Großbritanniens Premier unter Druck Cameron an Briefkastenfirmen beteiligt - das sind seine Finanzen

Wegen möglicher Offshore-Connections unter Druck: Großbritanniens Premierminister David Cameron

Wegen möglicher Offshore-Connections unter Druck: Großbritanniens Premierminister David Cameron

Foto: TOBY MELVILLE/ REUTERS

Im Zuge der Veröffentlichungen aus den sogenannten Panama Papers ist der britische Premierminister David Cameron in seiner Heimat unter Druck geraten. Denn aus den Unterlagen aus der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca, die sich auf das Geschäft mit Briefkastenfirmen spezialisiert hat, geht hervor, dass auch Camerons verstorbener Vater Ian Cameron eine solche Offshore-Firma betrieb.

Nun fragen sich die Briten, was ihr Regierungschef damit zu tun hat. Cameron hat inzwischen eingeräumt, an der Briefkastenfirma seines verstorbenen Vaters beteiligt gewesen zu sein. Er habe Anteile im Wert von rund 30.000 Pfund, umgerechnet etwa 37.000 Euro, am "Blairmore Investment Trust" besessen, sagte Cameron am Donnerstag dem Fernsehsender ITV. Er habe die 5000 Anteile aber im Januar 2010 verkauft.

Der "Guardian ", der wie hierzulande die "Süddeutsche Zeitung" an der Veröffentlichung der Panama-Papiere beteiligt ist, hat dies zum Anlass genommen, das Vermögen von David Cameron und seinen nächsten Verwandten detailliert aufzuschlüsseln. Dabei kommen einige hübsche Sümmchen zusammen, wie die Übersicht zeigt:

Premierminister David Cameron, die Hauptfigur

David Cameron im Stress: Wie steht es um die Finanzen des Regierungschefs?

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Foto: NIKLAS HALLE'N/ AFP

Der "Guardian" beschäftigt sich zunächst mit den Immobilien des Briten-Premiers, von denen zum Teil allerdings nicht klar wird, ob er sie nach wie vor besitzt. Als da wären:

  • Eine Wohnung in Notting Hill, die Cameron 1992 für 130.000 Pfund erworben habe,
  • ein nahegelegenes Haus für 215.000 Pfund, in das Cameron zwei Jahre später wechselte, sowie
  • ein weiteres Haus, das sich explizit bis heute im Besitz Camerons befinde, und das auf einen Wert von einer Million Pfund geschätzt werde.
  • Hinzu kommt ein Reihenhaus, das die Camerons offenbar in Nord-Kensington besitzen. Laut "Guardian" ist es 3,5 Millionen Pfund wert.

Darüber hinaus habe der Premierminister im Jahr 2002 erklärt, dass er einen Anteil an der PR-Firma Carlton Communications besitze, in der er vor seiner Zeit in der Politik tätig gewesen war. Berichten zufolge komme noch eine 40.000-Pfund-Beteiligung an einem Londoner Nachtclubbetreiber hinzu, von dem er Anfang des Jahrtausends einige Jahre lang auch 28.000 Pfund pro Jahr an Bezügen eingestrichen habe, so der "Guardian".

Von seinem 2010 verstorbenen Vater Ian habe Cameron eine Erbschaft von 300.000 Pfund erhalten.

Davids Gattin Samantha Cameron, die Dame im Spiel

Samantha Cameron (Bildmitte) im Fokus: Die Politikergattin erhielt hunderttausende Pfund aus einem Unternehmensverkauf

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Foto: NEIL HALL/ REUTERS

David Camerons Gattin Samantha hat seit den 1990er Jahren beim Londoner Luxusausstatter Smythson gearbeitet, von dem sie zuletzt auch Anteile besaß, so der "Guardian". Als das Unternehmen 2005 verkauft wurde, flossen ihr daher 400.000 Pfund zu.

Zudem halte Samantha Cameron Anteile an einer Immobilienfirma, die ihr Vater gegründet hatte.

Davids Vater Ian Cameron, die Schlüsselfigur

Davids Vater Ian Cameron mit Gattin: Was ist mit der Offshore-Firma Blairmore Holdings?

