Samstag, 21. September 2019

"Gesamte Kontinental-USA erreichbar" Nordkorea schießt bisher reichweitenstärkste Rakete ab

TV-Bericht in Seoul über den Raketentest

Das Regime in Pjöngjang hat eigenen Angaben zufolge eine neue Interkontinentalrakete getestet - Hwasong-15 könnte das gesamte US-Festland erreichen. Südkorea und die USA sehen den Weltfrieden bedroht.

Nach einer Pause von zweieinhalb Monaten hat Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un am Dienstag wieder eine ballistische Rakete testen lassen: Er ließ sie von Pyongsong nahe der Hauptstadt Pjöngjang in Richtung Osten schießen. In einer Erklärung im Staatsfernsehen hieß es wenig später, es habe sich um die bisher reichweitenstärkste Interkontinentalrakete gehandelt.

Es seien nun "die gesamten Kontinental-USA" in Reichweite nordkoreanischer Raketen, hieß es in einer Erklärung, die in staatlichen Medien verbreitet wurde. Der Test der Interkontinentalrakete vom Typ Hwasong-15 sei erfolgreich verlaufen. Sie sei bis zu 4475 Kilometer hoch geflogen und habe in 53 Minuten eine Distanz von 950 Kilometern zurückgelegt. Nordkorea habe eine große historische Leistung erbracht, um "die staatliche Atomstreitmacht zu vervollständigen".

Ähnliche Angaben zu Flughöhe und der Strecke hatte zuvor auch Südkoreas Militär gemacht. Am Ende sei die Rakete 960 Kilometer weiter vor der Westküste Japans ins Meer gestürzt. Experten zufolge könnte sie damit möglicherweise das US-Kernland erreichen, wenn sie von einem Standard-Abschusswinkel abgefeuert eine normale Flugbahn erreicht hätte.

Nordkoreanische Nachrichtensprecherin Ri Chun Hee

Auch nach Angaben von US-Verteidigungsminister James Mattis flog die nordkoreanische Rakete so hoch wie keine vor ihr. Wegen der großen Reichweite sei dies grundsätzlich eine Gefahr für jedes Land, sagte Mattis. Offensichtlich setze Nordkorea seine Bemühungen zum Bau einer Interkontinentalrakete fort, die sowohl die USA wie die Welt bedrohe.

Allerdings ist weiter fraglich, ob die Sprengköpfe auf Nordkoreas Raketen auch den Wiedereinstieg in die Erdatmosphäre heil überstehen, was als besonders kritisch gilt.

Reaktionen auf die "rücksichtslose Provokation"

Die Reaktionen auf den neuen Raketentest kamen prompt - und waren gewohnt deutlich. Kanzlerin Angela Merkel verurteilte "Nordkoreas neueste Provokation" scharf. "Es ist wichtiger denn je, gegen die Bedrohung der internationalen Sicherheit durch Pjöngjang zusammenzustehen", teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit.

US-Präsident Donald Trump sprach von einer "Situation, mit der wir umgehen werden". Der Raketenstart ändere nichts an der Nordkorea-Politik der USA. Später schrieb er via Twitter, der Test habe einmal mehr gezeigt, wie wichtig es sei, dass die Finanzierung von Regierung und Militär sichergestellt sei. Trump telefonierte sowohl mit Südkoreas Präsident Moon Jae In als auch mit Japans Ministerpräsident Shinzo Abe.

Südkorea reagierte nur fünf Minuten nach dem Start der Rakete mit Manövern und schoss drei Raketen für Zielübungen ins Meer. Moon warnte vor einer drastischen Verschärfung der Sicherheitslage. Falls Nordkorea weiter Raketen entwickle, die andere Kontinente erreichen könnten, "könnte es zu einer Situation kommen, die nicht mehr gutzumachen ist", sagte Moon bei der Sitzung seines Sicherheitsrats in Seoul.

"Wir müssen verhindern, dass Nordkorea die Lage falsch einschätzt und uns mit Atomwaffen bedroht, oder dass die USA einen Präventivschlag erwägen könnten." Moon verurteilte den Raketentest als "rücksichtslose Provokation", die seine Regierung nicht hinnehmen werde. Nordkorea verschärfe damit nicht nur die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel, sondern bedrohe auch den Weltfrieden, sagte Moon. Sein Land habe keine andere Wahl, als Nordkorea "mit bloßer Macht" zu erdrücken.

Japans Premier Shinzo Abe verurteilte in dem Telefonat mit Trump den Raketenstart, der "die Sicherheit sowohl Japans als auch der USA bedrohe", wie die Nachrichtenagentur Jiji Press zitierte. Die Regierung in Tokio gab nach Angaben von Verteidigungsminister Itsunori Onodera keinen Befehl zum Abschuss der Rakete, da man zu der Einschätzung gelangt war, dass sie weder auf japanischem Territorium noch in japanischen Hoheitsgewässern landen würde.

Uno-Sicherheitsrat tagt am Mittwoch

Auf Bitten der USA, Japans und Südkoreas wird schon am Mittwochnachmittag der Uno-Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen. "Dies ist eine klare Verletzung von Resolutionen des Sicherheitsrats und zeigt eine komplette Missachtung für die geeinte Sicht der internationalen Gemeinschaft", ließ Uno-Generalsekretär António Guterres über seinen Sprecher mitteilen.

In den vergangenen Monaten hatten sich die Spannungen auf der koreanischen Insel deutlich verschärft, nachdem Kim Jong Un mehrfach Raketen sowie Anfang September eine weitere Atombombe getestet und damit gegen Uno-Resolutionen verstoßen hatte. Die USA hatten Nordkorea vor einer Woche auf die Liste der staatlichen Unterstützer von Terrorismus gesetzt, was Pjöngjang als schwere Provokation auffasst.

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