Wer für Olympia 2016 zahlt und wer verdient Zehn Fakten zu Rios Olympia-Geschäft

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Fußball - und sonst?: Diese Sportarten bringen Olympia Milliarden

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Die Olympischen Spiele sind ein teurer Spaß. Wie teuer genau, ist umstritten. Die Sommerspiele in Rio de Janeiro kosteten 4,56 Milliarden Dollar, 51 Prozent mehr als geplant, haben Forscher der Uni Oxford für eine aktuelle Studie ermittelt.

Unsinn, entgegnete Rios Bürgermeister Eduardo Paes: Es seien nur 4,1 Milliarden Dollar, und damit sogar 35 Prozent weniger als in der ersten Olympiabewerbung angekündigt (bevor das Vorhaben abgespeckt wurde). Außerdem komme das meiste Geld aus privaten Quellen, ein so hoher Anteil wie seit Atlanta 1992 nicht mehr. Die Wissenschaftler seien nur auf negative Publicity aus, um die Spiele schlechtzureden.

Sotschi war viel teurer

Olympiapark im russischen Sotschi: Im Vergleich zu den Winterspielen von 2014 ist Rio sparsam

Olympiapark im russischen Sotschi: Im Vergleich zu den Winterspielen von 2014 ist Rio sparsam

Foto: Kay Nietfeld/ dpa

Welche Rechnung stimmt, hängt auch davon ab, welcher Wechselkurs veranschlagt wird. Seit dem Zuschlag für Rio 2009 hat die brasilianische Währung Real 46 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar verloren.

Eines hat Paes wohl übersehen: Das Oxford-Papier lässt Rio in verhältnismäßig gutem Licht erscheinen. Gegenüber den megateuren Spielen von London 2012 (15 Milliarden Dollar, 76 Prozent über Plan) und Sotschi 2014 (22 Milliarden, 289 Prozent mehr) habe Olympia diesmal wieder zu historischem Normalmaß zurückgefunden. Die Autoren üben eher grundsätzliche Kritik am System Olympia, das strukturell zu einem noch schlechteren Deal für die Ausrichter führe als andere Großprojekte.

Nur noch 13 Kilometer bis zur nächsten Metro-Station

Für Milliarden aufgehübscht: Der Olympiaboulevard im modernisierten Hafenviertel Porto Maravilha (an der verdreckten Guanabara-Bucht)

Für Milliarden aufgehübscht: Der Olympiaboulevard im modernisierten Hafenviertel Porto Maravilha (an der verdreckten Guanabara-Bucht)

Foto: AFP

Beide Rechnungen enthalten nur die direkten Kosten des lokalen Organisationskomitees für die Sportstätten und die Organisation der Spiele. Hinzu kommt noch der Ausbau der Infrastruktur, der um ein Vielfaches teurer ist, aber in vielen Fällen für Olympia nötig oder zumindest mit den Olympischen Spielen begründet wurde. Die Zeitschrift "Veja" kommt auf olympiabezogene Gesamtkosten von 38,7 Milliarden Real (10,7 Milliarden Euro).

Acht Milliarden Real (damals etwa 3,6 Milliarden Euro) kostete die Renovierung des Hafenviertels zum "Porto Maravilha", einschließlich des schmucken Olympiaboulevards rund um das "Museum der Zukunft".

Die gerade noch rechtzeitig fertiggestellte Metro-Linie 4 hat mitsamt einer deutschen Tunnelbohrmaschine 10,3 Milliarden Real (heute 2,85 Milliarden Euro) verschlungen. Der Stadtbezirk Barra da Tijuca, wo ein Großteil der Spiele stattfindet, wird damit erstmals ans Transportnetz angeschlossen - vom Olympiapark sind es dann 13 statt 27 Kilometer zur nächsten Station. Die notorisch überfüllten Busse werden also trotzdem noch gebraucht.

Die gute Nachricht von den Olympia-Bauten

Billiger gebaut: Der Olympiapark in Barra da Tijuca, das Herzstück der Spiele

Billiger gebaut: Der Olympiapark in Barra da Tijuca, das Herzstück der Spiele

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Der Olympiapark selbst hat laut brasilianischen Quellen 1,69 Milliarden Real gekostet - und damit 12 Prozent weniger als veranschlagt.

