Dienstag, 25. Februar 2020

Geldwäschevorwurf Moskau klagt Milliardär Jewtuschenkow an

Ein Bild aus besseren Tagen: Putin und Unternehmer Jewtuschenkow (Archiv 2010)
AP/RIA Novosti
Ein Bild aus besseren Tagen: Putin und Unternehmer Jewtuschenkow (Archiv 2010)

Er zählt zur Wirtschaftselite Russlands: Der Milliardär Jewtuschenkow ist wegen Geldwäsche angeklagt und unter Hausarrest gestellt worden. Unternehmer vermuten politische Motive. Zieht Putin im Hintergrund die Fäden?

Moskau - Russland hat den Direktoriumschef des Mischkonzerns Sistema wegen Geldwäscheverdachts unter Hausarrest gestellt. Es gebe Hinweise, dass Wladimir Jewtuschenkow an der nachträglichen Legalisierung von widerrechtlich angeeignetem Besitz beteiligt gewesen sei, teilten die Ermittler mit.

Der einflussreiche Unternehmerverband RSPP kritisierte die Vorwürfe als politisch motiviert und verglich den Fall mit dem Schicksal des Regierungskritikers und jahrelang inhaftierten früheren Öl-Oligarchen Michail Chodorkowski. Ein Präsidialamtssprecher wies den Vorwurf umgehend zurück. Der Versuch, dem Fall einen politischen Anstrich zu geben, sei absurd.

Nach Angaben der Ermittler geht es im Fall Jewtuschenkow um den Kauf von Anteilen an dem Ölkonzern Bashneft. Das Unternehmen, zu dem auch Russlands größter Mobilfunkanbieter MTS gehört, wies die Vorwürfe als grundlos zurück. Es werde Jewtuschenkow mit allen rechtlichen Mitteln verteidigen.

Kampf um Ölfirma Bashneft - zieht Putin im Hintergrund die Fäden?

Der Hausarrest dürfte auch den seit langem gehegten Plänen für einen Bashneft-Börsengang in London einen Rückschlag versetzen. Sistema hatte Bashneft 2009 gekauft. Seitdem gehört das Unternehmen dank moderner Technologie zu den russischen Ölfirmen mit dem größten Produktionswachstum.

Im Juni hatte die Zeitung "Vedomosti" von einem Interesse des russischen Marktführers Rosneft, der vom Putin-Vertrauten Igor Setschin geleitet wird, an Bashneft berichtet.

Jewtuschenkow steht in der Liste des "Forbes"-Magazin der reichsten Russen mit einem Vermögen von rund neun Milliarden Dollar an 15. Stelle.

An der Moskauer Börse wurde die Anklage gegen Jewtuschenkow am Mittwoch mit Schrecken aufgenommen: Der Kurs der Sistema-Aktien brach zum Handelsbeginn um 28 Prozent ein.

Chodorkowski war Chef des mittlerweile zerschlagenen Ölkonzerns Yukos. Ihm wurde unter anderem Steuerhinterziehung vorgeworfen. Er saß zehn Jahre im Straflager und Gefängnis. Im Dezember wurde er überraschend von Präsident Wladimir Putin begnadigt und kam frei.

rei/rtr/afp

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