Mittwoch, 18. September 2019

Folgen des Ölpreisverfalls Norwegens Handelsbilanz erstmals seit 19 Jahren negativ

Norwegens Jugend bei einem Fest zum Nationalfeiertag im letzten Mai
REUTERS / Terje Pedersen
Norwegens Jugend bei einem Fest zum Nationalfeiertag im letzten Mai

Norwegens Handelsbilanz weist erstmals seit 19 Jahren ein Defizit aus. Im Juni übertrafen die Importe die Exporte um rund 800 Millionen Kronen (rund 75 Millionen Euro), teilte das Statistikamt am Freitag in Oslo mit.

"Das letzte Mal, dass es so etwas gab, war im Dezember 1998," erklärten die Statistiker. Grund dafür waren steigende Importe von Flugzeugen sowie Öl- und Gasplattformen. Ölkonzerne wie Statoil haben in den vergangenen Jahren verstärkt Plattformen in Asien bestellt, um ihre Kosten zu drücken.

Ein Grund für das erstmalige Defizit in der Handelsbilanz Norwegens sind auch die fallenden Ölpreise: Norwegen hat wegen der hohen Einnahmen aus dem Verkauf von Öl und Gas fast zwei Jahrzehnte lang einen Exportüberschuss erzielt. Allerdings sind die Ölpreise in den vergangenen drei Jahren um 58 Prozent gefallen, was den größten westeuropäischen Ölexporteur belastet.

Norwegen konnte dank seines Ölreichtums über Jahrzehnte den mehr als 850 Milliarden Euro schweren und damit weltweit größten Staatsfonds anfüllen. Die konservative Regierung unter Erna Solbergs Rechtsregierung musste im vergangenen Jahr allerdings erstmals fast hundert Milliarden Kronen aus dem Fonds abziehen, um den laufenden Haushalt zu bestreiten. In diesem Jahr sollte noch mehr Geld abfließen, um Staatsausgaben zu decken und die norwegische Wirtschaft vor einer Rezession zu bewahren.

Zentralbankgouverneur Øystein Olsen warnte im Februar noch, wenn die Entwicklung so weitergehe, wachse die Gefahr, dass dem Staatsfonds das Kapital ausgehe.

rei mit Reuters

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