Ausblick der Internationalen Energieagentur Experten erwarten drastischen Ölpreis-Anstieg, wenn ...

Von mm-newsdesk
Ölförderung in den USA: Die IEA erwartet eine Ende der Talfahrt ab 2017

Ölförderung in den USA: Die IEA erwartet eine Ende der Talfahrt ab 2017

Foto: Andrew Burton/ AFP

Die derzeit sehr niedrigen Ölpreise könnten in den nächsten fünf Jahren nach Einschätzung von Experten der Internationalen Energieagentur (IEA) wieder drastisch anziehen. Grund sei der beispiellose Verzicht auf Investitionen in die Fördertechnik, den der Preisrutsch beim "Schmierstoff" der Weltwirtschaft zuletzt ausgelöst hatte.

Das half dem Ölpreis am Montag auf die Sprünge. Gegen Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Lieferung im April 34,53 US-Dollar. Das waren 1,50 Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI stieg um 1,57 Dollar auf 33,32 Dollar. Aktienanleger schwammen auf der Bugwelle: Dax  und Dow Jones  legten kräftig zu.

Die Ausgaben der Branche seien laut IEA im Jahr 2015 um 24 Prozent gefallen und würden 2016 nun noch einmal um 16 Prozent abnehmen. Einen Investitionsrückgang in der Ölbranche in zwei aufeinander folgenden Jahren habe es zuletzt 1986 gegeben, sagte IEA-Chef Fatih Birol bei der Vorstellung des mittelfristigen Ölmarkt-Reports der Agentur in Houston (US-Bundesstaat Texas).

Zwischen 2015 und 2021 werde die Tagesproduktion weltweit um 4 Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl steigen, sagte Birol. In den Jahren 2009 bis 2015 waren täglich 11 Millionen Barrel hinzugekommen. Die weltweite Nachfrage steige ebenfalls, vor allem im aufstrebenden Indien.

Fotostrecke

Dagegen sind Exxon und Co. Zwerge: Diese Ölmultis sind Billionen Dollar wert - und doch verwundbar

Foto: © Ali Jarekji / Reuters/ REUTERS

"Für die Verbraucher ist es derzeit einfach, sich durch die niedrigen Preise einlullen zu lassen, aber sie sollten die Signale nicht überhören", warnte Birol. Er sieht für den Beginn des nächsten Jahres das Ende des längerfristigen Preissturzes beim Öl voraus. "Dann sollte der Markt beginnen, sich wieder auszubalancieren." Die IEA berät die Regierungen von 29 Staaten in Energiefragen, darunter auch Deutschland.

Massive Pleitewelle in der Industrie

In der texanischen Öl-Hochburg Houston gibt es derzeit eine große Boom-Branche: Konkursanwälte. Der anhaltend niedrige Ölpreis droht Zulieferer, Ausrüster und alle, die irgendwie vom "schwarzen Gold" abhängen, in die Zahlungsunfähigkeit zu treiben.

"Eine erdrutschartige Pleitewelle auf dem Energiesektor wird sich auf weitere Branchen ausbreiten, als erstes auf die Immobilienwirtschaft", schreibt etwa der "Houston Chronicle". Houston hat ein Problem - und nicht nur Houston. Am Montag begann ein mehrtägiges Treffen der weltweiten Öl-Prominenz in der Stadt.

Die Internationale Energieagentur machte den Anfang. IEA-Chef Birol hatte zumindest keine Weltuntergangs-Szenarien im Gepäck: Die Preise würden 2017 anfangen, sich zu konsolidieren, sagte der Türke. Er befürchtet sogar, dass die wegen der Preisflaute ausgebliebenen Investitionen von vielen Milliarden Dollar zu Preis-Kapriolen und binnen fünf Jahren zu einem rapiden, neuen Anstieg der Ölpreise führen können.

Mit Saudi-Arabien fing das aktuelle Drama an. Das Königreich hat mit der Ausweitung seiner Fördermengen großen Anteil daran, dass der Ölpreis seit Mitte 2014 um 70 Prozent eingebrochen ist. Das Ziel der Saudis: über Marktanteile das Überangebot dominieren - notfalls auch, indem man Preisrückgänge wegen der globalen Ölschwemme in Kauf nimmt.

