Samstag, 30. Mai 2020

mm-Grafik So gut verkauft sich Satire in Europa

Eine Woche nach dem Attentat auf "Charlie Hebdo" hat die Redaktion eine neue Ausgabe an die Kioske gebracht, Auflage: 5 Millionen Stück. Frankreich reißt sich um das Blatt. Die Grafik zeigt, wie gut sich andere wichtige Satiremagazine Europas üblicherweise verkaufen.

Hamburg - Die Solidarität ist riesig: Ursprünglich hatte "Charlie Hebdo" eine Million Exemplare seiner ersten Ausgabe nach dem tödlichen Terroranschlag auf das Magazin verkaufen wollen. Diese Summe musste mehrfach nach oben korrigiert werden: Zwei Millionen Exemplare wurden zunächst draufgeschlagen, am Verkaufstag selbst wuchs die Summe schließlich auf fünf Millionen Zeitungen an. Wie die Grafik von Statista zeigt, übertrifft die aktuelle Ausgabe die übliche Auflage von "Charlie Hebdo" um mehr als das Hundertfache.

Gut zehnmal so viele Exemplare wie "Charlie Hebdo" verkauft "Le Canard Enchaîné" ("die gefesselte Ente") pro Woche - 2013 waren es durchschnittlich fast 400.000 Exemplare bei Frankreichs größter Satirezeitung. Neben ihrem bissigen Humor fiel das Blatt zuletzt auch immer wieder mit wichtigen Exklusivmeldungen auf, die einige Pariser Amtsträger ihre Jobs kosteten. Eine wichtige politische Rolle spielt auch "Penguen" in der Türkei: Zu Hochzeiten der Gezi-Proteste sei die verkaufte Auflage von durchschnittlich 55.000 auf bis zu 80.000 angewachsen, berichtete im vergangenen Jahr die "New York Times".

Fast 220.000 Exemplare verkauft aktuell die britische Satirezeitung "Private Eye" - im Gegensatz zu Charlie, dem Pinguin und der gefesselten Ente erscheint sie allerdings in einem zweiwöchentlichen Rhythmus. Monatlich erscheinen die beiden deutschen Vertreter dieser Aufstellung - "Eulenspiegel" hat dabei laut aktueller Zahlen knapp die Nase vor der "Titanic".


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