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Foto: Getty Images

David Camerons Vater Ian Cameron ist die wohl spannendste Figur in der Auflistung. Sein Name tauchte in den "Panama Papers" auf, was das Interesse der Öffentlichkeit überhaupt erst geweckt hat.

Ian Cameron arbeitete seit den 1950er Jahren - wie sein Vater und auch andere Mitglieder der Familie zuvor - beim Londoner Börsenbroker Panmure Gordon. Nachdem das Unternehmen in den 80ern an eine US-Bank verkauft worden war, erhielt der Vater des Premiers laut "Guardian" zwei Millionen Pfund aus dem Deal.

Daraufhin habe er die Blairmore Holdings Inc gegründet, jene Firma also, die nun in den Papieren aus Panama aufgetaucht ist. Von ihr habe Ian Cameron ein Jahresgehalt von 20.000 Pfund bezogen, so der Bericht. Der Premierminister dagegen beteuere, weder er noch seine Familie würden gegenwärtig oder künftig von irgendwelchen Offshore-Aktivitäten profitieren. Aber was ist mit der Vergangenheit, fragt der "Guardian".

Die Zeitung berichtet weiterhin über zwei Gemälde, die Cameron Senior und seine Gattin 2006 für zusammen 800.000 Pfund verkauft hätten. Und über eine Reichstenliste der "Sunday Times" aus dem Jahr 2009, auf der Ian Cameron mit einem Vermögen von zehn Millionen Pfund geführt worden sei.

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Sein Erbe belaufe sich jedoch laut öffentlich verfügbarem Unterlagen auf lediglich 2,74 Millionen Pfund. Jegliche Offshore-Vermögen wären darin allerdings nicht angegeben worden, so der "Guardian". Und bereits im vergangenen Jahr habe es Berichte gegeben, wonach Ian Cameron einige Besitztümer im Steuerparadies Jersey untergebracht habe.

Davids Großvater Ewen Donald Cameron, die Größe im Hintergrund

Finanzhochburg London: Schon David Camerons Großvater war eine Größe im Börsengeschäft

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Foto: © Eddie Keogh / Reuters/ REUTERS

Den Grundstein für den Wohlstand von David Camerons Vater Ian legte offenbar bereits Davids Großvater Ewen Donald Cameron. Er war laut "Guardian" eine echte Größe in der Londoner "City" und wurde - wie später auch sein Sohn Ian - Direktor des Brokerhauses Panmure Gordon.

Als Ewen Donald Cameron 1958 starb, hinterließ er ein Vermögen von 57.000 Pfund, so der Bericht. Das sei nach heutigen Maßstäben etwa eine Million wert.

Brüder, Schwestern und weitere Verwandte, die Randfiguren

Weitverzweigte Verwandtschaft: David Cameron mit Gattin Samantha 2012 im Spanien-Urlaub

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Foto: WPA Pool/ Getty Images

Insgesamt sechs weitere Verwandte von David Cameron und seiner Gattin Samantha listet der "Guardian" näher auf, darunter einen Bruder und zwei Schwestern des Premierministers. Letztere können sich demnach über Hinterlassenschaften des Vaters in Millionenhöhe freuen, und zwar in Gestalt familieneigener Immobilien.

Komplexer sind offenbar die Vermögensverhältnisse der Familie von Camerons Gattin Samantha. Samanthas Mutter beispielsweise gründete eine Möbelfirma, die 2006 auf einen Wert von 30 Millionen Pfund geschätzt wurde. Der Stiefvater der Premiers-Gattin sitze im Management mehrerer Firmen und verfüge zudem über ansehnlichen Immobilienbesitz, berichtet der "Guardian" weiter.

Samanthas Halbbruder schließlich sei Chef einer auf Immobilien spezialisierten Investmentfirma. Das Unternehmen habe 2010 einmal mit zwei Partnerfirmen zusammengearbeitet, die auf den British Virgin Islands sitzen, weiß der "Guardian" zu berichten. Das gehe aus den "Panama Papers" hervor.

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