Donnerstag, 19. September 2019

Prognose Ökostrom-Umlage soll erstmals sinken

Windanlagen in Deutschland produzierten im ersten Quartal rund 19 Prozent mehr Strom als im Vorjahresquartal

Der Anteil des verbrauchten Ökostroms wächst rasant. Die Ökostrom-Umlage aber wird im kommenden Jahr erstmals sinken, rechnen Experten vor. Ein Grund ist: Prognosefehler hatten das Umlagekonto anschwellen lassen. Das wird jetzt korrigiert.

Berlin - Nach einem Anstieg von einst 0,41 Cent im Jahr 2003 auf derzeit 6,24 Cent wird die Ökostrom-Umlage jetzt wohl erstmals sinken. Das Öko-Institut und das Fachinstitut Agora Energiewende errechneten auf Basis der bisher für die Umlage-Ermittlung angewandten Parameter eine Umlage von netto 5,84 Cent je Kilowattstunde statt derzeit 6,24 Cent. manager magazin online hatte bereits im Januar darauf hingewiesen, dass die Umlage sinken könnte.

Damit müsste ein Haushalt bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden nur noch 204 statt derzeit 218 Euro Umlage im Jahr über den Strompreis zahlen, zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer. Auch für 2016 wird mit einer geringeren Umlage als heute gerechnet. Der Grund sei vor allem ein Milliardenüberschuss auf dem Umlagekonto, hieß es.

Durch Prognosefehler in den vergangenen Jahren sei dieses Konto den Instituten zufolge überzogen worden - durch einen Sonderzuschlag in der Ökostrom-Umlage für das laufende Jahr ist das korrigiert worden. Dieser Zuschlag kann demnach von 2015 an entfallen, - womit sich die Umlage entsprechend verringert.

Sonderzuschlag kann nach Prognosefehlern entfallen

Zugleich sind Wind- und Solarstromanlagen, die immer mehr zu den tragenden Pfeilern des europäischen Energiesystems werden, inzwischen sehr günstig zu bauen. Daher beeinflusst der Zubau von Ökostrom-Anlagen die Umlage kaum noch.

Die Zahlen preisen bereits die geplante Neuregelung bei den Industrie-Rabatten und der Ökostrom-Vergütung ein, sowie Annahmen der für die Umlageberechnung zuständigen Übertragungsnetzbetreiber zur Ökostromproduktion und zur Preisentwicklung an der Strombörse. Die Verbraucher zahlen die Differenz zwischen dem für den Strom erzielten Preis und dem auf 20 Jahre garantierten Vergütungssatz.

Die Umlage für das nächste Jahr wird am 15. Oktober veröffentlicht. Die seit Jahren steigende Umlage lässt bei Verbrauchern und kleinen Unternehmen die Stromrechnungen steigen Die von der schwarz-roten Bundesregierung vorgelegte Reform soll neue Regeln setzen: So werden Fördersätze verringert und der angestrebte Anlagenzubau begrenzt. Im Grundsatz beibehalten werden Rabatte für besonders energieabhängige Industriezweige. Die Reform soll noch vor der Sommerpause vom Bundestag verabschiedet werden.

rei/dpa

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