Dienstag, 17. September 2019

US-Kraftwerks-Gesetz Obamas Kampf gegen die Kohle rüttelt die Energiewelt auf

US-Präsident Obama: Solar hui, Kohle pfui
Getty Images
US-Präsident Obama: Solar hui, Kohle pfui

US-Präsident Barack Obama hat mit seinen Regeln für sauberere Kraftwerke ein kleines Erdbeben in der Energiebranche ausgelöst. Vor allem die Kohleindustrie geht weltweit harten Zeiten entgegen - zumal auch China den Verbrauch drosseln will.

Hamburg - Im Grunde sind Barack Obamas Regeln für sauberere Kraftwerke gar nicht einmal besonders spektakulär: Um 30 Prozent sollen die Emissionen von Kohlendioxid bis 2030 sinken - auf Basis des Jahres 2005.

Damit schreibt der Erlass lediglich eine Entwicklung fort, die schon in vollem Gange ist. In den vergangenen knapp zehn Jahren ist der Treibhausgas-Ausstoß im US-Stromsektor bereits um mehr als 10 Prozent gesunken, weil Gaskraftwerke sowie Wind- und Solarparks im großen Stil Kohlestrom ersetzt haben.

Dennoch rüttelt Obamas Vorstoß nun die Energiebranche auf, und das nicht nur in den Vereinigten Staaten. Denn die symbolträchtige US-Initiative könnte eine Art Initialzündung für ein Comeback der globalen Klimapolitik sein - mit weitreichenden Folgen für die Industrie.

Neue Hoffnung für den Klimagipfel 2015 in Paris

Tatsächlich brachte nur einen Tag später ein einflussreicher Berater der chinesischen Regierung eine Obergrenze für den Ausstoß von Kohlendioxid in seinem Land ins Gespräch. Damit würde Peking an bereits bestehende Pläne für eine Kohle-Obergrenze anknüpfen.

Schon sieht die Europäische Union die Chancen für einen Erfolg beim Klimagipfel 2015 in Paris steigen. Sogar in Australien gerät die konservative Regierung im Fahrwasser des Obama-Erlass wegen ihrer laschen Klimapolitik in die Kritik.

Unterm Strich, so zeichnet es sich ab, sieht vor allem die Kohleindustrie weltweit harten Zeiten entgegen. Erstes Indiz: Unmittelbar, nachdem die Eckdaten von Obamas Reform bekannt wurden, gaben die Kurse zahlreicher US-Kohlekonzerne deutlich nach - und das von einem bereits sehr niedrigen Niveau.

Börsianer erwarten, dass Stromversorger zunehmend auf Elektrizität aus umweltfreundlicherem Erdgas und erneuerbaren Energien ausweichen. Bis 2030 könnte sich der Kohlekonsum im US-Stromsektor nahezu halbieren, erwarten die Analysten von FBR Capital Markets dem Wall Street Journal zufolge. Das sind fatale Aussichten für das Preisniveau von Kohle, das bereits zuletzt stark gesunken ist.

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