In der Branche geht jedoch kaum jemand davon aus, dass dies alles war. Saudi-Arabien wolle unter allen Umständen die Rückkehr des Intimfeindes Iran auf den Ölmarkt so schwer wie möglich machen.

Die stark aufstrebende Ölindustrie in den USA, wo vor allem die Menge an Schieferöl ansteigt, wurde so gleich mit getroffen. Denn die Schieferöl-Gewinnung ist vergleichsweise teuer, tiefe Verkaufspreise und niedrige Erlöse lassen die schwächeren Marktteilnehmer aufgeben.

Allein der Schlumberger-Konzern, einer der großen Dienstleister der Branche, hat seit Beginn des Preisverfalls rund 30.000 Jobs abgebaut. Nach Angaben der Anwaltskanzlei Haynes and Boone aus Houston sind im Jahr 2015 mindestens 42 Ölfirmen in die Pleite geschlittert.

Kampf um die Fördermengen

Ein ähnliches Prinzip gilt für den Iran: Nach dem Atomdeal und der Aufhebung internationaler Sanktionen braucht der Mullah-Staat erhebliche Investitionen, um die Förderpumpen wieder richtig in Gang zu setzen. Die sind weniger rentabel, wenn der Ölpreis niedrig ist. Mit Saudi-Arabien und Russland überlegen inzwischen die beiden größten Ölproduzenten, ihre Mengen zumindest einzufrieren. Förderländer wie Venezuela - wegen des Preisverfalls der Staatspleite nahe - oder Kuwait schreien verzweifelt "Hurra" und wollen mitziehen.

Doch Russen und Saudis - gemeinsam für ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion zuständig - wollen ihre Pumpen nur dann nicht schneller stellen, wenn auch Länder wie der Irak und der Iran mitmachen. Riad würde Teheran wohl kaum freiwillig die Märkte überlassen - beide Staaten streiten auch um die politische Vorherrschaft in der Region.

Die Lust, die Ölförderung am Golf einzuschränken, hält sich aber arg in Grenzen. Der von Krieg und Terrorismus gebeutelte Irak will endlich wieder wirtschaftlich Fuß fassen - das Öl ist praktisch die einzige Chance. "In einer Abkehr von dem, was in den vergangenen vier Jahrzehnten galt, fördern und verkaufen die Ölhersteller, was sie nur können", stellte die IEA fest. Sie prognostiziert dem Iran in den nächsten fünf Jahren eine Erhöhung seiner Fördermenge um eine Million Barrel am Tag auf 3,9 Millionen Barrel (je 159 Liter).

Die Regierung in Teheran muss auf das Erdöl als ihre wichtigste Ressource setzen, wenn sie die Geduld ihrer von den Wirtschaftssanktionen ausgezehrten Bevölkerung nicht unnötig lange strapazieren will - zumal mit den Parlamentswahlen im Blick.

"Für die Iraner hat es nationale Bedeutung, ihre Marktanteile zurückzugewinnen", sagt Daniel Yergin, einer der weltweit führenden Ölexperten und Leiter der Tagung in Houston. Die Teheraner Führung hat bisher noch nicht abgesagt, hält sich alle Türen offen.

Warren Buffett wettet weiter auf Öl und Gas

Mit dem neuen iranischen Öl gehen Experten davon aus, dass die tägliche weltweite Überproduktion 1,5 Millionen Barrel erreicht. Insgesamt werde die Fördermenge bis 2021 um 4 Millionen Barrel pro Tag ausgeweitet.

Nach Meinung Yergins hängt die Zukunft des Ölpreises aber noch mehr am Wachstum der Weltwirtschaft - sprich: an der Nachfrage aus China und Indien. "Eine schwächere Weltwirtschaft bedeutet weniger Wachstum in der Nachfrage in einer Zeit, in der das Angebot anschwillt", schrieb er jüngst in einem Beitrag für die "Financial Times".

ts/Michael Donhauser, dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.