Freitag, 21. Juni 2019

Kluft zwischen Reich und Arm Warum die OECD mit der Forderung nach Umverteilung falsch liegt

Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst - auch in Deutschland, beklagt die OECD

Die OECD behauptet, dass die ungleiche Einkommensverteilung in Deutschland ein Wachstumshemmnis sei. Dabei verkennt sie Ursache und Wirkung. Nicht die Ungleichverteilung führt zu geringem Wachstum, sondern geringes Wachstum zu mehr Ungleichverteilung.

Die OECD folgt dem IWF und Wissenschaftlern wie Thomas Piketty und sieht die zunehmende Ungleichverteilung von Einkommen als Hindernis für Wachstum und fordert Umverteilung zugunsten von jungen Familien und Bildung.

Zwar steigt die Ungleichheit innerhalb der Industrieländer, weltweit nimmt sie jedoch ab, weil immer mehr Menschen der Armut entfliehen können. Statt auf plumpe Umverteilung zu setzen, sollten wir besser mehr in die Zukunft investieren.

Die zunehmende Spreizung bei den Einkommen ist die zwangsläufige Folge der zunehmenden internationalen Arbeitsteilung. Wenn ärmere Länder sich öffnen und in den internationalen Arbeitsmarkt eintreten, führt dies zwangsläufig zu Lohndruck in den Industrieländern.

So konnten in den vergangenen 20 Jahren hunderte Millionen Menschen die Armut überwinden. Die richtige Antwort der Industrieländer wären vermehrte Anstrengungen in Bildung und Innovation gewesen, da man nur so im internationalen Wettbewerb höhere Löhne rechtfertigen kann.

Politiker im Westen übertünchen das Problem lieber

Doch statt diesen Weg zu gehen, haben die Politiker im Westen lieber auf mehr Umverteilung, Sozialleistungen und Schulden gesetzt. Damit haben sie das Problem nur übertüncht aber letztlich nicht gelöst. Die heute gemessene Ungleichverteilung ist damit die Folge dieser verfehlten Politik.

Wenn die OECD nun feststellt, dass höhere Ungleichverteilung mit geringerem Wachstum einhergeht, blickt sie auf den falschen Zusammenhang. Nicht die Ungleichverteilung führt zu geringem Wachstum, sondern geringes Wachstum zu mehr Ungleichverteilung.

Jene, die im internationalen Wettbewerb nicht über Kosten sondern über Innovation mithielten, können hingegen sowohl Einkommen wie auch Wirtschaftswachstum stärken. Deutschland habe jedoch die steigenden Handelsüberschüsse mehr durch Lohnzurückhaltung als durch Produktivitätsfortschritte erzielt.

Die Forderungen der OECD nach mehr Investitionen in Bildung sind berechtigt. Doch fehlt es den Politikern nicht an Geld, sondern am Willen, dies zu tun. Betrachtet man die Rentengeschenke der Großen Koalition in Deutschland, die Konsum statt Investition sind, muss man sich schon fragen, wieso es an Geld für Bildung und Innovation mangelt.

IWF und OECD provozieren letztlich Ungleichverteilung

Mehr Umverteilung muss sich nach Meinung der OECD nicht negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken. Zu einer ähnlichen Einschätzung ist vor einigen Monaten bereits der IWF gelangt. Damit stützen die beiden weltweit führenden Wirtschaftsorganisationen den Ruf nach mehr Umverteilung.

Die Politik wird diesem Ruf nur zu gerne folgen. Allerdings nicht um mehr in die Zukunft zu investieren, sondern um auf diesen Weg die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. Damit verfestigen wir die Ungleichverteilung statt sie an den Ursachen zu bekämpfen.

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