Montag, 22. April 2019

Neue Vorschriften für die Lebensmittelindustrie Zuviel der Wahrheit?

Supersize-me: Was eine Portion ist, hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert

Ein paar Schlucke Cola, einige Löffel Eis - mit den tatsächlich konsumierten Mengen haben die Portionsangaben auf vielen amerikanischen Lebensmitteln schon lange nichts mehr zu tun. Eine Tatsche, die die Lebensmittelüberwachungsbehörde FDA nun ändern will. Statt unrealistischer Pröbchen auszuweisen, sollen die Hersteller die Portionen künftig so bemessen und angeben, wie sie tatsächlich auch konsumiert werden. Sprich: eine Drittelliter-Flasche Cola ist künftig eine Portion, ein viertel Liter Eis ebenfalls, statt zuvor die die Hälfte davon.

Ziel der realistischen Angaben ist es, dass sich Konsumenten keine Illusionen mehr darüber machen, wieviel Kalorien sie gerade zu sich nehmen. Ziemlich wichtig in einem Land, in dem fast jeder Dritte übergewichtig ist.

Die letzte große Überarbeitung der Nähwertangaben ist schließlich schon mehr als 20 Jahre her. Und die Portionsgrößen haben sich seitdem - vor allem bei Fastfood und Süßigkeiten - deutlich nach oben entwickelt. Bei fast jedem fünften Produkt müsse die Portionsgröße dringend angepasst werden, schreibt die FDA.

Experten fürchten nun, dass der Schuss nach hinten losgehen könnte: Nämlich dass Konsumenten sich angesichts der größeren Portionen ermutigt fühlen könnten, sich künftig noch mehr zu genehmigen.

"Viele Leute fehlinterpretieren die Portionsangaben", schreiben die Macher einer neuen Studie, die gerade im Ernährungs-Fachblatt Appetite veröffentlicht wurde. "Sie werten die Portionsangaben als Information darüber, wie viel konsumiert werden kann und sollte." Ein Mechanismus, der nicht dazu angetan ist, die Fettleibigkeit in der Bevölkerung zu reduzieren oder sensibler zu machen, was den Genuss von Fastfood angeht.

Auch in Deutschland sind die Portionsgrößen Wissenschaftlern zufolge in den vergangenen Jahrzehnten deutlich angestiegen. Portionsangaben sind hierzulande weder klar definiert noch gesetzlich verpflichtend.

Ab Ende 2016 müssen allerdings sämtliche Hersteller Nährwerte wie Brennwert, Fettgehalt, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz pro 100 Gramm oder 100 Milliliter ausweisen.

Die Tricks der Lebensmittelindustrie

 

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