Montag, 24. Februar 2020

Kämpfe in der Ost-Ukraine Regierungstruppen lehnen Waffenruhe ab - Donezk unter Dauerfeuer

Szenen aus Donezk: Zerbombte Häuser, vernagelte Läden
SPIEGEL ONLINE

Die Separatisten in Donezk hatten eine Waffenruhe angeboten - doch ukrainische Regierungstruppen feuern weiter. Nun drohen die Rebellen: Sollten die Soldaten einmarschieren, würden sie ihr "Stalingrad" erleben.

Donezk - Die Streitkräfte der ukrainischen Regierung haben ihre Offensive in Donezk trotz eines Waffenstillstandsangebots der Separatisten fortgesetzt. Die Truppen hätten die östliche Rebellenhochburg am Sonntagmorgen unter heftigen Beschuss genommen, teilten die Truppen mit. Die Angriffe seien auf Stützpunkte der Aufständischen gerichtet gewesen. So sollten die prorussischen Kräfte in die Enge getrieben werden.

Separatistenführer Alexander Sachartschenko rief die Führung in Kiew erneut zu einer Feuerpause auf. "Wir sind zur Waffenruhe bereit, um die zunehmende humanitäre Katastrophe abzuwenden", erklärte Sachartschenko. Sollten die Regierungskräfte aber einmarschieren, würden sie ihr "Stalingrad" erleben. "Der Kampf wird um jedes Straße, um jedes Haus, um jeden Meter unseres Lands geführt", warnte Sachartschenko, der erst seit Donnerstag die Separatisten von Donezk anführt.

Zu einem Einmarsch sind die ukrainischen Truppen nach eigenen Angaben bereit. Vor den Kämpfen lebten in der Industriestadt Donezk eine Million Menschen, inzwischen sind viele geflohen. Während der vergangenen Tage hatte die Armee die Stadt zunehmend unter Beschuss genommen. Nach Angaben der Aufständischen kamen bei Gefechten am Stadtrand von Donezk mindestens zwei Zivilisten ums Leben.

Kämpfe um Krasny Lutsch und Luhansk

Erbitterte Gefechte zwischen Aufständischen und Regierungstruppen hat es auch um die strategisch wichtige Stadt Krasny Lutsch gegeben. Der Sicherheitsrat in Kiew widersprach Berichten, wonach der Ort bereits in den Händen der Armee sei. "Die Kämpfe dauern unvermindert an", sagte ein Sprecher. Krasny Lutsch liegt zwischen Donezk und Luhansk. Wer die Stadt beherrscht, kontrolliert auch eine wichtige Straße zur russischen Grenze.

Die Armee versucht zeitgleich, die Großstadt Luhansk zurückzuerobern. Auf einer Landkarte, die vom ukrainischen Militär veröffentlicht wurde, bewegen sich ukrainische Truppen von drei Seiten auf die Stadt zu. Nur in Richtung Süden gibt es demnach noch eine Verbindung zu Separatistengebieten. Die humanitäre Lage in Luhansk hat sich zuletzt immer mehr verschlechtert.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ist nach eigenen Angaben bereit, einen Hilfskonvoi nach Luhansk zu lassen. Bedingung dafür sei, dass die Mission von einem internationalen Team ohne militärische Begleitung geführt werde, sagte Poroschenko in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Poroschenko sagte, er sei deswegen bereits im Gespräch mit dem Präsidenten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Peter Maurer.

Das IKRK bestätigte derweil, dass aus Russland eine Anfrage für die Organisation humanitärer Konvois eingegangen sei. Es habe diese aber nicht beantwortet. Die Führung in Kiew hatte zuvor berichtet, eine als Hilfskonvoi getarnte russische Militärkolonne an der Grenze gestoppt zu haben. Es bestehe "Grund zur Annahme, dass der Konvoi dazu hätte genutzt werden können, die Spannungen weiter zu verschärfen". Moskau wies die Vorwürfe zurück.

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