Montag, 24. Februar 2020

Berechnungen Bundesbank Deutscher Staat spart dank Minizinsen 436 Milliarden Euro

400 Milliarden Zinsersparnis durch Minizinsen? Da darf man als Bundesfinanzminister schon mal lächeln, auch wenn zunächst die Deutsche Finanzagentur Gmbh davon profitiert. Sie ist zentraler Dienstleister für die Kreditaufnahme des deutschen Staates und dessen Schuldenmanagement.
Fabian Sommer/DPA
400 Milliarden Zinsersparnis durch Minizinsen? Da darf man als Bundesfinanzminister schon mal lächeln, auch wenn zunächst die Deutsche Finanzagentur Gmbh davon profitiert. Sie ist zentraler Dienstleister für die Kreditaufnahme des deutschen Staates und dessen Schuldenmanagement.

Der deutsche Staat hat seit der Finanzkrise dank der anhaltenden Ultratiefzinsen mehr als vierhundert Milliarden Euro eingespart. Die Ersparnisse bei den Zinsaufwendungen addierten sich von 2008 bis Ende 2019 auf rund 436 Milliarden Euro, zeigten am Montag vorliegende Berechnungen der Bundesbank.

Die deutsche Notenbank kommt zu den Zahlen, indem sie die tatsächlich angefallenen Ausgaben für den Schuldendienst mit den hypothetischen Werten vergleicht, die sich bei einer gegenüber 2007 unveränderten Durchschnittsverzinsung ergeben hätten. Allein für das Jahr 2019 lag die Einsparung danach bei annähernd 58 Milliarden Euro.

Den Daten zufolge lag noch 2007 die Durchschnittsverzinsung bei 4,23 Prozent. 2019 musste der Staat dagegen im Durchschnitt lediglich 1,40 Prozent für seine Schulden zahlen. Die Zeitung "Die Welt" hatte zuerst über die Daten berichtet.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält ihre Schlüsselzinsen schon seit vielen Jahren sehr tief. Der Leitzins zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

Dazu haben die EZB und die nationalen Euro-Notenbanken Staatsanleihen und andere Wertpapiere in Billionenhöhe erworben. Dies hat mit dazu beigetragen, dass die Renditen der Staatsanleihen an den Anleihemärkten sehr niedrig blieben.

Bei vielen Titeln verdient der Bund sogar Geld, wenn er die Papiere bei Investoren unterbringt, denn deren Renditen liegen bei unter Null Prozent. Banken in Deutschland klagen dagegen seit langem über die anhaltenden Tiefzinsen, die ihnen im angestammten Zinsgeschäft zu schaffen machen.

Die Kehrseite: Immer mehr private Bankkunden müssen Strafzinsen zahlen

Immer mehr Kreditinstitute deshalb dazu über, dass sie von Privatkunden für höhere Geldeinlagen Strafzinsen oder sogenannte Negativzinsen verlangen, wie eine Studie der Verivox Finanzvergleich GmbH zeigt. Der Datenanbieter hat im Internet veröffentlichte Preisaushänge von 800 Banken und Sparkassen ausgewertet. Demnach verlangten zu Jahresbeginn 38 Institute Negativzinsen von ihren Privatkunden - in der Regel für Guthaben auf dem Tagesgeldkonto. Hinzu kämen sieben Finanzhäuser, bei denen das Tagesgeldkonto Gebühren koste. Dadurch entstünden faktisch Negativzinsen, auch wenn sie nicht als solche ausgewiesen.

"Die Wucht der Negativzinswelle" hat in diesem Jahr noch einmal deutlich zugenommen, sagte Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier. In der Regel verlangen die Institute von vermögenden Privatkunden die Strafzinsen. Verivox zufolge fordern derzeit aber auch fünf Institute für Tagesgeldeinlagen unter 100.000 Euro Negativzinsen - zwei davon verzichteten komplett auf einen Freibetrag.

Hintergrund der Strafzinsen ist: Geschäftsbanken selbst müssen mittlerweile 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Europäischen Zentralbank parken. Auch wenn es neuerdings Freibeträge für bestimmte Summen gibt, bleibt dies für die Branche eine Milliardenbelastung.

rei/Reuters/dpa

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung