Mittwoch, 27. Mai 2020

Geschäfte dürfen ab 14. April schrittweise wieder öffnen Österreich will direkt nach Ostern die Corona-Regeln lockern

Bundeskanzler Sebastian Kurz hinter einer Glaswand während einer Sitzung des Nationalrates im Parlamentsausweichquartier in der Wiener Hofburg am 4. April
Robert Jäger/APA/dpa
Bundeskanzler Sebastian Kurz hinter einer Glaswand während einer Sitzung des Nationalrates im Parlamentsausweichquartier in der Wiener Hofburg am 4. April

Nach Ostern soll in Österreich in der Corona-Krise der langsame Weg zurück in Richtung Normalität beginnen. Ziel sei es, dass ab dem 14. April kleine Geschäfte sowie Bau- und Gartenmärkte unter strengen Auflagen wieder öffnen dürfen, teilte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Montag in Wien mit. Ab 1. Mai sollen dann alle Geschäfte, Einkaufszentren und Friseure wieder öffnen dürfen.

Ob dies tatsächlich so kommt, soll Ende April entschieden werden. Hotels und die Gastronomie sollen frühestens Mitte Mai folgen. Die Ausgangsbeschränkungen werden allerdings bis Ende April verlängert, die Schulen bleiben bis Mitte Mai zu. Veranstaltungen sollen bis Ende Juni nicht stattfinden, berichtet auch der in Wien erscheinende "Der Standard". Zudem wird das Tragen eines Mundschutz künftig nicht nur in Supermärkten und Drogerien zur Pflicht.

"Die schnelle und restriktive Reaktion gibt uns jetzt auch die Möglichkeit, schneller wieder aus dieser Krise herauszukommen", sagte Kurz. "Allerdings nur, wenn wir weiter alle konsequent die Maßnahmen einhalten und so gut zusammenstehen, wie wir das bisher gemacht haben."

Vor allem mit Blick auf das Osterfest bat Kurz die Menschen darum, weiter soziale Kontakte zu meiden und voneinander Abstand zu halten. Er fügte hinzu: "Bleiben sie zusammen mit den Menschen, mit denen sie gemeinsam wohnen."

Rewe will in 2550 Filialen Mundschutz für einen Euro anbieten

Der Lebensmittelriese Rewe wird in seinen österreichischen Geschäften (Billa, Merkur, Penny, Bipa, Adeg) pro Mundschutz einen Euro verlangen, schreibt "Der Standard" an anderer Stelle unter Berufung auf eine Mitteilung des Konzerns in dem Alpenland. An den Eingängen der Märkte sollen auch Desinfektionsspender montiert und die Einkaufswagengriffe nach jeder Benützung gereinigt werden.

Der Verkauf sei gedacht "als Erinnerung und Anreiz, dieses weltweit knappe, wertvolle Gut verantwortungsvoll und mit Bedacht zu verwenden", zitiert die Zeitung Rewe-International-Vorstand Marcel Haraszti. Es sei in den Rewe-Filialen niemand gezwungen, einen Mund-Nasenschutz zu kaufen. "Wir weisen niemanden ab, so lange Mund und Nase in der Filiale bedeckt sind", zitiert die Zeitung den Rewe-Vorstand weiter. Auch lägen die Masken mit 3 Euro pro Dreierpack "unter dem Selbstkostenpreis", ergänzt ein Rewe-Sprecher in Österreich. Den Einkaufspreis nennt er allerdings nicht.

Die kurzfristige Umsetzung mit den Masken sei schwierig, räumt Rewe dem Bericht zugleich ein. Denn es gebe weltweit Lieferengpässe beim Mundschutz ebenso wie bei Desinfektionsmitteln. Rewe betreibt in Österreich 2550 Standorte mit rund 40.000 Mitarbeitern.

Österreich prescht in Europa mit der Lockerung der Regeln vor

Österreich ist mit der schrittweisen Öffnung der Geschäfte eines der ersten europäischen Länder, das im Kampf gegen das Coronavirus seine Maßnahmen schon direkt nach Ostern wieder etwas lockern will. Auch in Dänemark hat Regierungschefin Mette Frederiksen angekündigt, das Land wahrscheinlich nach Ostern schrittweise wieder öffnen zu wollen. Einen genauen Plan hat sie aber noch nicht vorgelegt. In Tschechien wird aktuell über kleinere Ausnahmeregelungen für den Handel diskutiert, das Minderheitskabinett ist in dieser Frage aber heftig zerstritten.


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Österreich läuft seit dem 16. März auf Minimalbetrieb: Mit Ausnahme von Lebensmittelgeschäften und Drogerien ist der Einzelhandel geschlossen, sämtliche Lokale und Restaurants sind ebenfalls zu. Außerdem gelten Ausgangsbeschränkungen, das Zusammenstehen in Gruppen ist nicht erlaubt.

Im besonders betroffenen Bundesland Tirol gilt zudem bis Ostermontag eine Quarantäne für alle Gemeinden. Die Menschen dürfen dort ihren Wohnort nur mit triftigem Grund verlassen. Auch im Bundesland Salzburg stehen Gemeinden unter Quarantäne, darunter etwa das bei Wintersportlern beliebte Saalbach-Hinterglemm.

Zahl der Genesenen steigt schneller als die der bestätigten Neuinfizieren

Das Sozialministerium in Österreich meldete laut "Der Standard" bis Montag 10 Uhr 12.058 bestätigte Corona-Fälle. Das entspricht rund 136 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Dabei waren die Bundesländer Tirol (2756), Oberösterreich (1955), Niederösterreich (1.942) und Wien (1.712) am stärksten betroffen. 220 mit dem Coronavirus infizierte Menschen seien bis Montagvormittag gestorben.

Seit Samstag steigt zudem die Zahl der Genesenen schneller als die der neu bestätigten Fälle. Als genesen galten am Montagvormittag laut Ministeriumsangaben 3463. Weniger als 3 aus 100.000 Menschen infizieren sich in Österreich derzeit pro Tag neu mit Sars-CoV-2.

rei mit dpa

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