Mittwoch, 8. April 2020

Milliardär im US-Wahlkampf Bloomberg will bei Wahlsieg seinen Konzern verkaufen

Einer der reichsten Männer der Welt und vielleicht bald US-Präsident: Michael Bloomberg hat für den Fall eines Wahlsieges den Verkauf seines Konzerns angekündigt.
Thomas Peipert/AP/dpa
Einer der reichsten Männer der Welt und vielleicht bald US-Präsident: Michael Bloomberg hat für den Fall eines Wahlsieges den Verkauf seines Konzerns angekündigt.

Als Donald Trump vor knapp vier Jahren zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, war es ein großes Thema: Was würde der Immobilienunternehmer mit seinen Firmen machen? Um die Unabhängigkeit im höchsten Amt der USA zu wahren, erschien es geboten, einen deutlichen Schnitt zu machen, etwa, indem Trump seine Unternehmen verkauft hätte. Das tat er aber nicht. Trump übertrug die Leitung seiner Firmen vielmehr auf seine Söhne - und muss sich bis heute Kritik anhören, dass beispielsweise ausländische Diplomaten oder Staatsgäste mitunter in Hotels oder Golf-Ressorts des Präsidenten absteigen und letzterer daran letztendlich mitverdient.


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Derartigen Interessenskonflikten will Michael Bloomberg offenbar von vornherein aus dem Weg gehen. Zuletzt hatte es auch im Fall des Medientycoons Unsicherheit darüber gegeben, wie er mit seinem Unternehmen verfahren wolle, sollte er im November dieses Jahres ins Weiße Haus gewählt werden. Jetzt stellte Bloombergs Wahlkampfteam jedoch klar: Falls der Multimilliardär zum Präsidenten gewählt wird, wird er seinen Konzern verkaufen.

Laut "Wall Street Journal" würde Bloomberg sein Unternehmen zunächst in eine Stiftung überführen und später veräußern. "Wenn er zum Präsidenten gewählt wird, verkauft Mike die Firma", bekräftigte Galia Slayen, ein Mitglied seines Wahlkampfteams, Nachrichtenagenturen zufolge.

Damit käme im Fall der Fälle auf Bloomberg und sein Team wohl eine Aufgabe größeren Ausmaßes zu. Der auf Informationen aus der Welt der Wirtschaft und Finanzen spezialisierte Medienkonzern, den Bloomberg Anfang der 1980er Jahre ins Leben rief, ist bis heute zu einem Milliardengeschäft herangewachsen. Kern des Unternehmens sind die Bloomberg-Terminals, die rund um die Welt von Finanzprofis mit Daten und Fakten aus der Finanzwelt versorgen. Mehr als 300.000 Terminals hat Bloomberg inzwischen bei Kunden installiert, jeder Nutzer zahlt jährlich etwa 24.000 Dollar an Gebühren.

Ein offenbar einträgliches Geschäft: Bloomberg veröffentlicht zwar keine Angaben zu den Gewinnen des Unternehmens. Medien zufolge stieg der Umsatz des Konzerns jedoch zuletzt im Jahr 2019 um knapp 6 Prozent auf 10,5 Milliarden Dollar. Den Wert der gesamten Bloomberg-Gruppe schätzt die Beratungsfirma Burton-Taylor auf 60 Milliarden Dollar. Das US-Magazin "Forbes" geht offenbar von einer noch größeren Dimension aus: Michael Bloomberg, dem 90 Prozent der Anteile an seinem Unternehmen gehören, rangiert auf der "Forbes"-Liste der reichsten Menschen der Welt mit einem Vermögen von 64 Milliarden Dollar gegenwärtig unter den Top Ten.

Doch wie wahrscheinlich ist es, dass Bloomberg tatsächlich ins Weiße Haus einziehen kann? Der Medienunternehmer ist erst spät ins Rennen um die Kandidatur der Demokraten eingestiegen, hat aber bereits viele Millionen Dollar für Werbung ausgegeben, um seine Chancen zu verbessern. Laut "Wall Street Journal" hat Bloomberg bislang schon 385 Millionen Dollar in TV-, Radio- und Digital-Werbung für seinen Wahlkampf gesteckt.

Und das offenbar mit einigem Erfolg: Nachdem Bloomberg zunächst kaum Zuspruch bekam, rangiert er inzwischen in jüngsten Umfragen bereits unter den Spitzenreitern der demokratischen Aspiranten. Das "WSJ" etwa zitiert eine aktuelle Umfrage, die Bloomberg US-weit auf Platz zwei hinter seinem extrem linken Konkurrenten Bernie Sanders sieht. Auch die Nachrichtenagentur Reuters verweist auf eine Umfrage von Reuters/Ipsos, wonach der ehemalige Bürgermeister von New York inzwischen Platz zwei hinter Sanders belegt.

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Zu einem ersten Showdown kommt es am heutigen Mittwoch, wenn Bloomberg erstmals an einer TV-Debatte mit den übrigen Präsidentschafts-Anwärtern der Demokraten teilnimmt. Der Reichtum des Medienunternehmers dürfte dabei thematisiert werden. Konkurrenten haben sich bereits im Vorfeld kritisch über die vielen Millionen Dollar geäußert, die Bloomberg für seine Kampagne zur Verfügung stehen. Der Unternehmer wolle sich die Wahl kaufen, lautet ein Vorwurf, den beispielsweise Bernie Sanders geäußert hat.

Hintergrund: Bloomberg ist der einzige Kandidat, der seinen Wahlkampf vollständig aus eigener Tasche bezahlt. Medien zitieren ihn mit der Ankündigung, bis zu einer Milliarde Dollar in den Wahlkampf stecken zu wollen. Auf eine solche Summe dürfte unter den Konkurrenten, die allesamt auf Spenden angewiesen sind, kaum jemand kommen.

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