Oscar-Preisträger Michael Moore nennt 5 Gründe, warum Trump Präsident wird

"Dieser bemitleidenswerte, ignorante, gefährliche Teilzeit-Clown und Vollzeit-Soziopath wird unser nächster Präsident": Regisseur Michael Moore (kleines Bild) hat es schon vor Monaten gewusst

"Dieser bemitleidenswerte, ignorante, gefährliche Teilzeit-Clown und Vollzeit-Soziopath wird unser nächster Präsident": Regisseur Michael Moore (kleines Bild) hat es schon vor Monaten gewusst

Foto: AFP, AP

Donald Trump wird als 45. Präsident die USA regieren - der Schock im politischen Establishment sitzt tief. Kaum einer hätte noch vor wenigen Tagen geglaubt, dass die Wähler in den USA tatsächlich einen fremdenfeindlichen, pöbelnden Immobilien-Magnaten zu ihrem Regierungschef und damit zum mächtigsten Mann der Welt machen - mit Zugriff auf die Atom-Codes. Doch ausgerechnet Michael Moore, einer der schärfsten und schrillsten Kritiker Trumps, hat es bereits vor Monaten gewusst: "Dieser ignorante, gefährliche Teilzeit-Clown wird unser nächster Präsident", prophezeite Moore bereits im Sommer.

Warum sich Trump durchsetzt? Weil im US-Wahlkampf nicht mehr Fakten und Argumente, sondern andere Dinge zählen. Trump fehle jede politische Erfahrung sowie die nötige Souveränität für das höchste Amt der USA, beim Reden klinge er wie ein Maulheld, hatte es geheißen. Genau dies sind laut Moore Gründe, warum sich Trump durchsetzt - denn Hassparolen wirken im US-Wahlkampf stärker als Fakten. In seinem Blog  nennt Moore fünf Argumente, um den unheimlichen Erfolg zu begründen - und die klingen allesamt einleuchtend.

Entscheidung im Rostgürtel

"Dieser bemitleidenswerte, ignorante, gefährliche Teilzeit-Clown und Vollzeit-Soziopath wird unser nächster Präsident", schreibt Michael Moore. "Präsident Trump." Der Filmemacher fordert seine Leser auf, sich an die beiden Worte zu gewöhnen, denn sie würden sie in Zukunft noch häufiger sagen müssen: "Präsident Trump."

Grund eins für die Vorhersage: Moore argumentiert mit dem amerikanischen Wahlsystem. Danach benötigt ein Kandidat keineswegs die meisten Stimmen im ganzen Land, um Präsident zu werden. Er muss vielmehr vor allem die meisten Staaten hinter sich bringen. Dabei gilt: Viele Staaten gelten bereits jetzt als fest in der Hand des demokratischen oder des republikanischen Lagers. Einige sind jedoch noch umkämpft.

Nach Angaben von Michael Moore wird sich Trump vor allem auf den Sieg im so genannten Rustbelt ("Rostgürtel"), jener traditionsreichen Industrieregion an den großen Seen im Nordosten der USA konzentrieren. Wenn er dort die Staaten Michigan, Ohio, Pennsylvania und Wisconsin hinter sich bringe, zusätzlich zu den traditionellen Republikaner-Staaten, werde ihm das zum Sieg reichen, rechnet der Filmemacher vor.

Und die Chancen seien nicht schlecht: Alle vier Staaten waren jahrelang in demokratischer Hand, haben jedoch in letzter Zeit republikanische Gouverneure gewählt, so Moore. Die wirtschaftliche Lage der Wähler dort sei nach dem Niedergang zahlreicher Industriezweige vielfach schlecht, was Trump mit seinen schlichten Erlöser-Parolen zu Gute komme.

Die Furcht vor dem Hamster im Weißen Haus

Wie viele andere Kommentatoren vor ihm kommt auch Michael Moore nicht umhin, den zornigen weißen Mann ("Angry White Man") zu erwähnen. Jenen Teil der Bevölkerung also, der in den USA Jahrhunderte lang das Heft in der Hand hielt, und der nun offenbar schon seit geraumer Zeit das Gefühl hat, die Macht würde ihm entgleiten.

Moore formuliert die Befürchtungen dieser Klientel sehr plastisch: Nachdem den Amerikanern acht Jahre lang ein schwarzer Mann gesagt habe, wo es lang geht, sollen sie sich nun weitere acht Jahre von einer Frau herum kommandieren lassen? Danach kämen vermutlich acht Jahre mit den Homosexuellen im Weißen Haus, gefolgt von den Transgendern.

Das Hillary-Problem

Es sei klar, wo das ende, zitiert Moore aus den Gedanken des "Angry White Man": Bis dahin haben auch die Tiere ihre Rechte und ein Hamster werde das Land regieren. Das müsse ein Ende haben!

Obwohl, oder gerade weil überzeugter Linker, gibt sich Moore realistisch: Machen wir uns nichts vor, schreibt er in seinem Blog, unser größtes Problem ist nicht Trump, es ist Hillary. Sie sei einfach unpopulär. 70 Prozent der Wähler hielten sie für unehrlich und nicht vertrauenswürdig (wozu vermutlich auch jene unsägliche Email-Affäre beigetragen hat, die Hillary Clinton nun schon seit Monaten begleitet. Die Republikaner riefen auf ihrem Parteitag deshalb regelmäßig, wenn der Name Clinton fiel: "Sperrt sie ein!").

Clinton verkörpere die "alte Art der Politik", deren Vertreter an nichts glaubten, das ihnen keine Wählerstimmen verschafft, so Moore. Vor allem in der jüngeren Generation, bei den so genannten Millennials, habe Clinton daher kaum Unterstützer. Bemerkenswerterweise insbesondere unter jungen Frauen nicht.

Schon gar nicht gebe es jene Begeisterung, mit der vor acht Jahren die Leute zu den Wahlurnen gepilgert seien, um für Barack Obama zu stimmen, schreibt der Filmemacher weiter. Dabei sei das doch der entscheidende Punkt: Wem gelingt es am Tag der Wahl, die meisten seiner Anhänger auch tatsächlich zu mobilisieren? Trump habe da zurzeit klar die Nase vorn.

Die deprimierten Sanders-Fans

Ein Problem stellen nach Angaben des Regisseurs auch die Anhänger des unterlegenen demokratischen Präsidentschaftsanwärters Bernie Sanders dar. Diese würde wohl zum Großteil für Clinton stimmen, so Moore. Auf dem Parteitag der Demokraten hat Sanders seine Fans in einer flammenden Rede auch noch einmal dazu aufgefordert.

Eine Begeisterung für die Kandidatin gebe es aber auch in diesen Reihen nicht, so Moore. Zu weit liegen die Positionen von Sanders und Clinton auseinander, und zu unterschiedlich sind die beiden Persönlichkeiten. Deshalb werde es wohl auch keinen Multiplikator-Effekt geben, glaubt Moore. Das heißt: Kaum ein Anhänger von Bernie Sanders dürfte nach Ansicht des Filmemachers vor der Wahl in seinem Bekanntenkreis für Hillary Clinton trommeln und so versuchen, weitere Stimmen zu gewinnen.

Der Jesse-Ventura-Effekt

In den 1990er Jahren wählten die Menschen im US-Bundesstaat Minnesota einmal einen professionellen Ringer ohne jede Polit-Erfahrung namens Jesse Ventura zu ihrem Gouverneur. Sie taten es nicht, weil sie etwa dumm waren, oder weil sie Ventura für einen guten Politiker hielten, so Moore. Sie taten es einfach, weil sie es konnten.

Filmemacher Moore macht sich keine Illusionen: Man solle nicht unterschätzen, wie viele Menschen heimliche Anarchisten seien, schreibt er. Diese dunkle Seite könnten die Leute kaum noch irgendwo ausleben - außer in der Wahlkabine, jenem beinahe letzten Ort in der Öffentlichkeit, in dem man frei von jeder Beobachtung, Kontrolle oder Weisung durch andere sei. Dort könne man einfach tun, was man wolle, so Moore. Und sei es, man schreibe Donald Duck oder Mickey Mouse auf den Wahlzettel.

Minnesota sei einer der klügsten Staaten der USA, schreibt der Filmemacher. Es gebe dort viele Leute mit einem sehr dunklen Sinn für Humor. Den Wrestler Jesse Ventura zum Gouverneur zu wählen, das war offensichtlich deren Vorstellung von einem guten Witz über ein kaputtes politisches System. Das gleiche werde mit Donald Trump erneut passieren, so Moore.

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