Dienstag, 18. Juni 2019

Erster Quartalsverlust nach Jahren Krankenkassen müssen Rücklagen anzapfen

Viele Krankenkassen mussten im ersten Quartal ihre Rücklagen anzapfen

Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland sind im ersten Quartal erstmals nach drei Jahren in die Miesen gerutscht. Das ist kein Grund zur Panik, denn die Rücklagen belaufen sich auf 21 Milliarden Euro.

Erstmals seit drei Jahren müssen gesetzliche Krankenkassen wieder ihre Finanzreserven anzapfen, um die Ausgaben für die Behandlung ihrer Versicherten zu bezahlen. In den ersten drei Monaten dieses Jahres verbuchten die Krankenkassen ein Minus von 112 Millionen Euro, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Donnerstag berichtet. Die Zuweisungen des Gesundheitsfonds reichten nicht aus.

Im Vorjahr hatten die Kassen nach dem ersten Quartal demnach noch einen Überschuss von 416 Millionen Euro genannt. Zu Beginn dieses Jahres allerdings wiesen Ersatz-, Betriebs- und Innungskassen Verluste aus, die Allgemeine Ortskrankenkassen (AOK) und die Knappschaft halbierten ihre Überschüsse im Jahresvergleich, wie die Zeitung weiter berichtet. Die Verluste, teils Folge von Beitragssenkungen, würden nun aus den Rücklagen der Kassen gedeckt.

Diese sind - allerdings unterschiedlich verteilt - 21 Milliarden Euro schwer und werden jetzt von den Kassen angezapft. Weitere knapp 10 Milliarden lagen im Gesundheitsfonds.

Die Ersatzkassen, die mit 28 Millionen Versicherten Marktführer knapp vor den AOK sind, standen Ende März mit 151 Millionen Euro in den Miesen, die Betriebskrankenkassen mit 60 Millionen, die Innungskassen mit 16 Millionen Euro. Die AOK weisen noch einen Überschuss von 89 Millionen Euro aus, doch das ist weniger als die Hälfte der 197 Millionen Euro aus dem Vorjahresquartal.

Kassenvertreter riefen die Politik zur Mäßigung bei neuen Leistungsgesetzen auf. Jens Martin Hoyer, der stellvertretende Vorsitzende des AOK-Bundesverbands, sagte der "FAZ", die finanziellen Aussichten der gesetzlichen Krankenversicherung "trüben sich doch merklich ein". Der Kurs der extensiven Ausgabenpolitik müsse kritisch hinterfragt werden. Die Vorsitzende des Ersatzkassenverbands, Ulrike Elsner, sagte der Zeitung, die Zeit der Überschüsse in der gesetzlichen Krankenversicherung "geht vorbei".

Kostenintensive Gesetze wie das für mehr Pflegepersonal und für die zügigere Vergabe von Arzttermine würden im Laufe des Jahres ihre Wirkung entfalten, sagte Elsner weiter. Das werde den Wettbewerbsdruck unter den Kassen spürbar erhöhen.

rei mit dpa

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