Für das benachbarte Olympische Dorf gilt das nicht, das wurde mit 2,9 Milliarden Real doppelt so teuer wie geplant. Trotzdem fanden die internationalen Delegationen hier kurz vor Beginn der Spiele noch so viele Mängel, dass einige nach Ausweichquartieren für ihre Athleten suchten. "Unbewohnbar" nannten die Australier die Siedlung. Von "Sabotage" sprachen die Argentinier. "Wie soll man das denn sonst nennen, wenn Zement in den Leitungen steckt?"

Immer wieder der Name Odebrecht

Skandalfirma: Odebrecht steht auch im Mittelpunkt des Petrobras-Korruptionsskandals

Skandalfirma: Odebrecht steht auch im Mittelpunkt des Petrobras-Korruptionsskandals

Foto: PAULO WHITAKER/ REUTERS

An all den großen Bauprojekten - U-Bahn, Olympiapark und -dorf - ist der Baukonzern Odebrecht beteiligt, der auch einige Stadien für die Fußball-WM 2014 verantwortet hatte.

Zugleich gilt Odebrecht als einer der größten Urheber von Bestechung an den halbstaatlichen Ölkonzern Petrobras  in der Korruptionsaffäre "Lava Jato" (Autowäsche), die sich zur Staats- und Wirtschaftskrise in Brasilien ausgewachsen hat. Firmenchef Marcelo Odebrecht wurde im März zu 19 Jahren Haft verurteilt.

Der Name des deutschstämmigen Familienunternehmens ist inzwischen so notorisch, dass die Firma nach dem Einsturz eines für Olympia gebauten Küstenradwegs mit zwei Todesopfern im April klarstellte: Dieser Abschnitt wurde ausnahmsweise einmal nicht von Odebrecht gebaut.

Private Investoren - mit Geld von der Staatsbank

Potenzieller Gewinner: Bauunternehmer Carlos Carvalho fand einen guten Platz für das Olympische Dorf - der ihm gehörte

Potenzieller Gewinner: Bauunternehmer Carlos Carvalho fand einen guten Platz für das Olympische Dorf - der ihm gehörte

Foto: Jonathan Watts/dpa

Odebrechts Partner bei Olympiapark und -dorf ist das lokale Bauunternehmen Carvalho Hoskens, das auch zu den Wahlkampfspendern von Rios Bürgermeister Eduardo Paes gehörte.

Firmenchef Carlos Carvalho setzte durch, dass das ihm gehörende Grundstück ausgewählt wurde. Die 31 Hochhäuser werden für die Dauer der Spiele an das Veranstaltungskomitee vermietet, anschließend will das Baukonsortium sie gewinnbringend verkaufen. Erst dann müssten Carvalho und Co. die Kosten auch tragen.

Finanziert wurde das Vorhaben durch einen Kredit der Staatssparkasse Caixa Econômica Federal. Letztlich liegt das Risiko doch bei der öffentlichen Hand. Nur wenn die Immobilien wie erhofft an solvente Käufer gehen, winken den Entwicklern satte Gewinne.

So läuft es mit vielen der neuen Bauten, die offiziell als private Investitionen gezählt werden. Im Fall von Porto Maravilha tritt ein von der Caixa verwalteter Fonds als Investor auf, in den die Beiträge der brasilianischen Arbeitgeber zur Unfallversicherung eingehen.

Nothilfe vom Zentralstaat soll Polizeistreik abwenden

Wirksamer Arbeitskampf: Gewerkschaften im öffentlichen Dienst drohten mit Polizistenstreik während der Spiele

Wirksamer Arbeitskampf: Gewerkschaften im öffentlichen Dienst drohten mit Polizistenstreik während der Spiele

Foto: AFP

2,9 Milliarden Real Nothilfe hat die brasilianische Bundesregierung Ende Juni noch schnell dem überschuldeten Staat Rio de Janeiro zugesagt, dem die liquiden Mittel ausgingen, weshalb Gouverneur Francisco Dornelles den Notstand ausgerufen hatte.

Damit wurden nicht nur letzte Arbeiten an der Metro-Baustelle möglich. Wichtiger noch: Der Staat kann seine Beschäftigten bezahlen. Vor allem Polizisten und andere Sicherheitskräfte, die seit Monaten unbezahlte Überstunden leisten mussten, hatten öffentlichkeitswirksam am Flughafen vor einem Besuch der Stadt gewarnt und mit einem Streik während der Olympischen Spiele gedroht.

