US-Geheimdienst NSA zahlte Google und Yahoo Millionen für Bespitzelung

Der US-Geheimdienst NSA hat Internetfirmen mit Millionen dafür entschädigt, dass sie ihre Technologien für Bespitzelung optimierten. Yahoo bestätigte die Zahlungen, Microsoft äußerte sich nicht, Google leugnete. Deutsche E-Mail-Anbieter verzeichnen derweil Zulauf.
US-Konzern Yahoo: "Haben Erstattungen angefordert"

US-Konzern Yahoo: "Haben Erstattungen angefordert"

Foto: AP/dpa

London/Berlin - Der US-Geheimdienst NSA soll Technologiefirmen wie Google, Microsoft oder Yahoo Millionenbeträge gezahlt haben, damit diese ihre Technologie den Geheimdienstanforderungen anpassen. Das berichtete der "Guardian" in seiner Online-Ausgabe unter Berufung auf hochgeheimes Material aus den Enthüllungen des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden. Die Zeitung, die mit der britischen Regierung in Streit geraten ist, veröffentlichte auch Originalauszüge aus den Geheimdienstakten.

Yahoo bestätigte in einer Stellungnahme Zahlungen. "Die Bundesgesetzgebung verpflichtet die US-Regierung, Anbieter für Kosten zu entschädigen, wenn sie von der Regierung verpflichtet werden, rechtliche Verfahren einzuführen. Wir haben im Einklang mit diesem Gesetz Erstattungen angefordert."

Andere Firmen wie Microsoft äußerten sich nicht. Google behauptete, nicht an dem Überwachungsprogramm Prism teilgenommen zu haben, obwohl der Name der Firma explizit in einem der Originalauszüge der NSA-Akten als "PRISM-Provider" erwähnt wird. Auch Facebook soll dem "Guardian" zufolge entschädigt worden sein.

Deutsche E-Mail-Anbieter profitieren einem "Spiegel"-Bericht zufolge von der Abhöraffäre. So sei die Zahl der Neuanmeldungen für den E-Mail-Service Freenet innerhalb der vergangenen drei Wochen um 80 Prozent gestiegen. Das Unternehmen sei "sehr überrascht über diesen Anstieg", sagte ein Freenet-Sprecher. Auch bei der 1&1 AG, bei Web.de und GMX ist laut "Spiegel" ein sechsstelliger Anstieg der Nutzerzahlen erkennbar, der sich saisonal nicht erklären lasse.

T-Online melde ebenfalls ein "stärkeres Interesse" am E-Mail-Service, heißt es in dem Bericht. Ob dies auf Kosten der US-Anbieter Gmail, Hotmail und Yahoo, sei nicht bekannt. Seit Anfang August kooperieren T-Online, Web.de und GMX im Zuge der Kampagne "E-Mail made in Germany", die das Vertrauen in deutsche E-Mail-Dienste steigern und E-Mails besser verschlüsseln will.

ts/dpa-afx
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