertraulichen Dokumenten nannte Snowden, er habe die Öffentlichkeit über die "massive Überwachungsmaschine" und den systematischen Verlust der Privatsphäre informieren wollen. Ihm droht nun eine Strafverfolgung in den USA.

ts/afp

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