Brasilien steckt in der tiefsten Krise seit Generationen

Stimmungsaufheller: Olympiafeier in Sao Paulo - die brasilianische Wirtschaft schrumpft wie im Vorjahr

Stimmungsaufheller: Olympiafeier in Sao Paulo - die brasilianische Wirtschaft schrumpft wie im Vorjahr

Foto: REUTERS

Die Hilfsaktion für Rio steht in Widerspruch zum Ehrgeiz der seit Mai amtierenden Regierung von Interimspräsident Michel Temer: der will unter dem Druck der Krise eine radikale Schlankheitskur für den brasilianischen Staat verordnen. Ein Debakel bei den Spielen unter den Augen der Weltöffentlichkeit mochte Brasília dann aber doch nicht riskieren.

Brasilien, das zu Zeiten der Olympiabewerbung allseits bewunderte Boom-Land, steckt in seiner schwersten Wirtschaftskrise seit den 30er Jahren. Auf minus 3,5 Prozent wird die Wachstumsrate in diesem Jahr geschätzt, ebenso wie bereits 2015. Temer ist genauso unbeliebt wie seine abgesetzte Vorgängerin Dilma Rousseff. Das Vertrauen in die politischen Institutionen ist zusammengebrochen, die Stimmung miserabel. Wenn doch wenigstens von den Spielen ein Konjunkturimpuls ausginge ...

Wer bei den Spielen in Rio nur gewinnen kann

Hat noch Geld zu verteilen: IOC-Präsident Thomas Bach zwischen Organisationskomiteechef Carlos Arthur Nuzman (l.) und Rios Bürgermeister Eduardo Paes

Hat noch Geld zu verteilen: IOC-Präsident Thomas Bach zwischen Organisationskomiteechef Carlos Arthur Nuzman (l.) und Rios Bürgermeister Eduardo Paes

Foto: Getty Images

Außer den olympischen Kosten, die außerhalb des Budgets des Organisationskomitees laufen, gibt es aber auch Einnahmen für die Spiele, die nicht nach Rio fließen. 565 Millionen Dollar erwartet das lokale Komitee als Beitrag vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC).

Insgesamt rechnet das IOC mit 5,6 Milliarden Dollar Einnahmen für den Zyklus 2013-2016, der neben den Sommerspielen in Rio auch die weniger bedeutenden Winterspiele von Sotschi 2014 einschließt. Es bleiben also noch einige Milliarden übrig, die hauptsächlich an die Mitgliedsverbände ausgeschüttet werden.

Für Sportorganisationen weltweit bedeutet Olympia einen Geldsegen. Ein Verlustgeschäft ist für das IOC nicht möglich.

Burger und Brause finanzieren den Breitensport

Traditionsreicher Sponsor: Coca-Cola-Werbung mit olympischen Ringen am Flughafen von Rio

Traditionsreicher Sponsor: Coca-Cola-Werbung mit olympischen Ringen am Flughafen von Rio

Foto: DPA

Eine gute Milliarde Dollar kommt im laufenden Vierjahreszyklus von den zehn globalen Olympia-Sponsoren wie Coca-Cola  oder McDonald's . Fast-Food in Zusammenhang mit einem Sportereignis zu bewerben, zahlt sich aus ihrer Sicht offenbar aus. Coca-Cola gilt als traditionsreichster Sponsor, ist seit 1928 mit der olympischen Organisation verbandelt.

Zusätzlich zu den direkten Beiträgen ans IOC sind die Hauptsponsoren auch besonders aktiv in der Fernsehwerbung - und die ist Geldquelle Nummer eins für Olympia, mit 4,1 Milliarden Dollar oder 74 Prozent des IOC-Budgets für Übertragungsrechte.

Gut die Hälfte davon stammt vom US-Sender NBC, der sich allein das Spektakel in Rio 1,2 Milliarden Dollar kosten lässt. Schon im März hatte er Anzeigen im Wert von mehr als einer Milliarde für die Olympia-Sendungen gebucht. Einschließlich Produktionskosten dürfte der Mutterkonzern Comcast  also von den Spielen 2016 profitieren. Das war nicht immer so - die Spiele von Seoul, Barcelona oder Vancouver etwa waren ein Verlustgeschäft für NBC.

Aus TV-Sicht ist Olympia ein hohes Risiko - und die in Amerika aufgerufenen Summen sind für alle anderen Länder unerreichbar.

Die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender zahlen rund 130 Millionen Euro für Sotschi und Rio zusammen, als Teil eines europäischen Konsortiums. Für die kommenden Spiele haben sie sich von Eurosport-Mutterkonzern Discovery überbieten lassen. Der soll 1,3 Milliarden Euro für die vier Spiele von 2018 bis 2024 ans IOC überweisen.

Diese Sportarten bringen Olympia Milliarden


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