Angriffe auf die Notenbank Zielscheibe EZB - was Blockupy und andere übersehen

Ausnahmezustand rund um die EZB in Frankfurt: Die Wut gegen die Zentralbanker und ihre Politik entlädt sich

Ausnahmezustand rund um die EZB in Frankfurt: Die Wut gegen die Zentralbanker und ihre Politik entlädt sich

Foto: dpa

Es sind bizarre Szenen, die sich am Mittwoch im Frankfurter Ostend abspielen: Die Eröffnung der neuen EZB-Zentrale am alten Großmarktgelände mündet in einer stundenlangen Straßenschlacht, Mülltonnen und Polizeiwagen brennen, Barrikaden werden aufgebaut, Hubschrauber sichern den Luftraum über Frankfurt, das Dröhnen ihrer Motoren nervt seit dem frühen Morgen.

Für Bambule sorgen die globale Antikapitalismus-Guerilla "Blockupy" und einige ihrer gewaltbereiten Mitglieder, die teilweise extra aus dem Ausland angereist sind. "Gegen Verarmung und die Macht des Kapitals" protestieren sie, und man kann sicher sein, dass sie mit dieser Haltung (wenn auch nicht mit der Ausdrucksform) mehrheitsfähig sind in diesem Land.

Fotostrecke

EZB-Neubau eröffnet: Krawall um Mario Draghis Machtzentrale

Foto: dpa

Denn gegen die Europäische Zentralbank (EZB) und ihren Präsidenten Mario Draghi zu sein, ist schwer im Mode - bei Linken wie bei Rechten, bei der öffentlichen wie veröffentlichten Meinung. Vor allem dort. Angeführt von den geldpolitischen Hardlinern und D-Mark-Nostalgikern der FAZ herrscht weitgehend Konsens darüber, dass die Draghi-Truppe so ziemlich alles falsch macht.

Griechen, Linke und manche Ökonomen zeihen das Troika-Mitglied des "financial waterboarding", das die Helenen mit harten Sparauflagen stranguliert. Konservative wiederum zürnen der EZB wegen ihrer angeblichen Nachsichtigkeit gegenüber den Problemnachbarn im Süden, die mit Niedrigzinsen und immer neuen geldpolitischen Trinkereien künstlich am Leben gehalten werden.

Dass der Euroraum noch existiert, ist einzig der EZB zu verdanken

Die Allianz, die da im Chor "Shame on you, EZB!" ruft, ist genauso bizarr wie die Szenen, die sich im Ostend abspielen. Denn konsequent wäre es gewesen, wenn die Blockupisten ihren Aufmarsch nach Ginnheim verlegt hätten - dorthin, wo die Deutsche Bundesbank sitzt, die die Südeuropäer gern noch viel härter rannehmen würde, wie sie bei jeder Gelegenheit deutlich macht. Ihr war schon Draghis Liquiditätsspritze LTRO ein Schluck zu viel aus der Pulle, von seinem "whatever it takes"-Bekenntnis zur Verteidigung des Euro ganz zu schweigen.

Dass der Euroraum überhaupt noch existiert und Griechenland noch nicht vollends auf das Niveau eines Dritte-Welt-Landes zurückgefallen ist, ist einzig der EZB und Draghi zu verdanken. Blockupy blendet das weitgehend aus. So wie Konservative ausblenden, dass das EZB-Mandat nicht die Befriedigung deutscher Bedürfnisse ist, sondern der Zusammenhalt des Währungsgebiets. Daran freilich, dieser Eindruck wird immer stärker, haben nur noch die wenigsten ein Interesse.

Die Folgen dieser Politik sind - und hier kommen die Konservativen ins Spiel - die ultraniedrigen Zinsen. Die machen fraglos Banken und Versicherern das Leben schwer, die persönliche Altersvorsorge wird diffiziler. Andererseits verweigern sich die Deutschen seit Jahrzehnten und bis heute hartnäckig dem Aktienmarkt. Der eilt, dank der lockeren Geldpolitik, von einem Rekord zum nächsten und ist langfristig, jede Statistik belegt das, ohnehin die bessere Alternative als der Anleihemarkt.

In vielen anderen Ländern, die kapitalmarktfreundlicher sind, weiß man das, in Deutschland nicht. Hier dominiert - neben dem Wehklagen über die sich ändernden Verhältnisse - die Angst vor platzenden Blasen. Ob es welche gibt, weiß allerdings niemand. Auch die von der Bundesbank und ihren publizistischen Mitstreitern länglich prognostizierte Inflation ist bislang eine Schimäre.