Dienstag, 28. Januar 2020

Empörung über Tod des Löwen Cecil Großwildjagd in Afrika - das Milliardengeschäft mit dem Tod

Großwild in Kenia: Der Tod des Löwen Cecil wirft ein Schlaglicht auf das Milliardengeschäft mit der Jagd in Afrika

Der Fall des Löwen Cecil aus einem Nationalpark in Simbabwe, den ein Amerikaner wie jetzt bekannt wurde Anfang Juli mit Hilfe eines professionellen ortsansässigen Jägers getötet hat, sorgt weltweit für Entsetzen - und er wirft ein Schlaglicht auf ein makabres Geschäft, mit dem in großen Teilen Afrikas Jahr für Jahr Milliarden umgesetzt werden: Die Großwildjagd.

Jäger aus aller Welt zieht es regelmäßig in die afrikanischen Länder, um dort ihrer Leidenschaft zu frönen, dem Töten von Tieren. Die Trophäensammler zahlen dabei in der Regel Tausende Dollar, um beispielsweise einen Löwen oder einen Büffel erlegen zu können.

Kritikern erscheint das unmoralisch, verwerflich und nicht nachvollziehbar. Der Fall Cecil etwa zieht in Medien und sozialen Netzwerken eine enorme Welle der Empörung nach sich. Es gibt bereits Morddrohungen gegen den Jäger, den Zahnarzt Walter P. aus Minnesota. Ebenso werden Unterschriften gesammelt von Leuten, die für ein Ende des abstoßenden Treibens eintreten. Nicht zuletzt äußern sich zahlreiche Prominente ebenfalls angewidert über Walter P. und seine Tat.

Die Aufregung erscheint umso nachvollziehbarer, weil Löwe Cecil keineswegs auf die vermeintlich ehrenhafte Weise erlegt wurde, wie sie aus Geschichten von Ernest Hemingway bekannt ist. Die Jäger lockten das 13 Jahre alte Tier, nach Angaben des Hwange Nationalparks in Simbabwe eine Ikone seiner Art, vielmehr zunächst aus der geschützten Zone des Parks. Daraufhin schoss Walter P. es erst einmal mit Pfeil und Bogen an.

Erst 40 Stunden später, so heißt es, sei die Raubkatze danach von ihren Verfolgern erneut aufgespürt und mit einem Schuss getötet worden. Daraufhin entfernten die Jäger Cecils Kopf sowie sein Fell von seinem Körper. Und sie versuchten offenbar noch vergeblich, ein GPS-Gerät, das der Löwe am Hals trug, zu zerstören.

Im Fall Cecil wurde sehr wahrscheinlich gegen geltendes Recht verstoßen

Vieles deutet also darauf hin, dass in diesem Fall geltendes Recht verletzt wurde. Der Jäger, der den Zahnarzt aus den USA unterstützt hatte, sowie der Besitzer des Grundstücks, auf dem der Löwe getötet wurde, wurden in Simbabwe bereits der Justiz vorgeführt. Walter P. aus Minnesota dagegen ist bislang noch nicht aufgetaucht. Er ließ lediglich eine Erklärung verbreiten, wonach er der Ansicht war, die Jagd auf den Löwen sei "legal und ordnungsgemäß" verlaufen.

Denn das ist der springende Punkt bei dem Thema: Nach geltendem Recht ist die Großwildjagd in weiten Teilen Afrikas unter bestimmten Umständen durchaus erlaubt. In Simbabwe beispielsweise können Jäger einschlägigen Websites zufolge mit der erforderlichen Erlaubnis darauf hoffen, mit Elefanten, Löwen, Leoparden und Büffeln vier der bekannten "Big Five" vor das Gewehr zu bekommen. Lediglich dem Nashorn müssen sie offenbar anderswo auflauern.

Und vor allem: Die Großwildjagd ist ein überaus einträgliches Geschäft für die Einheimischen. Zahnarzt P. soll umgerechnet etwa 45.000 Euro für seinen Abschuss gezahlt haben. Geld, das sich zusammen mit den Dollars anderer Jäger Jahr für Jahr zu Milliardenbeträgen summiert.

Damit glauben die Befürworter der Jagd zumindest ein Argument zu haben: Das Geld, so sagen sie, komme der Pflege des Bestandes sowie dem Schutz vor Wilderei zu Gute - und damit angeblich letztlich den Tieren selbst.

Christoph Rottwilm auf Twitter
Zahlen aus Südafrika zeigen, welche Bedeutung dieses Geschäft für die Gesamtwirtschaft eines Landes haben kann. Demnach gab es dort 2012 insgesamt 12.000 Wildfarmen, von denen 10.000 auch für die Jagd auf Großwild betrieben werden. Das heißt im Klartext: Auf diesen Farmen werden die Tiere zum Großteil zu dem Zweck gehalten, damit Touristen sie gegen Geld erschießen können. Der Bestand dieser Wildfarmen hat sich binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt, berichtet das Fachblatt "African Hunting Gazette".

Es handelt sich also um eine regelrechte Jagdindustrie. Laut "African Hunting Gazette" trug sie 2011 insgesamt 7,7 Milliarden Rand (etwa 552 Millionen Euro) zum Brutto-Inlandsprodukt (BIP) Südafrikas bei. Das entspreche 0,25 Prozent des gesamten BIP des Landes, heißt es weiter.

Alleine 2,1 Milliarden Rand, so die Zeitschrift, brachten die etwa 15.000 Trophäenjäger ins Land, die Jagd auf Löwen, Leoparden und Co. machten. Und: Die Wildfarmen bieten den Zahlen zufolge mehr als drei Mal mehr Menschen Arbeit als herkömmliche Viehbetriebe. Etwa 70.000 neue Jobs wurden demnach in jüngerer Zeit - Stand 2013 - auf Südafrikas Wildfarmen geschaffen.

Wohl gemerkt, das sind nur die Zahlen für Südafrika. Weitere Länder wie Simbabwe, Tansania oder Kenia sind hinzu zu addieren. Dazu kommt vermutlich eine schwer schätzbare Dunkelziffer an Millionengeldern, die für illegale Jagden und Wilderei sowie beispielsweise für Elfenbein und Hörner von Nashörnern gezahlt werden. Schwer vorstellbar, dass es Tierschützern angesichts solcher Summen gelingen kann, mit Unterschriftensammlungen und anderen Aktionen ein Ende der Großwildjagd herbeizuführen.

Weltweite Empörung: Der Tod des Löwen Cecil in Simbabwe

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