Samstag, 20. Juli 2019

Rettung für umstrittenes China-Megaprojekt So wird die neue Seidenstraße doch noch ein Riesenerfolg

Straßenbild in China: Die Ingenieure der Volksrepublik werden sicher verhindern, dass so etwas auf der neuen Seidenstraße passiert.
Zou Bixiong / SIPA Asia / ZUMA Wire / DPA
Straßenbild in China: Die Ingenieure der Volksrepublik werden sicher verhindern, dass so etwas auf der neuen Seidenstraße passiert.

Die Welt ist im Alarmzustand: Mit gewohnter Hinterlist und vielen Milliarden Dollar treibt China wieder mal eines seiner perfiden Großprojekte voran, deren Zweck es letztlich einzig und alleine ist,

  • die Gewinne chinesischer Unternehmen zu vergrößern,
  • die Taschen korrupter China-Funktionäre zu füllen sowie
  • China dereinst zur unumstrittenen Weltmacht Nummer eins zu machen.

Die Rede ist hier selbstverständlich von der neuen Seidenstraße - und die skizzierten Folgen kann der Rest der Welt, der sich mit China in diesen Tagen in Peking zum großen Seidenstraßen-Gipfel trifft, ebenso selbstverständlich keinesfalls hinnehmen.

Doch was soll man tun? Wie kann die Seidenstraße doch noch zum Erfolg werden, nicht nur für China, sondern auch für den Rest der Welt?

Ein wichtiger Vorschlag kam bereits von Joachim Lang, dem Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). "Aus Sicht der deutschen Industrie darf die neue Seidenstraße keine Einbahnstraße sein", sagte Lang in einem Interview. Dem dürfte allerdings sogar in China niemand widersprechen. Nein, Herr Lang, seien Sie ganz beruhigt, eine Einbahnstraße ist nicht geplant. Ebenso wenig übrigens eine Sackgasse oder eine Spielstraße, die von Autos nur im Schritttempo befahren werden dürfte.

Im Gegenteil: Wenn es um Großprojekte geht, kennen wir die Chinesen als Vollprofis. Sie werden die neue Seitenstraße zweifellos von Anfang an entsprechend dem zu erwartenden Verkehrsaufkommen und nach neuesten Technikstandards optimal planen. Das heißt: Es wird sicher mehrere Spuren in beide Richtungen geben, mit gut sichtbarer und international verständlicher Fahrbahnmarkierung und Beschilderung. Regelmäßige Möglichkeiten, einen Rastplatz aufzusuchen oder zu tanken, dürften ebenfalls kaum fehlen.

Ohnehin entbehren die Befürchtungen von BDI-Chef Lang in gewisser Weise der Grundlage. Denn genau genommen wird es sich bei der neuen Seidenstraße ja gar nicht um eine einzige Straße handeln. Das wäre überhaupt nicht möglich. Der Plan der Chinesen ist es schließlich, viele verschiedene Orte miteinander zu verbinden, die von Europa bis Afrika und von Asien bis Lateinamerika über die gesamte Welt verstreut sind, und die noch dazu keineswegs auf einer Linie liegen. Eine einfache Straße, wie sie dem BDI-Funktionär offenbar vorschwebt, von A nach B sozusagen, kommt da ja gar nicht in Frage. (Mit ein bisschen Recherche hätte Herr Lang das eigentlich auch selber feststellen können.)

Wenn wir von der neuen Seidenstraße reden, dann reden wir vielmehr offenbar in Wirklichkeit vom neuen Seidenstraßennetz. Dazu werden sehr wahrscheinlich auch Abzweigungen, Stichstraßen, vielleicht sogar der eine oder andere Kreisverkehr gehören. In Deutschland jedenfalls haben sich Kreisverkehre in den vergangenen Jahren bestens bewährt. Sie fördern den Verkehrsfluss und senken vermutlich auch das Unfallrisiko. Das dürfte den Chinesen nicht verborgen geblieben sein.

Man sieht: Alles in allem sind die Sorgen von Herrn Lang vom BDI vollkommen unbegründet. Entsprechendes wird China zweifellos auch dem Rest der Welt klar machen, auf dem Seidenstraßennetz-Gipfel dieser Tage in Peking.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Und sollte es trotz allem weiterhin böses Blut geben rund um dieses chinesische Megaprojekt - auch kein Problem. In vielen Wohnvierteln in Deutschland hat sich das bunte Straßenfest als Event zur Verbesserung der Nachbarschaft und Förderung der Gemeinschaft etabliert. Das dürfte auch den Chinesen nicht entgangen sein.

Wie wäre es dann also mit einem bunten Straßenfest auf der neuen Seidenstraße? Chinas Präsident Xi Jinping freut sich bestimmt schon jetzt auf seinen Einsatz beim Kissing Booth. Und Herrn Lang vom BDI könnte man dorthin auch einladen.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung