Bilanz 2013 Mitglieder lassen ADAC davonkommen

Der ADAC will umbauen - Schluss mit aggressiver Mitgliederwerbung, Schluss mit Profitmaximierung und undurchsichtigen Geschäfte. Doch die Reformen könnten sich in die Länge ziehen - auch weil es dem Verein so gut geht.
Stabile Finanzen, Mitglieder wieder an Bord: ADAC-Zentrale in München

Stabile Finanzen, Mitglieder wieder an Bord: ADAC-Zentrale in München

Foto: MICHAELA REHLE/ REUTERS

München - Die ADAC-Vereinsführung hat am Montag ihren Willen zu tiefgreifenden Veränderungen bekräftig, um die enormen Schäden zu reparieren, die die Fälschungen rund um den Autopreis "Gelber Engel" und die skandalträchtigen Wochen danach angerichtet haben. Den Rahmen dafür hatte der Autofahrerclub erst im Mai auf seiner Hauptversammlung in Saarbrücken abgesteckt. Seither beraten Arbeitsgruppen, um die Details der Renovierung zu klären.

"Unsere Analyse steht", erklärt Interimspräsident August Markl. "In den kommenden Wochen und Monaten werden wir nun intensiv darüber diskutieren und Entscheidungen treffen. Sie werden verstehen können, dass ich diesem intensiven Diskussionsprozess nicht vorgreifen kann."

Der Blick der Bilanz-Pressekonferenz in München richtet sich ohnehin auf die Vergangenheit. Für den ADAC war der Termin in den letzten Jahren eine durchweg erfreuliche, wenn auch meist unspektakuläre Veranstaltung. Auch für 2013 hätte das eigentlich so sein können. Denn die Zahlen belegen vor allem den Erfolg, den der ADAC hatte.

Die Mitgliederzahl stieg im vergangenen Jahr weiter - und mit ihr die Einnahmen. Hohe Ausgaben und größere Steuerzahlungen nagten zwar am Gewinn des ADAC, doch insgesamt glänzt die Bilanz. Dann kam der Januar - und mit ihm der Skandal um den "Gelben Engel".

Zum Mai hatte der Club rund 15.000 Mitglieder weniger

Die Fälschungen bei dem Autopreis lösten eine Kettenreaktion aus, der Absturz in der öffentlichen Meinung war beispiellos, es folgten viele Vorwürfe, Präsident Peter Meyer und Geschäftsführer Karl Obermair verloren ihre Jobs. Dazu kam ein Aderlass, wie ihn der ADAC bisher nicht gekannt hat - Ende Mai hatte der Club rund 15.000 Mitglieder weniger als zum Jahreswechsel.

Das ist gemessen an der noch immer enorm hohen Mitgliederzahl von 18,93 Millionen ein verschwindend geringes Minus von 0,08 Prozent. Aber das Signal ist deutlich, denn seit Jahrzehnten kannte die Kurve nur eine Richtung: aufwärts. Das ist nun anders. Allein 320.000 Menschen sind wegen der Krise aus dem Verein ausgetreten.

Dazu kommen die Abgänge, die der ADAC ständig zu verzeichnen hat: Gestorbene, Umgezogene, Autoabmeldungen und normale Austritte. Rechnet man alles zusammen, kommt man auf rund 385.000 Mitglieder weniger. Die 370.000 Neumitglieder seit Januar konnten das Minus nicht mehr ausgleichen.

Fundament des ADAC stabiler als gedacht - Kritiker zweifeln am Reformwillen

Allerdings beweist der kaum gebremste Zustrom: Der Club steht auf einem wesentlich stabileren Fundament, als es die allgemeine Stimmung vielleicht nahelegt.

Bleibt weiter Präsident: Interimspräsident Markl will den Club weiter reformieren, verkörpert aber das alte System, gehört er dem Präsidium doch seit 2011 an

Bleibt weiter Präsident: Interimspräsident Markl will den Club weiter reformieren, verkörpert aber das alte System, gehört er dem Präsidium doch seit 2011 an

Foto: DPA

Das könnte die Reformbereitschaft des ADAC womöglich dämpfen, befürchten nicht wenige. Was das Präsidium am Montag als erste Reformschritte verkündete, war auch sehr überschaubar: So sollen sich die Regionalgesellschaften nicht mehr "Gaue" nennen und will der ADAC künftig nicht mehr Kindersitze testen und gleichzeitig verkaufen.

Finanziell hat der ADAC keine Sorgen. Das Eigenkapital von rund 1,1 Milliarden Euro gibt ein dickes Polster. Und selbst wenn die ausstehende steuerrechtliche Prüfung der Pannenhilfe ergeben sollte, dass Geld an den Fiskus fließen müsste, könnte der Club das wohl stemmen, ohne in Schieflage zu geraten. Auf bis zu 200 Millionen Euro schätzt er das Risiko, rechnet aber nicht mit dem Schlimmsten. Auch deswegen wurde dafür bisher kein Geld zurückgelegt.

Noch offen ist, was am Ende die Reformen kosten werden. So verkauft der ADAC etwa Kindersitze, die er testet, seit vier Wochen nicht mehr selbst. Bei 360 weiteren Produkten und Dienstleistungen laufe noch die Prüfung, ob sie weiter verkauft oder getestet werden sollen.

Manche Fachleute zweifeln Reformwillen des ADAC schlicht an

"Sollten Sie sich die Frage bereits vorgemerkt haben, wieso unser Reformprogramm nicht einfach in wenigen Wochen durchgezogen werden kann, haben Sie hiermit vielleicht bereits eine überzeugende Erklärung", sagt Markl vorbeugend. Auch an anderen Stellen hätten die sieben Arbeitsgruppen dicke Bretter zu bohren. Klar sei: Statt des Profits solle wieder das einzelne Mitglied in den Mittelpunkt treten.

Manche Fachleute haben daran Zweifel. Der Autoexperte und ADAC-Kritiker Ferdinand Dudenhöffer wirft der Club-Führung vor, "auf Zeit" zu spielen und die Reformen in die Länge zu ziehen, bis sich der Sturm gelegt habe. Der ADAC weist das zurück. "Wir sind auf einem steinigen, aber richtigen Weg", sagt Markl.

Im Dezember soll auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über wichtige Punkte des Umbaus entschieden werden, auch über die Einführung eines Systems zur Überwachung guter Unternehmensführung. Spätestens im Mai 2015 soll dann ein neuer Präsident gewählt werden. Dafür, betont Markl auf Nachfrage ein weiteres Mal, stehe er nicht zur Verfügung..

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rei/dpa